Ist Schweinefütterung GVO-frei möglich?

Die GVO-freie Fütterung von Schweinen ist derzeit ein heißes Thema. Könnte die Schweinebranche überhaupt dem Geflügel und der Milch nachziehen?
Bevor Forderungen zur gentechnikfreien Fütterung gestellt werden, müssen die Fakten abgeklärt sein.
Bevor Forderungen zur gentechnikfreien Fütterung gestellt werden, müssen die Fakten abgeklärt sein.
Seit heuer beziehen die beiden Handelsketten REWE und SPAR ausschließlich Hühner und Puten, die mit gentechnikfreiem Sojaschrot gefüttert worden sind. Sowohl die Interessensvertretung der Geflügelhalter als auch die Futtermittelbranche zeigen sich besorgt. So scheint die Haftungsfrage noch nicht restlos geklärt zu sein. Wer haftet tatsächlich, wenn Spuren von gentechnisch verändertem Soja (GVO) im Mischfutter gefunden werden? Tatsächlich gilt der Grenzwert von 0,9 % als technisch unvermeidbare Verschleppungsgrenze. Ein weiteres Argument vieler Produzenten zielt auf die höheren Kosten für GVOfreien Sojaschrot ab. So wurden in den ersten Monaten Zusatzkosten von 40 bis 50 Euro pro Tonne Sojaschrot realisiert. Zusätzlich ist ein höherer Sojaschrot-Anteil in der Ration zu kalkulieren, da der Eiweißgehalt des GVO-freien Soajschrots unter jenem von HP-Soja liegt. Letztendlich rechnen die Experten mit Mehrkosten von 1,30 bis 2 Euro pro 100 kg Futter, je nach Sojaanteil im Futter und den anteiligen Zertifizierungs-, Kontroll- und Analysekosten.

Schweine GVO-frei füttern?
Auch in der Schweinebranche flammen immer wieder Diskussionen zu diesem Thema auf. Basierend auf den genannten Zahlen wären hier Zusatzkosten von ca. 2,50 Euro pro Schwein zu erwarten, was in den vergangenen fünf Jahren zwischen 15 und 25 % des durchschnittlichen Deckungsbeitrags pro Schwein ausgemacht hätte. Ob die Zusatzkosten der Geflügelproduzenten vom Endkunden getragen werden, bleibt abzuwarten, zumal Geflügelfleisch aus anderen Ländern (ohne GVO-freie Fütterung) ebenfalls in den Regalen österreichischer Handelsketten zu finden ist. Ein zusätzlicher kritischer Punkt ist die Verfügbarkeit von GVO-freiem Soja. Bevor eine Forderung zur GVO-freien Fütterung gestellt wird, muss dieser Punkt geklärt sein.

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Aktualisiert am: 02.03.2012 08:14
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