Kneippkur für Österreichs Milchwirtschaft

Heiß und kalt wurde der österreichischen Milchwirtschaft im Jahr 2005. Die Vereinigung Österreichischer Milchverarbeiter, kurz VÖM zog in einer Pressekonferenz Bilanz über das Jahr 2005 und gab einen Ausblick auf das Jahr 2006.
Dir. DI Hans Steiner, Präsident der VÖM und Geschäftsführer der Alpenmilch Salzburg zeigte sich über die stabile Entwicklung der Milchverarbeiter im Jahr 2005 höchst erfreut. Während dem heimischen Markt eindeutig an Dynamik fehlte, konnten sich die Milchverarbeiter auf den Exportmärkten profilieren und weiter zulegen.

Vorläufige Daten lassen auf eine leichte Zunahme der Umsätze der Milchverarbeiter um 1,76 Milliarden € schließen, während sich der betriebliche Überschuss (Cash Flow) von 5,5 % auf 5,1 %, bezogen auf die Betriebsleistung, verringerte.

Milchpreis

Die Erzeugermilchpreise (inkl. USt) konnten trotz Absenkung der Interventionspreise für Magermilchpulver und Butter auf 33,02 Cent je kg (bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß) leicht erhöht werden. Damit bewegen sich die österreichischen Milchpreise über dem EU-Durchschnitt.

Marktentwicklung

Insgesamt konnten im heimischen Lebensmitteleinzelhandel im abgelaufenen Jahr Milchprodukte im Wert von 1,234 Milliarden € abgesetzt werden. Nachdem der Diskont seine Marktanteile weiter ausbauen konnte, ergab sich für die einzelnen Bereiche eine differenzierte Entwicklung. Der Frischmilchkonsum ist im Jahr 2005 mengenmäßig um 8 % gesunken. Ähnlich verhielt sich die Absatzentwicklung beim Käse, bei dem der Inlandskonsum ebenfalls gesunken ist.

Hingegen konnten die Exporte von 714 auf 725 Millionen € gesteigert und ein neuer Exportrekord erzielt werden. Mit einer Exportquote von 41 % lag man im europäischen Mittelfeld.

Ausblick

Trotz weiter laufenden WTO-Verhandlungen, weiteren Liberalisierungsschüben und verschärften Wettbewerb werden die Milchverarbeiter laut Steiner auch in Zukunft bestmöglich für die österreichischen Konsumenten und Landwirte wirtschaften. Um dies zu erreichen fordert Steiner: „Es dürfen von den Verhandlern keine weiteren Zugeständnisse in der Milchwirtschaft gemacht werden, um nicht neuerlichen Druck auf die europäische Milchwirtschaft zu erzeugen.“

Bauernsterben hält weiter an

Ernüchternde Zahlen liegen über dem Rückgang der der Milchlieferanten im Jahr 2005 vor. Die Anzahl der Milchlieferanten fiel um 6 % auf 48.000 Bauern. Somit drehten 3000 Milchbauern den Milchhahn - wahrscheinlich für immer und mit allen Konsequenzen für Bauer, Kulturlandschaft und Arbeitsmarkt - zu. Steiner gewährte einen Ausblick: „In den nächsten Jahren werden 20 % der bestehenden Betriebe folgen.“


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Aktualisiert am: 03.05.2006 09:18
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