Kolostrum: Biestmilch - Qualität unter die Lupe nehmen

Ein Kalb, das nach der Geburt ausreichend Kolostrum erhält, gibt später mehr Milch. Die Qualität der Biestmilch kann mit dem Kolostrometer gemessen werden.
Falls ein Kalb 2 Liter nicht innerhalb der ersten 3 Lebensstunden trinkt, soll mittels Kälberdrencher nachgeholfen werden.
Falls ein Kalb 2 Liter nicht innerhalb der ersten 3 Lebensstunden trinkt, soll mittels Kälberdrencher nachgeholfen werden.
Da die Jungtiere völlig schutzlos geboren werden, beginnt gleich nach der Geburt ein Wettlauf zwischen Krankheitserregern, die das Kalb aus seiner Umgebung aufnimmt, und der Aufnahme von Abwehrstoffen in Form von Kolostrum. Aus diesem Grund ist die Hygiene im Geburtsbereich sowie des Geburtshelfers von entscheidender Bedeutung, denn auch bei den krankmachenden Keimen spielt Menge und Zeitpunkt der Aufnahme eine entscheidende Rolle. Die erste Biestmilchgabe muss innerhalb von 3 Lebensstunden erfolgen und mindestens 2 Liter hochwertiges Kolostrum betragen. Danach sollte alle 6 Stunden etwa dieselbe Menge verabreicht werden.

Nuckel säubern
Die erste Tränke wird am besten per Hand mittels Nuckeleimer oder Nuckelflasche gefüttert. Dabei ist auf höchste Sauberkeit zu achten, denn besonders die Ventile der Nuckeleimer sind eine wahre Brutstätte für Bakterien (Biofilm), die bei einem ungeschützten, neugeborenen Kalb rasch zu Durchfallerkrankungen führen. Daher sollte dieses Ventil vorher mit einem Melkmaschinenreiniger gesäubert werden. Ein Saugen lassen am Euter hat den Nachteil, dass die Menge und Qualität der Biestmilch nicht festgestellt werden kann. Falls ein Kalb 2 Liter nicht innerhalb der ersten 3 Lebensstunden trinkt, soll mittels Kälberdrencher nachgeholfen werden. Eine Zwangsfütterung mit einer Nuckelflasche ist abzulehnen, da dabei sehr leicht Flüssigkeit in die Lunge gelangt.
Die Trinkschwäche des Kalbes darf jedoch nicht einfach hingenommen werden. Eine genaue Ursachenforschung bringt häufig Probleme wie Blutübersäuerung nach Schwergeburten oder Selenmangel ans Licht, die durch tierärztliche Intervention (Bikarbonatinfusion) bzw. adäquate Trockensteherfütterung der Kühe (Selenversorgung) leicht zu beheben sind.

Autor: Dr. Walter PEINHOPF, Dr. Vet – die Tierärzte, Jöss


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Aktualisiert am: 28.07.2009 16:38
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