Jungsauen: Mehr Ferkel bei früherer Eingliederung in den Sauenbestand

„Jungsauen, die mit fünf statt bisher üblich sechs Lebensmonaten in den Sauenbestand eingegliedert werden, haben eine signifikant höhere Abferkelrate, eine statistisch gesicherte höhere Wurfgröße und eine höhere Lebensleistung als ihre Artgenossinnen“.
Diese Ergebnisse stellte Prof. Dr. Steffen Hoy, Gießen, Mitte Mai auf dem 15. Mitteldeutschen Schweine-Workshop an der Hochschule Anhalt in Bernburg vor. Entscheidend bei der früheren Eingliederung ist, dass zum gleichen Zeitpunkt wie bei Eingliederung nach dem 200. Lebenstag erstmals besamt wird. Das Erstbesamungsalter blieb mit 249 Tagen in beiden Versuchsgruppen (frühe Eingliederung mit rund 160 Lebenstagen/späte Eingliederung mit mehr als 200 Lebenstagen) gleich.

Jungsauen haben länger Zeit sich mit der neuen Keimflora auseinander zu setzen

Die Eingliederungsphase der Jungsauen unterteilt sich in eine Isolations- und eine Akklimatisationsphase. Die Jungsauen werden allmählich mit der spezifischen Keimflora des Sauenbetriebes vertraut gemacht; die Altsauen sind geschützt vor den „importierten“ Keimen der Jungsauen. „Zum gegenseitigen Schutz vor der zugekauften wie auch der im Bestand vorhandenen Tiere hat sich die Jungsauen-Eingliederung heute zu einem eigenen Verfahren entwickelt“, hob Hoy die große Bedeutung dieser Phase hervor und ging näher auf die Versuchsergebnisse ein. „Konkret lag die Abferkelrate bei den jünger zugekauften Jungsauen bei 84,1 % gegenüber 80,2 % bei den älteren Stallgefährtinnen und war damit statistisch gesichert höher.“

Längere Nutzungsdauer und mehr Ferkel bei früherer Eingliederung


Auch beim Vergleich der Wurfgröße schnitten die „jungen“ Sauen besser ab als die „alten“ Jungsauen: Während die früher eingegliederten Tiere Würfe mit durchschnittlich 11,64 gesamt geborenen Ferkeln hatten, lag die Wurfgröße in der Vergleichsgruppe im Mittel mit 11,1 gesamt geborenen Ferkeln signifikant unter diesem Wert. Daneben brachten es die jünger zugekauften Jungsauen auf durchschnittlich 5,63 Würfe; ihre später eingegliederten Artgenossinnen erreichten mit durchschnittlich 5,22 Würfen eine geringere Lebensleistung.

"Fahrplan" für die Eingliederung bis zur Besamung

Eine noch weiter nach vorne gelegte Eingliederung mit 120 Lebenstagen bringt keine weiteren Vorteile. Die Tiere sind zu jung. Dr. Steffen Hoy empfahl folgenden Fahrplan zur Besamung:

• 160. Tag: Zukauf der Jungsauen und Isolation
• 181. Tag: Umstallen in den Eingliederungsstall (Mischen, Eberkontakt)
• 202. Tag: Umstallen, Mischen, Eberkontakt
• 223. Tag: Umstallen in Einzelstände, Eberkontakt
• 226. Tag: Beginn der Brunstsynchronisation
• 243. Tag: Ende der Brusntsynchronisation
• 245. Tag: Zyklusanschiebendes Präparat
• 249. Tag: Duldungskontrolle und duldungsorientierte Besamung

Jungsauen, die früher eingegliedert wurden und bis zur ersten Belegung länger als 90 Tage im Betrieb standen, haben bessere Leistungen als Jungsauen, die später eingestallt und zum gleichen Zeitpunkt besamt wurden. Ein früher Zukauf und eine sorgfältige Eingliederungsphase mit einer allmählichen Gewöhnung an die Umgebung und die Betreuer zahlen sich aus. „Jungsauen sind die Zukunft Ihrer Herde und nicht das Fünfte Rad am Wagen!“ zog Hoy sein Fazit (Quelle: deuka).


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Aktualisiert am: 08.06.2009 22:00
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