Ketose nicht unterschätzen

Hohe Milchleistungen belasten den Energiestoffwechsel der Milchkühe stark. Besonders zum Zeitpunkt der Abkalbung sowie in den ersten sechs bis acht Wochen der Laktation treten deshalb häufig Stoffwechselkrankheiten wie die Ketose auf.
Nur in den wenigsten Fällen (5-10 %) der Ketose sind auffällige Symptome wie Appetitverlust und ein Abfallen der Milchleistung erkennbar.
Nur in den wenigsten Fällen (5-10 %) der Ketose sind auffällige Symptome wie Appetitverlust und ein Abfallen der Milchleistung erkennbar.
Die Ketose, bekannt auch als Acetonämie, ist neben dem Milchfieber und der Pansenazidose wohl die bedeutendste Erkrankung hochleistender Milchkühen. Sie verläuft meistens schleichend und ist oft auch eine Folge anderer Krankheiten der Kuh.

Energetisch unterversorgt
Bei hoher Milchproduktion, besonders zu Beginn der Laktation, ist die Kuh energetisch oft unterversorgt. Durch den Abbau von Körperfett in der Leber kann in diesem Fall rasch Energie zur Verfügung gestellt werden. Wenn nun die Kuh in dieser Phase nicht genügend Kohlenhydrate aufnehmen kann, ist dieser Vorgang gestört. Die Leberzellen können das Körperfett nur noch unvollständig abbauen, was zur Bildung von Ketonkörpern führt. Ein überhöhter Ketonkörperspiegel im Blut während einer längeren Zeit bezeichnet man als Ketose.

Fruchtbarkeit leidet
Häufige Folge einer Ketose sind Fruchtbarkeitsprobleme. Andere Krankheiten wie Labmagenverlagerung und Leberverfettung stehen ebenfalls in engem Zusammenhang mit der Ketose, wobei bei Labmagenverlagerungen oft nicht festzustellen ist, ob sie Folge oder Ursache einer Ketose sind. Besonders gefährdet sind Kühe, die beim Abkalben zu fett sind („Fat Cow Syndrom“). Bei diesen ist der Appetit nach dem Abkalben deutlich reduziert. In der Folge kommt es zu einer übermäßigen Mobilisierung von Fett aus dem Fettgewebe wobei sehr viele Ketonkörper gebildet werden. Kann die Leber ihrer Entgiftungsfunktion nur noch unvollständig oder gar nicht mehr nachkommen, kann eine Ketose sogar mit dem Koma des Tieres enden.
So senken Sie das Ketose-Risiko:
o Überfütterung der Kühe zu Laktationsende und während der Trockenstehzeit vermeiden, damit sie zum Zeitpunkt des Abkalbens nicht zu fett sind.
o Kühe, die beim Trockenstellen zu fett sind, in der Trockenstehphase dennoch nicht durch eingeschränkte Fütterung zu sehr abmagern lassen.
o Vermeiden jeglicher Umstände, die den Appetit und die Futteraufnahme zu Laktationsbeginn hemmen könnten (z.B. Stress, abrupte Futterumstellung).
o Stimulierung der Futteraufnahme zu Laktationsbeginn mit einer angepassten Transitfütterung, Heu von guter Qualität und eventuell einem Ergänzungsfutter.
o Kontrolle des Ketonkörpergehalts in der Milch während der drei ersten Laktationswochen mittels Teststreifen

Autoren: Martin LOBSIGER und Michel RÉRAT, Agroscope Liebefeld-Posieux ALP (CH)


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Aktualisiert am: 12.04.2010 16:08
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