Ist unser Kind hyperaktiv?

Woran können wir erkennen, ob unser Kind hyperaktiv ist bzw. ADHS hat?
ADHS ist die Abkürzung für die Bezeichnung Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung. Eine Erkrankung, die durch 3 Hauptmerkmale gekennzeichnet ist:
a) Aufmerksamkeitsstörung: Diese Kinder haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, sowie längere Zeit aufmerksam zu sein und sind sehr leicht ablenkbar.
b) Hyperaktivität: Die Kinder sind motorisch stark unruhig, haben einen starken Bewegungsdrang, können nicht für längere Zeit still auf einem Platz sitzen bleiben und sind „zappelig“, weshalb sie auch oft als „Zappelphilippe“ bezeichnet werden. Auch ihre Feinmotorik ist oft beeinträchtigt, d.h. dass zB ihr Schriftbild schwer zu lesen ist.
c) Impulsivität: Sie können ihre Impulse (zB Gefühle) nicht so gut kontrollieren wie andere Kinder in ihrem Alter. Das bedeutet, dass ihnen das Warten bis sie endlich an der Reihe sind, schwer fällt. Haben sie eine Idee oder wissen sie die Antwort auf eine Frage, müssen sie sofort damit herausplatzen oder die Dinge einfach tun – ob es im Moment gerade passt oder nicht.

Richtiger Umgang ist entscheidend
Die Mitarbeit der Eltern und anderer Bezugspersonen aus dem Umfeld ist ein wesentlicher Bestandteil für den Erfolg der Behandlung. Es gibt einige Regeln, die den Umgang mit einem ADHS-Kind deutlich erleichtern – sofern sie konsequent von allen beachtet werden:

Positive Motivation
• nicht nur die Erfolge loben, sondern auch die Anstrengungen, um zum Ziel zu kommen
• immer nur einen Auftrag geben oder eine Tätigkeit verlangen, nicht mehrere gleichzeitig
• dem Kind sinnvolle Aufträge geben, damit es sieht, dass es auch Dinge zustande bringt – das fördert das Selbstwertgefühl
• keine Fehler der Vergangenheit vorhalten oder „aufwärmen“
• positive Eigenschaften des Kindes fördern (Hilfsbereitschaft, Gerechtigkeit).

Strukturierung
• den Tag bzw. die Woche genau planen (Essenszeit, Spielzeit,..) – klare Regeln und Strukturen vorgeben
• plötzliche Änderungen im Tagesablauf vorher mit dem Kind besprechen, sonst könnte es mit einem Wutausbruch reagieren.

Klare und einfache Gesprächsführung
• einmal „nein“ bedeutet immer „nein“ – eine klare Meinung haben
• zusätzlich zur sprachlichen Information auch noch nonverbale Informationen einbauen, zB Blickkontakt einfordern, kurzes Halten an den Händen
• möglichst kurze Rückmeldungen geben, zB „gut“, „halt“, anstatt langer Sätze mit viel Information.

Grundsätzlich können diese Regeln auch bei allen anderen Kindern, besonders denen, die sich gerade in der Trotzphase befinden, gut angewendet werden. Wichtig sind viel Liebe und Konsequenz im täglichen Umgang mit Ihren Kindern!

Autorin: Mag. Sonja KARGL, Klinische Psychologin, Graz


Aktualisiert am: 07.07.2006 10:45
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