Kolostrummanagement in der Ferkelproduktion birgt große Chancen

Die ersten Stunden nach der Geburt entscheiden über die Entwicklungsfähigkeit eines Ferkels. Wie eine gleichmäßige Kolostrumaufnahme über den ganzen Wurf erzielt werden kann, zeigen neue Forschungsergebnisse.
Den Ferkeln muss in der ersten Lebensstunden eine ausreichende Kolostum-Aufnahme ermöglicht werden.
Den Ferkeln muss in der ersten Lebensstunden eine ausreichende Kolostum-Aufnahme ermöglicht werden.
In den letzten zehn Jahren hat sich die Fruchtbarkeit von Sauen immens verbessert. Größere Würfe bedeuten jedoch, dass Sauen oft nicht mehr in der Lage sind, ihre Ferkel ausreichend mit Milch bis zum Absetzen zu versorgen. In erster Linie gilt es jedoch, jedem neugeborenen Ferkel unmittelbar nach der Geburt genügend Kolostrum zur Verfügung zu stellen. Mit zunehmender Wurfgröße verringert sich das durchschnittliche Geburtsgewicht je Wurf. Kleine Ferkel wachsen langsamer, weisen höhere Sterblichkeitsraten auf, was sich letztendlich in geringeren Absetzgewichten und schlechten Absetzraten niederschlägt.

Beruhigung der Sau

Mit Hilfe eines konsequenten Kolostrummanagements können der Gesundheitsstatus des gesamten Wurfes und damit die Absetzraten erheblich verbessert werden. Ziel ist es, allen Ferkeln die gleiche Chance zu geben, unabhängig von ihrer Größe und wie viele Wurfgeschwister sie haben. Eine Möglichkeit, die wir in unserer tierärztlichen Praxis bereits einsetzen, ist eine einmalige „Beruhigungsmittel“-Gabe (eine Azaperon-Gabe, 2 mg/kg, max. 320 mg je Sau) nach Ausstoßung der Nachgeburt. Die Sauen werden ruhiger, liegen entspannt in Seitenlage und ermöglichen so allen Ferkeln den ungehinderten Zugang zur Milchleiste. Mit Hilfe dieses Management-Tools erreicht man:

  • frühzeitige Kolostrumaufnahme aller Ferkel
  • gleichmäßigere Kolostrumverteilung je Wurf
  • Senkung der Mortalitätsrate
  • höhere Überlebenschancen bei Ferkeln unter 1 kg Geburtsgewicht
  • höheres Absetzgewicht
  • mehr Ferkel mit höheren Absetzgewichten nach 24 Tagen


Vor kurzem wurden die wissenschaftlichen Ergebnisse der „Beruhigungsmittel“-Gabe als alternative Methode zur Verbesserung der Kolostrumversorgung bei den Ferkeln veröffentlicht. Dr. Ernst-Günther HELLWIG, Agrar- und Veterinär-Akademie (AVA) hat die Ergebnisse der Studien in der aktuellen Ausgabe 4/2011 von Der fortschrittliche Landwirt zusammengefasst.


Aktualisiert am: 10.02.2011 14:20
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