Krankheit: Schnelle Pille gegen Wehwehchen

Dürfen unsere Kinder noch krank sein? Immer wieder sind offensichtlich erkältete oder fiebrig wirkende Kinder in Krippe, Kindergarten oder Schule anzutreffen. Da stellt sich die ­Frage nach dem ­Warum!
Was trägt mehr zur Gesundung bei – die Pille oder die erhöhte Aufmerksamkeit und außergewöhnliche Betreuung während der Krankheitstage?
Was trägt mehr zur Gesundung bei – die Pille oder die erhöhte Aufmerksamkeit und außergewöhnliche Betreuung während der Krankheitstage?
Wir leben in einer Zeit, in der wir Erwachsene uns sehr genau überlegen, ob wir es uns leisten können, in Krankenstand zu gehen und so eventuell unseren Arbeitsplatz zu gefährden oder ob wir lieber krank arbeiten gehen. Unsere Kinder unterliegen diesem Druck erfreulicherweise noch nicht, oder?

Rasche Problemlösung mit Medikamenten
Die Verlockung, schnell zu einem Medikament zu greifen, ist groß – Angebote gibt es ja genug, und was wir Erwachsene machen, wird ja wohl auch unseren Kindern helfen, oder? Schulmedizin, Homöopathie, Hausmittel und vieles mehr, stehen uns zur Verfügung, um kleinere und größere Wehwehchen zu korrigieren. Wir haben die Qual der Entscheidung. Es soll schnell helfen und wieder „heil machen“.
Dies bezieht sich nicht nur auf herkömmliche Kinderkrankheiten, sondern auch auf Kinder, die in irgendeiner Form nicht der gesellschaftlichen Vorstellung eines gut erzogenen Kindes entsprechen. Gemeint sind jene Kinder, die in der Krippe, dem Kindergarten oder der Schule auffallen, weil sie „irgendwie anders“ sind. Sie reden nichts oder zu viel, streiten mit Gleichaltrigen oder haben kein Interesse an ihnen, befolgen alle Regeln der Erwachsenenwelt oder rebellieren gegen alles und jeden. Diese Kinder sind eine Herausforderung – in ihrem Umfeld wird sehr schnell der Ruf nach einem Wundermittel laut. Nach dem Motto: Ich schicke mein Kind zu Ihnen, machen Sie es wieder gesund! Immer wieder erlebe ich Eltern, die lieber einer schnellen Medikamentengabe zustimmen, als an sich selbst und ihrer Familiensituation zu arbeiten. Somit lernen Kinder schon früh: Gegen jedes Wehwehchen gibt es etwas, ich brauche es nur zu nehmen. Wäre schön, wenn es so leicht wäre!

Vorsicht ist angezeigt
Jedes Ding hat zwei Seiten – eine positive und eine negative: Schmerzmittel, Psychopharmaka und andere Medikamente zeigen erfolgreich Wirkung bei Krankheitssymptomen und haben gleichzeitig eine ganze Litanei von Nebenwirkungen, die wir uns im Beipacktext oftmals gar nicht erst durchlesen. Sollten wir aber – speziell, wenn sie unsere Kinder betreffen. Die Hausapotheken sind oftmals pumpvoll mit Beruhigungsmitteln, Mitteln gegen Husten, Durchfall, Entzündungen und ähnlichem. Der Hausarzt hat es verschrieben, für die Kinder nehmen wir einfach eine niedrigere Dosis. Den meisten Eltern ist gar nicht bewusst, dass Kinder sehr oft Medikamente bekommen, die gar nicht an dieser Altersgruppe getestet wurden bzw. nicht für sie zugelassen sind. Manchmal sind Medikamente, die bei Erwachsenen eine gute Wirkung zeigen, bei Kindern unwirksam, manchmal sogar schädlich.
Darum sollten wir Eltern uns gut überlegen, ob wir unseren Kindern nicht lieber ein paar Tage Rekonvaleszenz gönnen statt sie mit Medikamenten schnell wieder fit zu machen.

Autorin: Mag. Sonja KARGL, Graz


Aktualisiert am: 21.09.2009 15:32
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