Körperbewusstsein haben heißt selbstbewusst sein

Geschicklichkeit beim Laufen, Springen und Turnen, der gekonnte Umgang mit Ball, Rollschuhen und Fahrrad bringen Freude an der Bewegung und Selbstbewusstsein. Gezielte Motivation und Förderung – nicht Überforderung! – stärken Körperbewusstsein und Selbstsicherheit.
Kinder, die früh gewisse Entscheidungen selbst treffen dürfen, leben weniger gefährlich und sind reicher an körperlichen Erfahrungen. Ihr Körperbewusstsein vermittelt ihnen Selbstbewusstsein.
Kinder, die früh gewisse Entscheidungen selbst treffen dürfen, leben weniger gefährlich und sind reicher an körperlichen Erfahrungen. Ihr Körperbewusstsein vermittelt ihnen Selbstbewusstsein.
Körperbewusstsein ist eine der wichtigsten Grundlagen für die Entstehung von Selbstbewusstsein. Wenn ein Kind seine grob- und feinmotorischen Möglichkeiten genau kennt, es also weiß, dass es gut zeichnen oder Rad fahren kann, bekommt es dadurch viele Erfolgserlebnisse vermittelt. Und erkennt: Das bin ja ich, die/der das alles schafft und das alleine kann! Das schafft Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Positive Körpererfahrungen motivieren
Den Grundstock für erste positive Körpererfahrungen eines Kindes legen die Eltern bereits in den ersten Lebensmonaten. Das Baby wird von den Bezugspersonen durch Herumtragen, Streicheln und leise Worte beruhigt und spürt, wie dadurch der eigene Körper zur Ruhe kommt und Aufregungen verschwinden. Streckt uns ein Baby die Arme entgegen, wissen wir, dass es etwas anfassen, ertasten oder einfach hochgehoben werden möchte. Durch die Hilfe der Erwachsenen erlebt auch ein kleines Kind schon viel, bevor es noch durch Krabbel-, Robb-, Gehversuche selbstständig von der Stelle kommt und so die Welt erkunden kann.
Durch Körperkontakt mit vertrauten Personen erleben Kleinkinder bereits intensiv ihren eigenen Körper. Welche Berührungen mag ich gerne, welche nicht so? Manche Kinder mögen lieber zarten Kontakt wie beim Eingecremt- werden, andere wiederum werden gerne auch schon fester massiert. Sie erleben, dass manchmal Nähe durch andere sehr angenehm sein kann, in anderen Situationen aber störend – speziell dann, wenn das Kind „sich selbst spüren“ will und mit der Erkundung der eigenen Körperteile beschäftigt ist, Finger und Zehen in den Mund steckt, die Händchen und Finger eingehend betrachtet. Da ist dann kein Platz für Angebote von außen.

Verweigerung gelten lassen
Auch wenn Eltern und Verwandte nicht immer begeistert sind: Eine Weigerung Begrüßungs- und Abschiedsbussis zu geben und klar Nein zu sagen, ist ein Erfolg in der Entwicklung eines Kindes. Zum einen achten Kinder so ihre eigenen Bedürfnisse, können auch Fremden gegenüber klar sagen, welche Form der körperlichen Zuwendung sie nicht wollen, zum anderen können sie besser auf die Bedürfnisse der anderen eingehen, wenn sie wissen, was sie selbst wollen oder nicht.

Kommentare spornen an oder blockieren
Kommentare von anderen Kindern und Erwachsenen können dabei stark verunsichern. Sie können dazu führen, dass Kinder, die sich ohnehin nicht gerne oder unsicher bewegen, gar keine Bewegung mehr machen wollen. Kommentare verbieten, geht nicht. Sinnvoller sind da schon Bewegungsspiele, wie etwa in einem Teppich von anderen Kindern gezogen zu werden, um Sicherheit und Freude am Umgang mit der Bewegung zu erhalten oder wieder zu erlangen. Zwang und Drohung bringen nicht den gewünschten Erfolg. Anina etwa sagt im Kindergarten, wenn eine Bewegungseinheit angekündigt wird, stets: „Ich habe mir grade den Fuß angehaut und kann nicht mitmachen.“ Sind die anderen im Turnsaal, ist sie wieder erstaunlich rasch „geheilt“. Sie muss also die Chance bekommen, wieder Freude an der Bewegung zu erleben und das geht nur ohne Kommentare.
Stolpersteine gehören auch zur Entwicklung eines gesunden Selbstbewusstseins. Eltern lassen manchmal aus Liebe ihre Kinder wenig „selbst tun“. Sie denken: Unser Kind soll es leichter haben als wir – wir ersparen ihm „gefährliche“ Aktivitäten. Also kaufen wir ein Kindergartenhaus mit Leiter, statt unsere Kinder wild auf Apfelbäumen klettern zu lassen. Aber: Nur wer lernt, nach dem Hinfallen wieder aufzustehen, der wird beim nächsten Unfall schneller zu einer passenden Lösung kommen.

Autorin: Mag. Sonja KARGL, Kinder- & Familienpsychologin, Graz


Aktualisiert am: 02.04.2010 11:04
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