Kastenstand-Verbot: Fronten verhärtet

Die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung „Tierschutz in der Zuchtsauenhaltung“ an der Veterinärmedizinischen Universität Wien beschäftigte sich mit einem möglichen Verbot des Kastenstands in Österreich.
Die Podiumsdiskussion war einer Schritt von Landwirtschaft und Vertretern von Tierschutzorganisationen aufeinander zu.
Die Podiumsdiskussion war einer Schritt von Landwirtschaft und Vertretern von Tierschutzorganisationen aufeinander zu.
Der Festsaal der Veterinärmedizinischen Universität Wien war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Besonderheit dieser Veranstaltung und die Spannung waren greifbar. Schweinehalter, Tierschützer und Interessensvertreter beider Seiten waren gekommen, um – so die blauäugige Erwartung des Verfassers dieser Zeilen – den gegenseitigen Dialog zu suchen.

Verordnungsentwurf
Wie bereits vielfach publiziert worden ist, steht der Kastenstand im Deckzentrum bzw. der Ferkelschutzkorb in der Abferkelbucht seit der Misstandsfeststellung durch die Volksanwaltschaft zur Diskussion. Am 3. März dieses Jahres veröffentlichte das Gesundheitsministerium einen Verordnungsentwurf zur Abänderung der 1. THVO. Laut diesem Entwurf müssen Abferkelbuchten so gestaltet sein, dass sich Sauen frei bewegen können. Für einen Zeitraum, der am Ende des dritten Tages nach der Geburt endet, ist im Einzelfall („aggressives Ver hal ten“, „Gliedmaßenprobleme“) eine Fixierung möglich. Die Mindestfläche pro Abferkelbucht ist laut Entwurf auf 5,50 m² (derzeit 4 m²) anzuheben. Zusätzlich wird die Einzelhaltung zur Besamung auf insgesamt zehn Tage reduziert. Nach derzeitigem Recht dürfen Sauen nach dem Absetzen bis vier Wochen nach der Besamung in Einzelhaltung fixiert werden. Als Übergangsfrist wird im Verordnungsentwurf der Zeitraum bis 2020 vorgeschlagen.

Lösung im Herbst
Auf Grundlage dieses Entwurfs erwarte das Gesundheitsministerium im Herbst 2011 eine Lösung, so Prof. Dr. Gerhard Aigner vom besagten Ministerium. Die Stellungnahmen während der Begutachtung gingen sehr weit auseinander und die Kompromissfindung sei daher nicht einfach, zumal die Volksanwaltschaft mehrmals ihre Absicht kundgetan hatte, eine Klage am Verfassungsgerichtshof einzureichen, falls der Empfehlung der Volksanwaltschaft nicht Folge geleistet werden würde, so Aigner. Diese fordert ein Verbot der Haltung von Zuchtsauen in Kastenständen.

Umsetzung schwierig
Dr. Steffen Hoy (Universität Gießen) und DI Franz Hunger (LK OÖ) stellten klar, wie schwierig die Umsetzung des genannten Verordnungsentwurfs wäre und mit welchen Konsequenzen zu rechnen sei. Dr. Steffen Hoy erklärte, dass von 26 im internationalen Schrifttum vorliegenden Untersuchungen (darunter 24 Vergleichsstudien) zur fixierten oder nicht fixierten Haltung von ferkelführenden Sauen 23 zum Ergebnis kamen, dass die Haltung von Sauen ohne Ferkelschutzkorb hohe Verluste (2 Studien) bzw. höhere Verluste (21 Studien) als bei der Aufstallung im Kastenstand auftraten. Ökonom Franz Hunger rechnete vor, dass die Ferkelproduktion nach dem beschriebenen Modell zusätzliche Kosten von 11 bis 13 Euro pro Ferkel nach sich ziehen würde. Kosten, die der Markt nicht abdecken werde.

Erster Schritt
Am Nachmittag sollte eine Podiumsdiskussion die verhärteten Fronten etwas aufweichen und Startschuss eines Dialogs sein. Leider wurde diese Möglichkeit des Dialogs von beiden Seiten eher zu Monologen und von den jeweiligen Seiten mit Applaus goutierten Statements genutzt. Um eine Lösung zu finden, mit der ein Fortbestand einer schlagkräftigen und konkurrenzfähigen österreichischen Schweineproduktion im EU-Markt garantiert werden kann und der auch Tierschutzorganisationen zufrieden stellt, sind noch viele Schritte aufeinander zu nötig. Ein erster wurde bei dieser Veranstaltung gemacht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.


Aktualisiert am: 18.05.2011 09:47
Landwirt.com Händler Landwirt.com User