Kastenstand und Ferkelschutzkorb: Einigung erreicht!

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich nun Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Gesundheitsminister Alois Stöger geeinigt. Hier die Details dazu.
Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Gesundheitsminister Alois Stöger konnten nach langen Verhandlungen einem gemeinsamen Kompromiss zustimmen.
Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich und Gesundheitsminister Alois Stöger konnten nach langen Verhandlungen einem gemeinsamen Kompromiss zustimmen.
Seit etwa einem Jahr wird in Österreich über die Verwendung des Kastenstands im Deckzentrum sowie des Ferkelschutzkorbs während der Säugezeit diskutiert. In einer Missstandsfeststellung an das zuständige Gesundheitsministerium vom 27 September 2010 empfiehlt die Volksanwaltschaft, eine Änderung der 1. Tierhaltungsverordnung zu einem Verbot der Haltung von Zuchtsauen in Kastenständen zu veranlassen. Nun nach vielen Verhandlungen haben Gesundheitsminister Alois Stöger und der zur Abänderung der Tierhaltungsverordnung ebenfalls beizuziehende Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich eine Einigung getroffen.

Deckzentrum
Gegenüber der EU-Richtlinie zum Schutz von Schweinen, die eine Kastenstandhaltung bis zu 28 Tagen nach dem Decken erlaubt, wurde die erlaubte Zeit der Kastenstandhaltung auf maximal zehn Tage je Zyklus beschränkt. Zusätzlich dürfen die Sauen nunmehr erst fünf Tage (EU-Richtlinie: 7 Tage) vor dem Abferkeln in die Abferkelbuchten eingestallt werden. Für Neu- und Umbauten gilt dies ab 1.1.2013. Betriebe, die bereits EU-konform auf Gruppenhaltung umgestellt wurden, dürfen bis zum 31.12.2033 weiterbetrieben werden. Es besteht also eine 20jährige Übergangsfrist für diese Betriebe, die im Vertrauen auf die gültige Rechtslage investiert haben.

Ferkelschutzkorb
Die beiden Minister vertreten die Meinung, dass die Praxisreife freier Abferkelsysteme noch nicht gegeben ist. Daher haben sich beide Minister auf eine intensive Forschungsphase bis 31.12.2017 geeinigt. Dazu soll eine Fachstelle eingerichtet werden, die - unter der Aufsicht der Veterinärmedizinischen Universität - sowohl auf wissenschaftlicher als auch auf praktischer Ebene neue Erkenntnisse erzielen soll. Die beiden Minister haben als Auftraggeber über die Eignung geprüfter Systeme zu entscheiden. Für den Fall, dass keine Lösungen gefunden werden, werden jedenfalls ab 1.1.2033 die Mindestflächen von Abferkelbuchten von 4,0 m2 auf 5,5 m2 angehoben. Weiters ist vorgesehen, dass die Fixierung der Sauen auf das zum Schutz der Ferkel erforderliche Mindestmaß reduziert wird. Diesen Zeitraum zu definieren, wird ein wichtiger Zielbereich der Forschungsarbeiten sein.

Mit dieser Regelung wird die Zeitspanne, in denen sich Sauen völlig frei in der Gruppe bewegen können, von 205 auf 265 Tage verlängert. Offen ist noch die Reaktion der Volksanwaltschaft auf diese Einigung. Beide Minister gehen davon aus, dass mit dem erzielten Verhandlungsergebnis auch die Volksanwaltschaft zufrieden sei.


Aktualisiert am: 22.12.2011 00:49
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