Kannibalismus beim Schwein eindämmen

Kannibalismus richtet großen Schaden an. Je mehr der Landwirt über die Ursachen weiß, desto schneller kann er reagieren. Hier lesen Sie wichtige Informationen, die dazu beitragen können, das Problem in den Griff zu bekommen.
Kannibalismus ist ein ernstzunehmendes Problem, dem so gut als möglich vorgebeugt werden muss. Foto: Hennig-Pauka
Kannibalismus ist ein ernstzunehmendes Problem, dem so gut als möglich vorgebeugt werden muss. Foto: Hennig-Pauka
Haben Schweine (Nährstoff-)Mängel oder Bedürfnisse, die sie nicht ausleben können, kann es zu Ersatzhandlungen an Buchtenpartnern kommen. Diese münden häufig in Schwanz-, Ohrenund Flankenbeißen, wofür im Allgemeinen der Begriff Kannibalismus verwendet wird. Häufig entstehen Bissverletzungen infolge von Rangordnungskämpfen. Sie sind bereits bei Saugferkeln im Wangenbereich zu beobachten und sind auf Rangkämpfe am Gesäuge zurückzuführen, deren Ursache oft Milchmangel der Sau ist. Vulvaverletzungen bei Sauen in Gruppenhaltung entstehen vor allem durch Bisse insbesondere an Abrufstationen, wenn fressende Tiere von anderen Sauen von hinten verdrängt werden. Da der Schamschluss nach frischen oder vernarbten Verletzungen meist nicht mehr gegeben ist, kann es zu aufsteigenden Infektionen des Harn- und Geschlechtsapparates kommen.
Dagegen sind Verhaltensstörungen, wie Schwanz- und Ohrbeißen, eher eine Folge der modernen, reizarmen Haltungsbedingungen. Schwänze bzw. Ohren werden als Ersatzobjekte genutzt. Ohrspitzen- und Ohrrandveränderungen können auch im Verlauf von Erkrankungen auftreten. Auch bei Rangordnungskämpfen können Verletzungen an den Ohrenmuscheln entstehen.

Kupieren
Grundsätzlich müssen solche Verhaltensabweichungen beim Schwein als medizinisches Problem mit wirtschaftlicher Bedeutung betrachtet werden, da es zu Folgeerkrankungen und erhöhter Sterblichkeitsrate kommen kann. Offene Wunden stellen Eintrittspforten für Keime dar. Diese siedeln sich in inneren Organen an und können dort zu Entzündungen führen. Jede Form des Kannibalismus ist auch ein Tierschutzproblem. Das bei Schweinen in den ersten Lebenstagen ohne Betäubung erlaubte Kürzen der Schwänze steht seit langem in der Kritik. Tatsache ist aber, dass in Ländern mit Schwanzkürzverbot an Schlachthöfen drei- bis vierfach höhere Anzahlen an Schweinen mit Schwanzverletzungen beobachtet werden. Tatsache ist auch, dass das Schwanzbeißen durch das Kürzen der Schwänze um ein Vielfaches reduziert werden kann. Daher muss abgewogen werden, inwieweit durch die Abschaffung des betäubungslosen Kupierens des Schwanzes beim Ferkel andere tierschutzrechtliche Probleme aufgeworfen werden.

Autorinnen: Univ.-Prof. Dr. Isabel HENNIG-PAUKA, Klinik für Schweine, Veterinärmedizinische Universität Wien und Dr. Alexandra VON ALTROCK, Klinik für kleine Klauentiere, Tierärztliche Hochschule Hannover (D)

Den gesamten Artikel mit pratkischen Tipps zur Vorbeuge von Kannibalismus können Sie in der Ausgabe 7/2013 von "Der fortschrittliche Landwirt" nachlesen. Gratis Probeheft bestellen.

Aktualisiert am: 21.03.2013 14:12
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