Kampf dem Sommerloch

Die Hitze im Sommer bringt nicht nur Probleme im Wachstum der Schweine, sondern auch im Bereich der Fruchtbarkeit. EIn den Sommermonaten steigen die Umrauscher um bis zu 4% ansteigen. Raimund Tschiggerl erklärt, wie dem vorgebeugt werden kann (VÖS).
Jetzt Jungsauen nachstellen!
Auf erfolgreichen Betrieben wird der Bestand aktiv remontiert. Speziell in Zeiten, in denen man mit Fruchtbarkeitsstörungen rechnen kann (Sommermonate, Betriebsaufstockungen), müssen genügend Jungsauen zum Ersetzen von Altsauen und Problemsauen bereitgehalten werden. Die Arbeit mit leistungsfähigen Jungsauen ist wirtschaftlicher als Experimente mit Problemsauen. Besorgen Sie jetzt die Jungsauen beim Zuchtbetrieb, bevor sie Probleme im Stall bekommen.



Gute Stimulierung der Sauen mit Eber
Für eine gute Stimulierung sorgt eine täglich zweimal durchgeführte Stimulation der Sauen mit dem Eber. Der Kontakt sollte nur wenige Minuten dauern, bei Dauerkontakt geht die stimulierende Wirkung für Eber und Sau verloren.

Genaue Beobachtung der Tiere
Gründlich durchgeführte Rauschekontrollen sollten zweimal täglich im Abstand von 12 Stunden erfolgen. Eine Person muss die Verantwortung für das Fruchtbarkeitsmanagement übernehmen. Dadurch wird die Beobachtung der Einzelsauen intensiver und Missverständnisse zwischen mehreren Personen im Stall können vermieden werden.

Genaue Feststellung des Rauschebeginns – der richtige Besamungszeitpunkt
In der Regel sollte bei normal rauschenden Sauen die erste künstliche Besamung (KB) 12 Stunden nach Eintreten vom Duldungsreflex durchgeführt werden. Die zweite KB erfolgt 12 Stunden nach der Ersten. Eine dritte KB sollte nur bei starkem Duldungsreflex wiederum 12 Stunden nachder zweiten Besamung erfolgen. Jede Besamung ist ein Hygienerisiko für die Sau. Werden viele Sauen dreimal besamt, sollte das Eintreten vom Duldungsreflex genauer beobachtet werden. Nötigenfalls muß der Zeitpunkt für die erste KB um einige Stunden verschoben werden. Durch das Ändern des Absetzzeitpunktes kann der Landwirt das Eintreten des Duldungsreflexes beeinflussen. Beispielsweise verändert ein Vorziehen des Absetzzeitpunktes vom Abend auf den Morgen auch den Rauscheeintritt und den Duldungsreflex um 5 bis 10 Stunden.

Hygiene bei der Besamung
Im Sommer sollte auf die Hygiene besonders geachtet werden. Der Einsatz von Einwegkathetern ist auf vielen Betrieben Standard. Für jede Besamung wird ein neuer Katheter verwendet. Mehrwegkatheter werden nach jeder Benützung gereinigt und durch Auskochen sterilisiert. Die Scham der Sau sollte vor der Besamung trocken mit einem sauberen Einwegartikel (Küchenrolle, WCPapier) gereinigt werden.

Klimabox für Samenlagerung
Die optimalen Bedingungen für die Lagerung von Samenportionen ermöglicht eine Klimabox bei konstant 17°C und Dunkelheit. Bei Temperaturen über 18°C werden durch die Aktivität der Samenzellen dem Verdünner beigemengte Nährstoffe schnell verbraucht. Eine Lagerung unter 15°C sowie Lichteinwirkung verkürzen die Lebensdauer der Spermien.

Stress vermeiden
Bei extremer Hitze muß für Ruhe im Stall gesorgt werden. Unnötige Aktivitäten im Stall sollen vermieden werden. Das Stalllüftungssystem muß Zugluft und große Temperaturschwankungen vermeiden. Besonders groß kann die Belastung durch Fliegen sein. Durch Bekämpfungsmaßnahmen kann der Fliegendruck reduziert werden.

Hygienemaßnahmen
Alle Buchten müssen sauber sein. Für optimale Hygiene sorgt ein konsequentes Rein-Raus-System mit Reinigung und Desinfektion. Kalken der Stallwände wirkt sich positiv aus. Auf die regelmäßige Fliegenbekämpfung darf nicht vergessen werden.

Tiergesundheit
Wichtig sind eine gewissenhafte Planung und regelmäßige Durchführung der Tiergesundheitsmaßnahmen. Auf den individuellen Betrieb abgestimmte Routinemaßnahmen wie Schutzimpfungen und Parasitenbehandlungen (Räude- und Wurmbehandlung) senken das Risiko. Stallklauen von Sauen beeinträchtigen das Wohlbefinden der Tiere und müssen behandelt werden.
Höheres Platzangebot
Sauen liegen bei hohen Temperaturen gerne ausgestreckt und auf einer größeren Distanz zum Nachbarn. Außerdem kann der Raum leichter gekühlt werden, da die Besatzdichte je m2 geringer ist.

Nährstoffversorgung optimieren
Neben der bedarfgerechten Futterzusammensetzung ist eine leistungsgerechte Zuteilung der Futterportionen wichtig. Besonderes Augenmerk ist auf eine ausreichende Wasserversorgung zu legen.

Futterhygiene - Futterqualität
Auf Futterhygiene ist in allen Bereichen zu achten. Getreide sollte nur im lagerfähigen Zustand (Trocknung unter 14% Feuchte oder Säurekonservierung) eingelagert werden. Bei der Reinigung werden ungewünschte Beimengungen wie Mykotoxine entfernt. Eine zweite Reinigung vor dem Vermahlen hat sich in der Praxis bewährt. Futter sollte für maximal zwei Wochen vorgeschrotet werden, da nach dem Schroten und Mischen bei langer Lagerdauer die Futterqualität abnimmt und Nährstoffe verloren gehen. Achtung bei Kunststoffsilos auf die Kondenswasserbildung! Große Schäden entstehen nach wie vor durch den Einsatz von frisch geerntetem Getreide. Getreide sollte vor dem Einsatz als Qualitätsfuttermittel mindestens 6 bis 8 Wochen lagern.

Kontrolle des Lüftungssystems
Durch das Lüftungssystem müssen Zugluft und starke Temperaturschwankungen vermieden werden. Rasche Temperaturschwankungen im Stall können durch eine Sommereinstellung der Lüftungssteuerung reduziert werden (Vergrößerung von Bandbreite oder Spreizung, Anheben der Solltemperatur). Kühlung der Zuluft durch Ansaugung auf der Nordseite oder in Maschinenhallen bzw. durch aufsprühen von Wasser im Gangbereich. Viele Betriebsleiter haben das Fruchtbarkeitsgeschehen auch in den Sommermonaten gut im Griff. Die Folgen der zusätzliche Belastung in den Sommermonaten können durch die Optimierung vieler Faktoren reduziert werden. Das Geschick des einzelnen Landwirtes entscheidet letztlich über den Erfolg (Misserfolg) im Stall.

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Aktualisiert am: 21.06.2008 13:07
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