Klimaschutz und Humus

Humus ist durch die Klimadiskussion in aller Munde. Für Landwirte und Gärtner gilt er seit jeher als Grundlage für fruchtbaren Boden. Heutzutage wird Humus von so manchem zum Klimaretter hochstilisiert. Was ist dran?
Humus ist für die Bodenfruchtbarkeit enorm wichtig.
Humus ist für die Bodenfruchtbarkeit enorm wichtig.
Humus im engeren Sinn ist die gesamte abgestorbene organische Masse des Bodens und besteht vorwiegend aus Pflanzenteilen (Stroh, Wurzeln, ...). Nur in untergeordnetem Ausmaß sind Bodenlebewesen der Ausgangsstoff für Humus. Diese organische Masse besteht zu ca. 58 % aus Kohlenstoff und wird dadurch klimarelevant. In unserer Erdkugel, im Gestein und den Sedimenten ist die unvorstellbare Menge von 75.014.100 Gigatonnen Kohlenstoff eingeschlossen, das sind 99,95 % des gesamten Kohlenstoffes auf unserem Planeten. Europas Böden enthalten schätzungsweise 73–79 Mrd. Tonnen Kohlenstoff. Im Vergleich zum Weltvorkommen eine verschwindend geringe Menge. Von den 73-75 Mrd. Tonnen sind beinahe 50 % in den Torfmooren der nördlichen Länder gespeichert. Der Schutz der Torfmoore hat daher für den Klimaschutz eine große Bedeutung. Der Klimawandel wird durch die Freisetzung klimarelevanter Gase angefacht. Bei der Verbrennung der fossilen und nicht erneuerbaren Energieträger wird der darin gespeicherte Kohlenstoff als treibhausförderndes Klimagas in unsere Atmosphäre abgegeben.

Das Bodenlebewesen trägt zum Humusaufbau im Boden bei.
Das Bodenlebewesen trägt zum Humusaufbau im Boden bei.
Eine Möglichkeit zum Klimaschutz wäre, den Humusgehalt unserer Ackerböden innerhalb von 20 Jahren um 1 % zu steigern versuchen. Das würde 1,1 Mio. Tonnen bringen. Laut Klimaschutzbericht 2009 des Umweltbundesamtes beträgt der CO2- Ausstoß von Österreich 87,85 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent, das entspricht knapp 24 Mio. Tonnen Kohlenstoff, davon entfallen auf die Landwirtschaft 2,16 Mio. Tonnen Kohlenstoff. Aus dieser einfachen Milchmädchenrechnung ist ersichtlich, dass bei den beiden Humusanreicherungsszenarien die Landwirtschaft nicht einmal ihre eigene CO2-Freisetzung wettmachen kann – so viel zu Humus als Klimaretter!

Der Humusgehalt wird nicht nur durch die menschliche Bewirtschaftung beeinflusst, sondern ist vielmehr vom Klima (Wasser, Wärme, Luft im Boden) und der Bodenart (sandig, lehmig, tonig) abhängig und kann daher nicht beliebig abgesenkt bzw. gesteigert werden. Auf unseren Almen mit langen Wintern und rauem Klima finden wir hohe Humusgehalte aufgrund der behinderten Mineralisation durch die fehlende Wärme. Humus hat für die Bodenfruchtbarkeit eine viel größere Bedeutung als für den Klimawandel. Durch Humus werden unsere Böden lockerer, können vielmehr Wasser und Nährstoffe speichern, Schadstoffe filtern und neutralisieren und werden so zum Lebensraum für Bodenlebewesen und Pflanzen. Diese sind im Wechselspiel wiederum verantwortlich für die Humus entstehung. Es muss also in unserem Interesse sein, auf die Gesundheit und Fruchtbarkeit der Böden zu achten.

Nähere Informationen zum Humus können Sie in der Ausgabe 14/2011 des Fortschrittlichen Landwirtes nachlesen.

Autor: Johannes Recheis

Weiters in dieser Ausgabe:
  • Kompost – der Beitrag des Landwirts zu Bodenschutz und Klimaschutz
  • „Ich will den Raps erziehen.“ Rapsanbau im Trockgebiet



Aktualisiert am: 07.07.2011 09:17
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