Kälber mit Neugeborenendurchfall richtig tränken und behandeln

Neugeborenendurchfall ist die verlustreichste Erkrankung junger Kälber. Die gefürchteten Abmagerungen entstehen vor allem durch unnötige Diäten.
Dieses Kalb ist durch eine unnötige Diät völlig abgemagert. Bei starkem Durchfall kann ein Kalb täglich bis zu 20 % seiner Körpermasse durch den starken Flüssigkeitsverlust verlieren.
Dieses Kalb ist durch eine unnötige Diät völlig abgemagert. Bei starkem Durchfall kann ein Kalb täglich bis zu 20 % seiner Körpermasse durch den starken Flüssigkeitsverlust verlieren.
Von Neugeborenendurchfall spricht man – unabhängig von den zu Grunde liegenden Ursachen – dann, wenn die Kälber in den ersten zwei bis drei Lebenswochen an Durchfall erkranken. Es ist die verlustreichste Erkrankung junger Kälber. Unabhängig von den Ursachen gehen dem Kalb als Folge des Durchfalls Flüssigkeit, Elektrolyte und Puffersubstanzen verloren. Der tägliche Flüssigkeitsverlust liegt bei mittelschwerem Durchfall bei 8–10 % der Körpermasse des Kalbes (zirka 3–4 Liter bei einem 40 kg schweren Kalb). Bei sehr starkem Durchfall können diese Verluste bis zu 20 % der Körpermasse betragen.

Auszehrung infolge Diät
Austrocknung (aufgezogene Hautfalte bleibt stehen, Augäpfel sinken ein, Festliegen) als Folge der Flüssigkeitsverluste und Blutübersäuerung (zunehmend gestörtes Allgemeinbefinden, Festliegen) auf Grund des Verlustes von Puffersubstanzen sind regelmäßige Folgen des Durchfalls. Dagegen gibt es keinen unabdingbaren Grund, weswegen Kälber mit Durchfall nennenswert abmagern müssten. Dass dies trotzdem häufig der Fall ist, erklärt sich aus nachfolgend beschriebener Problematik.

Hungertod durch Energiemangel
Es ist keine Seltenheit, dass in Betrieben über mehr oder weniger lange Zeiträume zahlreiche Kälber dahinsiechen. Auf der Suche nach der Ursache wird meist nach allen möglichen Erregern und anderen spektakulären Zusammenhängen gefahndet, an den Hungertod durch Energiemangel wird jedoch aus unerklärlichen Gründen in der Regel nicht gedacht. Im Gefolge dieser traditionellen Empfehlungen zur Diät – und nicht zuletzt wohl auch aus wirtschaftlichen Gründen – wurde in den letzten Jahren der Markt von einer Vielzahl von „Diät- und Ersatztränken“ überschwemmt. Die Erfahrungen an unserer Klinik sowie unzählige Beratungsgespräche mit Landwirten und Tierärzten belegen, dass durch die weit verbreitete Verabreichung solcher „Diät- und Ersatztränken“ sowie durch fälschlicherweise als Milchersatz gegebene Elektrolyttränken (die als Zwischentränken zu den Milchmahlzeiten angeboten werden müssen) erhebliche Schäden an den Kälbern angerichtet werden.

Anmerkungen zum Einsatz von Flüssigkeits-Elektrolyttränken beim Durchfallkalb
• Sie sind lebensrettend in Form von Zwischentränken, weil sie die Flüssigkeits- und Elektrolytverluste ersetzen.
• Sie sind kein Mittel gegen Durchfall. Deshalb darf ihr Einsatz nicht abgebrochen werden, wenn der Durchfall nach wenigen Tagen nicht aufhört.
• Sie sind kein Ersatz von Milch, weil sie nicht annähernd den Nährstoff- und Energiebedarf der Kälber decken können.
• Sie müssen genau nach Vorschrift der Hersteller mit Wasser zubereitet werden, ansonsten besteht unter anderem die Gefahr einer Kochsalzvergiftung.
• Sie dürfen nicht in Milch gegeben werden, weil dadurch die Labgerinnung und andere Verdauungsvorgänge ungünstig beeinflusst werden.

Autor: Dr. Günter RADEMACHER, Universität München (D)


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Aktualisiert am: 05.03.2009 14:09

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