Kälber: Stallbaukonzepte für eine gesunde Aufzucht

Die meisten Probleme im Kälberstall gibt es während der Tränkeperiode. Die Haltungsform hat dabei einen wesentlichen Einfluss. Neue Systeme müssen den Kälbern ein gesundes Klima bieten und für den Landwirt ein effizientes Arbeiten ermöglichen.
Die Lungen der Kälber sind empfindlich, bei Iglus im Freien kann die Luftqualität hoch gehalten werden.
Die Lungen der Kälber sind empfindlich, bei Iglus im Freien kann die Luftqualität hoch gehalten werden.
Das Infektionsrisiko mit durchfallverursachenden Erregern, insbesondere mit enterotoxischen Echerichia Coli-Bakterien, Rota- und Corona-Viren oder Endoparasiten wie Kryptosporidien ist insbesondere in den ersten Lebensstunden unvergleichlich hoch. Im Falle einer Infektion während oder nach der Geburt treten Durchfälle je nach Erreger im Laufe der ersten Lebenswoche auf. Kommen die Tiere anschließend in Gruppenboxen, können solche Infektionen leicht an gesunde Kälber weiter gegeben werden.

Iglus sind ideal
Um eine Verbreitung von Infektionen zu unterbinden, sollten die Kälber so lange wie möglich einzeln gehalten werden. Die Haltungsform mit den geringsten Infektionsrisiken und den besten haltungstechnischen Bedingungen sind Einzeliglus mit einem möglichst überdachten Auslauf. Einzeliglus bieten den Kälbern ein optimales Kleinklima (siehe auch Heft 21 /2008).
Sie erfüllen die Ansprüche an ein konsequentes Rein-Raus-Verfahren. Die Iglus können so aufgestellt werden, dass die Kälber keine Berührungskontakte untereinander haben und mögliche Schmierinfektionen vermieden werden können. Für die Gesundheit der Kälber wäre es am besten, wenn sie die gesamte Tränkeperiode über in solchen Iglus untergebracht wären. Die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung erlaubt eine Einzelhaltung von Kälbern für einen Zeitraum bis acht Wochen nach der Geburt, verlangt jedoch auch, dass Kälber Berührungskontakt untereinander haben können. Dadurch wird das Infektionsrisiko erhöht und steht im Widerspruch zum Tierschutzgedanken. Um der Forderung gerecht zu werden und trotzdem das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten, ist es sinnvoll, nur jeweils zwei Iglus zusammenzustellen. Damit wären im Falle einer Infektion nur zwei Tiere betroffen.

Eine Woche leer stehen
Bei der Planung der Anzahl der aufzustellenden Iglus und damit der Baulänge des gesamten Objektes sollten neben der eventuellen asaisonalen Abkalbung auch Reinigungszeiten von mindestens einer Woche vor einer Neubelegung eines Iglus eingeplant werden. Die Breite der größten Iglus beträgt 1,47 m; hinzu gerechnet werden muss ein möglicher Abstand zwischen den Iglus. Damit ist das Rastermaß vorgegeben. Um ein gegenseitiges Belecken und damit eine mögliche Infektionsverbreitung zu verhindern, ist ein Abstand von 60 cm zwischen den Iglus sinnvoll.

Übersicht über Kälberiglus
Wenn Sie ein Kälberdorf planen, werfen Sie auch einen Blick auf www.landwirt.com/kaelberhaltung. Dort finden Sie eine Übersicht über Einzeliglus. Außerdem finden Sie in Heft 3/2009 einen Iglu-Vergleichstest. Fünf Iglus wurden dazu am LFZ Raumberg-Gumpenstein getestet.

Autor: Dr. Hans-Jürgen KUNZ, LK Schleswig-Holstein


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Aktualisiert am: 25.01.2010 15:30
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