Kälber: So teuer sind ihre Krankheiten

Erkrankungen der Kälber führen immer wieder zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Besonders gefährdet sind Kälber in den ersten 8 - 12 Lebenswochen. Dieser Beitrag zeigt auf, welche Kosten Durchfall- und Atemwegserkrankungen bei Kälbern verursachen.
Besonders während der Tränkephase, also in den ersten 8 – 12 Lebenswochen, sind Kälber sehr empfindlich.
Besonders während der Tränkephase, also in den ersten 8 – 12 Lebenswochen, sind Kälber sehr empfindlich.
In der Praxis sind Erkrankungsraten von 30 – 50 % der Kälber durchaus anzutreffen. In Einzelbetrieben kann die Erkrankungsrate sogar auf bis zu 70 % steigen. Das zeigt, dass gerade in diesem Punkt der Jungviehaufzucht noch erhebliches Potenzial zur Kostensenkung vorhanden ist. Denn jede Kälberkrankheit kostet Geld! So steigen aufgrund einer Erkrankung des Kalbes die Gesunderhaltungskosten (zusätzliche Medikamente und Dienstleistung Tierarzt) an. Auch die Arbeitserledigungskosten erhöhen sich, weil der Landwirt das erkrankte Tier zur Gesundung wesentlich intensiver betreuen muss. Zudem sind während der Erkrankung des Kalbes die Tageszunahmen herabgesetzt bzw. bei schweren Krankheitsverläufen sind häufig sogar Gewichtsabnahmen möglich. Diese Leistungsdepression des erkrankten Kalbes muss durch eine verlängerte Aufzuchtphase kompensiert werden, um das gleiche Absetzgewicht wie das der gesunden Kälber der Gruppe zu erreichen.

Leistung sinkt
Da jede Erkrankung auch mit einer Leistungsminderung einhergeht, müssen nachfolgend auch die geringeren Tageszunahmen einkalkuliert werden. Dabei ist unterstellt, dass ein gesundes Kalb 800 g tägliche Zunahmen im Durchschnitt der Tränkephase erreicht. Bei einer schweren Durchfallerkrankung werden dagegen nur knapp 700 g tägliche Zunahmen realisiert, weil das Kalb während der Erkrankung 7,2 kg Lebendmasse weniger zunimmt. Selbst bei einer leichten Durchfallerkrankung reduzieren sich die TGZ um knapp 50 g gegenüber einem gesunden Kalb (3,2 kg LM weniger). Diese geringere Lebendmassezunahme muss durch eine Verlängerung der Aufzuchtphase kompensiert werden, damit das erkrankte Kalb das gleiche Absetzgewicht erreicht wie ein gesundes. Somit muss die Aufzuchtphase bei einer schweren Durchfallerkrankung um 9 Tage (bzw. 13 %) verlängert werden, was zusätzliche Aufzuchtkosten von gut 30 Euro nach sich zieht. Bei einem leichten Erkrankungsverlauf summieren sich diese auf knapp 14 Euro (4 Tage). Bei einer schweren Durchfallerkrankung sind schnell 2 – 3 Stunden für die Betreuung, Pflege und Kontrolle des „Patienten“ notwendig. Daraus ergeben sich bei einer Stundenentlohnung von 15 Euro zusätzliche Arbeitserledigungskosten von 37,50 Euro. Insgesamt ist also eine schwere Durchfallerkrankungen mit Kosten von gut 260 Euro verbunden. Eine leichter Erkrankungsverlauf zieht hingegen „nur“ Kosten von 108 Euro nach sich. Zudem führt der Krankheitsverlauf vielfach nicht zu so starken Einbußen der Tageszunahmen.

Fazit
Die Kosten einer Kälberkrankheit betragen, je nach Krankheit und Schwere des Verlaufes, mindestens zwischen 90 Euro und 265 Euro. Darin sind etwaige spätere Leistungsdepressionen durch die Vorschädigung des Tieres nicht berücksichtigt. Gelingt es durch konsequentes Management und gezielte, betriebsindividuelle Maßnahmen die Erkrankungsrate der Kälber bzw. den Anteil schwerer Erkrankungen zu reduzieren, führt dieses zu einer erheblichen Kostenentlastung des Betriebes. Zudem ist eine gesunde Aufzucht von Kälbern die Voraussetzung für den späteren Erfolg des Tieres.

Autor: DI Bernd LÜHRMANN, LK Osnabrück (D)


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Aktualisiert am: 21.10.2009 14:52
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