Kälbermast: Wenn gesunde, schwere Kälber plötzlich sterben

Durchgebrochene Labmagengeschwüre sind, neben Lungenproblemen, die häufigste Todesursache in der Kälbermast. Tierärztin Dr. Corinne Bähler hat herausgefunden, wie man das Risiko einer solchen Erkrankung verringert.

Die Untersuchungen von Tierärztin Corinne Bähler zeigen, dass 50 % aller Todesfälle bei Mastkälbern auf Probleme im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen sind.
Die Untersuchungen von Tierärztin Corinne Bähler zeigen, dass 50 % aller Todesfälle bei Mastkälbern auf Probleme im Magen-Darm-Trakt zurückzuführen sind.
Ein prächtiges Mastkalb, am Abend hüpft es noch munter durch den Stall, am Morgen liegt es mausetot im Stroh. Das ist kein Einzelfall in der Kälbermast. Die Erklärung lautet dann meist: Lungenproblem. Vermutlich ist aber der Labmagen schuld am plötzlichen Tod, wie die Doktorarbeit der Tierärztin Corinne Bähler an der Wiederkäuerklinik, VetSuisse Bern, in Zusammenarbeit mit dem Rindergesundheitsdienst zeigt. Dabei bricht ein Geschwür in der Labmagenwand auf, und der Mageninhalt läuft in die Bauchhöhle. Das führt zu Entzündungen. Das Tier erleidet große Schmerzen und stirbt innerhalb weniger Stunden.

Wasser, Wasser, Wasser
Mastkälber brauchen Wasser. Die Flüssigkeit, die sie über die Milch aufnehmen, reicht nicht aus. Die Kälber müssen das Wasser aus einer offenen Wasserfläche saufen können. Wenn sie das Wasser saugen, zB durch einen Nippel, kann das Wasser in den Labmagen gelangen, wodurch die Ausfällung der Milchproteine gestört wird und somit zu Verdauungsproblemen führen kann. Laut Bähler ist die Milchfütterung mit nur einem Nippel für 15 und mehr Kälber problematisch. Wegen des Herdentriebs wollen immer alle gleichzeitig saufen und sind gestresst. Schon ein Nippel auf 10 Tiere würde den Stress entscheidend reduzieren. Des Weiteren würde eine Automatenfütterung mit Einzeltiererkennung ein Übersaufen verhindern. Schlechte Hygiene bei der Lagerung von Milch bzw. Milchnebenprodukten kann zu einer Überwucherung von Keimen führen, die das Gleichgewicht im Magen-Darm-Trakt empfindlich stören und zu Blähungen führen können. Ist der Anteil an Pflanzenproteinen bei Milchnebenprodukten zu groß, können allergische Reaktionen auftreten, die wiederum zu Verdauungsstörungen führen. In der Regel sterben eher die prächtigen, schweren Tiere an einem Labmagendurchbruch - vermutlich deshalb, weil die starken Tiere sich besser und häufiger durchsetzen können, um an den Nippel zu gelangen. Sind sie einmal am Nippel, trinken sie schnell – bevor sie von den anderen Kälbern weggeschoben werden – und übersaufen sich. Schwächere Kälber sind kaum lange genug am Nippel, um sich zu übersaufen. Liegt also das Prachtmasttier plötzlich tot im Stroh, starb es vermutlich am Durchbruch eines Labmagengeschwürs.

Autorin: Martina MÜLLER RICHLI, Sempach (CH)


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Aktualisiert am: 21.08.2008 17:25
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