Klauengesundheit und Klauenpflege

Die Klauengesundheit beeinflusst stark das Wohlbefinden und die Leistungsbereitschaft der Tiere. Sie ist ein maßgeblicher Faktor der effizienten Rinderhaltung. Michael Hulek ist Klauenpfleger und Tierarzt. Er ist beantwortet Fragen zur Klauengesundheit und Klauenpflege.
Michael Hulek erklärt in seinem Praxisbuch den fachgerechten Klauenschnitt.
Michael Hulek erklärt in seinem Praxisbuch den fachgerechten Klauenschnitt.
Wie kann ich als Landwirt die Klauengesundheit beeinflussen?

Michael Hulek: Wesentlich sind die regelmäßige, rechtzeitige und richtige Klauenpflege, Leistungs- und wiederkäuergerechte Ration und Wasserversorgung, der optimale Kuhkomfort; die korrekte Besatzdichte; klauenverträglicher Boden und kuhgerechten Fressplatz.

Was ist mit der funktionellen Klauenpflege gemeint?

M.H.: Bei der funktionellen Klauenpflege wird das Klauenpaar so beschnitten, dass die Lederhaut im Wandbereich korrekt belastet wir. Beide Klauen tragen gleich viel Gewicht. Der Zwischenklauenraum ist frei, damit der Dreck ausgeworfen wird.

Wie erkenne ich als Landwirt, ob mein Klauenpfleger „gut“ arbeitet?

M.H.:Er bringt keinen Dreck von anderen Betrieben mit. Er arbeitet ruhig und zügig mit den Tieren. Die Kühe gehen nach der Klauenpflege merklich besser. Die Fußstellung ist verbessert (Footscore). Blut fließt nur ausnahmsweise!

Was kostet mich die „lahme“ Kuh?

M.H.:International wird mit ~€150 pro Lahmheitsfall gerechnet – leistungsabhängig kann das erheblich mehr sein.

Die „Resl“ lahmt, wird schon wieder besser werden… oder doch den Klauenpfleger anrufen?

M.H.:Mehr als 90% der Lahmheiten beim Rind sind durch Klauenprobleme bedingt. Sie sind und bei prompter Behandlung schnell und relativ einfach zu beheben. Zeitverzögerung führt zu Komplikationen und langwierigen Erkrankungen. Die Wirtschaftlichkeit spricht für schnelle Aktion und für einen einfachen Klauenpflegestand direkt vor Ort.

Klauenpflegeprotokoll wozu?

M.H.:Im Vordergrund steht die vorbeugende Klauenpflege. Die individuellen Faktoren (z. B. Fußstellung) des Einzeltieres führen zu wiederkehrenden Problemen in charakteristischen Zeitabständen. Das Protokoll ermöglicht vor allem die Festlegung eines optimalen Pflegeintervalls. Zusätzlich kann es für züchterische Überlegungen und Entscheidungen genutzt werden.

Mortellaro – wie kann ich vorbeugen?

M.H.:
• Kein Zukauf aus Beständen mit unbekanntem DD-Status
• Kein Auftrieb, Transport usw. gemeinsam mit Tieren aus Betrieben mit unbekanntem DD-Status
• „Biosecurity“: Keimeinschleppung in den Stall durch betriebsfremde Personen (Tierarzt, Besamer, Schlachtviehtransport, Nachbarn…) verhindern (Wanne mit Desinfektionslösung beim Eingang). Vor allem das Schuhwerk ist riskant.

Mortellaro – was kann ich dagegen tun?

M.H.:
• Funktionelle Klauenpflege im Intervall von etwa 4 Monaten durchführen.
• Waschen der Füße von den Afterklauen abwärts, sowie des Zwischenklauenspalts mind. zweimal pro Woche (Reinigungsbad oder Abspritzen im Melkstand)
• Im Winter bietet sich auch Auslauf im Schnee an.
• Zumindest tägliche Reinigung der Laufflächen, dazu Verbesserung des Kuhkomforts (Qualität der Liegeboxen) und ausreichend für Frischluft sorgen
• Behandlung aller akuten DD-Fälle mit Antibiotikaspray oder Alternative
Zusätzlich Keimreduktion durch Einsatz von z.B. alkalischem Kalkpulver versuchen. Verhältnis von Nutzen/Kosten/Schaden abwägen!

Klauenbäder sinnvoll?

M.H.:Ja, aber es braucht eine einige Meter lange und ca. 15cm tiefe Wanne mit reinem Wasser, um die Klauen zu reinigen – im Vordergrund steht die Reinigung – je öfter und je gründlicher umso effizienter wirkt das Bad gegen Anaerobier. Anschließend an das Reinigungsbad kann eine kurze Desinfektionswanne positioniert und im Bedarfsfall gefüllt werden.
Nein zu kurzen Plastikwannen mit Desinfektionsmittel ohne ausreichende Vorreinigung!

Linktipp: www.landwirt.com/klauenpflege

Aktualisiert am: 16.03.2015 09:05

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