Kühe besser verstehen

Landwirte geben viel Geld für Stalleinrichtung aus, um ihren Kühen ein angenehmes Umfeld zu schaffen. Dennoch entsprechen viele Ställe nicht den Bedürfnissen der Kühe und erhöhen deren Krankheits- und Verletzungsrisiko.
Obwohl kotverschmutzte Liegebuchten nicht wünschenswert sind, sollte klar werden, dass Sauberkeit alleine ein schlechter Parameter bei der Beurteilung der Liegebuchtgestaltung ist.
Obwohl kotverschmutzte Liegebuchten nicht wünschenswert sind, sollte klar werden, dass Sauberkeit alleine ein schlechter Parameter bei der Beurteilung der Liegebuchtgestaltung ist.
Die meisten Liegebuchten bieten heute mehr als nur eine "Ablagefläche" für Kühe. Wir haben eine Reihe von Experimenten durchgeführt, die zeigen, wie Liegebuchtengröße und -gestaltung die Steh- und Liegezeiten der Kühe beeinflussen kann. So haben z.B. verschiedene Buchtenbreiten von 105, 115 oder 125 cm unterschiedliche Reaktionen bei den Kühen hervorgerufen. Kühe verbrachten zusätzlich 42 min/Tag mehr in der breitesten Liegebucht, weil sie wahrscheinlich weniger Kontakt mit den Buchtenabtrennungen hatten als dies in den schmaleren Buchten der Fall ist. Der Nackenriegel (Nackenband, -rohr etc.) soll in erster Linie ein zu weites Eintreten der Kuh in die Bucht verhindern. Das Bugbrett hat die gleiche Funktion, nämlich den Kot- oder Urinabsatz außerhalb der Liegefläche zu gewährleisten. Aber gerade das Bugbrett hat oft eine kontraproduktive Wirkung - Kühe verbringen ganze 1,5 Stunden/Tag weniger liegend im Vergleich zu Stallungen ohne diese vordere Boxenabtrennung.

Gute Boxen brauchen Pflege
Je weniger Kühe die Liegebuchten aufsuchen, desto sauberer sind sie natürlich. Obwohl kotverschmutzte Liegebuchten nicht unbedingt wünschenswert sind, sollte jedoch klar werden, dass Sauberkeit alleine ein schlechter Parameter bei der Beurteilung der Liegebuchtgestaltung ist. Liegeplätze, die häufiger aufgesucht werden, enthalten viel wahrscheinlicher Kotanteile. Von daher brauchen solche Buchten natürlich auch relativ mehr Pflegeaufwand als sonstwo im Stall.

Die 5 goldenen Regeln des Kuh-Komforts
1) Kühe mögen weiche Untergründe. Das gilt gleichermaßen für Liegeboxen wie für Laufflächen. Tiefboxen funktionieren sehr gut, erfordern aber regelmäßige Pflege.
2) Beim Stallbau gilt eine einfache Regel: Weniger harte Gegenstände bedeuten mehr Komfort für die Kuh. Alle festen, insbesondere tragenden Konstruktionsteile, dienen in erster Linie unseren Zwecken und nicht unbedingt dem Wohlergehen der Kühe. Daher gilt: Je mehr wir Kühe damit einschränken, umso unattraktiver werden diese Stallverhältnisse für die Kühe.
3) Lenkende Stallsysteme (z.B. Nackenriegel) helfen die Ställe sauberer zu halten. Um aber Probleme mit der Klauengesundheit zu vermeiden, müssen diese Einrichtungen mit verbesserten Laufflächen kombiniert werden. Diese sollten zum einen weicher sein, zum anderen aber auch besser abtrocknen.
4) Die Gestaltung und das Management des Fressplatzes sind ebenfalls von herausragender Bedeutung. Überbelegungen am Futtertisch verschärfen Rangordnungskämpfe und verhindern, dass randniedere Tiere gerne zum Fressen kommen.
5) Abtrennungen zwischen den Kühen, wie z.B. Fressgitter oder Fressbuchten, helfen diese Kämpfe zu reduzieren und erhöhen die Fresszeit.

Autoren: Marina von KEYSERLINGK und Dan WEARY, University of British Columbia, Kanada


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Aktualisiert am: 22.05.2009 10:11
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