Körnermaismarkt: Zwischen Verheißung und Drohung

Hohe Erträge und nachgebende Notierungen werfen die Frage auf: Soll die Ernte eher eingelagert oder gleich verkauft werden? Eine allgemeine Empfehlung dazu gibt es nicht, die folgende Analyse kann aber helfen, für den Betrieb die richtige Entscheidung zu fällen.
Ein Großteil der Maisernte geht durch den Tiermagen, die Entwicklung der Tierbestände wirkt daher preisbildend auf dem Maismarkt.
Ein Großteil der Maisernte geht durch den Tiermagen, die Entwicklung der Tierbestände wirkt daher preisbildend auf dem Maismarkt.
61 Mio. t Verbrauch an Mais in der Gemeinschaft lässt sich problemlos durch 58 Mio. t aus der diesjährigen Ernte sowie 3 Mio. t. an Importen abdecken. Nach Verrechnung mit den anstehenden Maisexporten von 1 Mio. t. bleibt am Ende des Wirtschaftsjahres noch ein Lagerbestand von 4,8 Mio. t.
77 % bzw. 47 Mio. t des Mais gehen durch Viehmägen. Ein besonderes Augenmerk ist daher auf die Entwicklung der Viehbestände zu richten, dies vor allem in Deutschland. 2008 wächst dort der Rindviehbestand im Jahresvergleich um 400.000 oder 3 % auf 13 Mio. Tiere. Hohe Milchpreise im Herbst 2007 führen zu einem verstärkten Milchangebot. Kurzfristig kann das nur über einen verstärkten Kraftfuttereinsatz erreicht werden. Andererseits nimmt der Schweinebestand im letzten Jahr ab. Trotzdem steigt auch dort der gesamte Kraftfutterverbrauch, da die Mäster das eigene Getreide im Herbst 2007 zu attraktiven Preisen vermarkten und sich später mit Ware aus den Kraftfutterwerken behelfen. All das schlägt sich in einem 6%igen Anstieg an der Mischfuttererzeugung auf 21,3 Mio. t gegenüber 2007 nieder.
Der Anstieg der Schweinebestände wegen des Anziehens von deren Notierungen sowie die Anhebung der Milchquote um 2 % könnte diese Tendenz im laufenden Jahr verstetigen. Dazu trägt auch der Wiederaufbau der Geflügelbestände bei, die durch die Vogelgrippe zuvor reduziert wurden.
Nun steht den Kraftfutterwerken eine Vielzahl von Komponenten zur Herstellung ihrer Ware zur Verfügung. Der preiswerteste Bestandteil wird dann bis zum futterphysiologischen Maximum beigemischt. Auf 43,6 % bzw. 9,3 Mio. t beläuft sich der Getreideanteil, davon 2,6 Mio. t Mais. Dieser stammte im letzten Jahr vor allem aus Drittländern.

Ethanol verringert Preisdruck
Auch in diesem Jahr steht genügend einheimischer Mais zur Verfügung, er steht aber in Konkurrenz zu Futterweizen. Nach dem Energiegehalt dürfte Mais 4 % teurer sein als Futterweizen. Derzeit liegt die Mannheimer Notierung aber bei Mais sogar 8 €/ unter dem des Futterweizen. Das könnte die Nachfrage nach dieser Druschfrucht verstärken. Dazu kommt der die Erzeugung von Ethanol. Im laufenden Vermarktungsjahr sollen 1,9 Mio. t Getreide zusätzlich dafür eingesetzt werden. Bei den derzeit in Planung befindlichen Produktionsanlagen für Ethanol in der EU besteht ein zusätzlicher Jahresbedarf von 400.000 t Mais. Auch das verringert den Preisdruck.

Fazit
Die Maisernte in der EU – 27 liegt 23 % über der des Vorjahres. Beim Weizen ist ein ähnlicher Ertragssprung zu verzeichnen. Die Notierungen tragen dem Rechnung. Sie sind sowohl beim Weizen wie beim Mais um rund ein Drittel gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen.
Mais und Weizen wetteifern um die vorhandenen beschränkten Lagerkapazitäten. Zuerst steht dann das Produkt zum Verkauf, das den geringsten monatlichen Report verzeichnet. Damit geht Weizen vor Mais aus dem Lager. Denn der zusätzliche Absatzkanal zur Erzeugung von Ethanol wie die derzeit günstige Preisrelation zu Futterweizen schaffen zumindest vorübergehend eine preisliche Unterstützung.

Autor: Joachim RUHMANN, DLR Bad Kreuznach


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Aktualisiert am: 09.10.2008 15:41
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