Kartoffelpülpe als Milchviehfutter

In der Nähe von Stärkefabriken ist die Verfütterung von Kartoffelpülpe verbreitet. Aber ist Pülpe nur ein Nothelfer in futterknappen Jahren oder eine dauerhafte Futterkomponente?
Beim Silieren der Pülpe ist es wichtig, die Oberfläche der Pülpe glattzustreichen. Foto: Auburger
Beim Silieren der Pülpe ist es wichtig, die Oberfläche der Pülpe glattzustreichen. Foto: Auburger
Hohe Temperaturen und wenig Regen kennzeichneten das Jahr 2015. Auch auf den Futteraufwuchs wirkte sich das trockene Wetter aus. Nach den ersten Schnitten waren die Fahrsiloanlagen vieler Landwirte oft nur zur Hälfte gefüllt. Wer im vergangenen Jahr keine Futtervorräte angelegt hat, muss sich nun auf die Suche nach Grundfutter machen. Denn auch die Maisbestände lieferten vielerorts keine satte Ernte. Landwirte, deren Ernte nicht für die Fütterung im kommenden Jahr reichen wird, stehen nun vor der Frage: Wie kann ich das Leistungsniveau der Herde durch eine wiederkäuergerechte Futterration sowie eine ausreichende Futtervorlage erhalten? In solchen Notlage steigt die Nachfrage nach Zukaufsfutterkomponenten. Eine davon ist Presspülpe aus Kartoffeln.

Pülpe ist voller Energie
Kartoffelpresspülpe (KPP) entsteht als Nebenprodukt, wenn die Knollen zu Stärke verarbeitet werden. Dabei kann aber nicht die komplette Stärke gewonnen werden. Der Teil, der nur noch mit aufwändigen Techniken und somit nicht mehr wirtschaftlich herausgelöst werden kann, verbleibt in der Pülpe. Der Vorteil der Kartoffelpresspülpe liegt in ihrem hohen Energiegehalt. Sie wird mit einem durchschnittlichen Trockenmassegehalt von 15–18 % angeliefert. 2015 liefert 1 kg TM an Kartoffelpresspülpe im Durchschnitt 7,08 MJ NEL Energie (Tab. 1). So kann die Pülpe Maissilage und Kraftfutter zumindest teilweise ersetzen. Die Grenzen liegen nach einem vorsichtigen Anfüttern mit 4–5 kg in der täglichen Ration bei maximal 1 kg/100 kg Lebendgewicht (LG) einer Kuh. Das entspricht bei einem durchschnittlichen Lebendgewicht einer Fleckviehkuh von 750 kg einer täglichen Einsatzmenge von 7,5 kg KPP in der Ration. Die Kombination mit eiweißreichen Grassilagen bietet sich geradezu an. In jedem Fall muss die Pülperation durch Strukturfutter wie Stroh oder Heu sowie ein passendes Mineralfutter ausgeglichen werden. Ein Augenmerk ist unbedingt auch auf den Gehalt an pansenabbaubaren Kohlenhydraten zu legen. Wie bei jeder Umstellung einer Futterration ist es notwendig, die Ration neu zu berechnen und zu prüfen, ob sie wiederkäuergerecht ist.

Beispiel
Werden 4 kg Kartoffelpresspülpe eingesetzt (Tab. 2) und gleichzeitig der Anteil an Maissilage um 2,5 kg verringert, sinken die Grundfutterkosten je Kuh und Tag um 5 ct. Das entspricht unter den angenommenen Preisansätzen bei einem Bestand von 100 Milchkühen einer Einsparung von 1.825 Euro/Jahr.

Mehr über Kartoffelpresspulpe als Milchviehfutter lesen Sie im LANDWIRT Ausgabe 1/2016 in Deutschland und in Ausgabe 2/2016 in Österreich.

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Aktualisiert am: 07.01.2016 08:26

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