Introgression und Biodiversität: Fremdgene in Landsorten

Mexiko gilt als die Wiege des Maises. Dort gibt es zahlreiche Landrassen mit großer genetischer Vielfalt. In ein paar dieser Rassen wurden Spuren von gentechnisch veränderten Erbanlagen entdeckt. Umweltschützer befürchten nun eine Abnahme der genetischen Vielfalt.
Ob sich Fremdgene in etablierten Landsorten halten, hängt von den Genen, nicht von der Zuchtmethode ab
Ob sich Fremdgene in etablierten Landsorten halten, hängt von den Genen, nicht von der Zuchtmethode ab
Mexiko ist für den Mais eine besondere Region. Die dortigen Ureinwohner entwickelten über Jahrtausende aus der Grassorte Teosinte durch Kreuzung und Selektion die Vorläufer der heutigen Maissorten. Da die Landwirte in Mexiko bis heute überwiegend traditionelle Züchtungsmethoden nutzen, gibt es dort unzählige Landsorten mit einer großen genetischen Vielfalt. Mexiko ist für Mais ein Zentrum der Biologischen Vielfalt.

Diese Zentren zu schützen und zu erhalten, ist eines der Ziele der 1992 in Rio verabschiedeten Konvention zur Biologischen Vielfalt (Biodiversity Convention). Darin verpflichten sich die Vertragsstaaten, solche mit gentechnisch veränderten Organismen verbundenen Umweltauswirkungen zu vermeiden, welche den Erhalt und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt beeinträchtigen könnten.
Seit 1998 ist der Anbau von gentechnisch verändertem Mais in Mexiko verboten. Erlaubt hingegen ist der Import von Agrarprodukten. Jährlich werden mehrere Millionen Tonnen Mais aus den USA eingeführt. Dort wurde 2001 auf etwa acht Millionen Hektar gentechnisch veränderter Mais angebaut.

Gefahr für die Biodiversität?
Der Genfluss, der Austausch von Genen zwischen Kultur- und Wildsorten, ist ein natürlicher Vorgang. Gene aus konventionellen Kultursorten wandern in Landrassen und Wildpopulationen ein. Daran sind nicht nur Auskreuzungen zwischen Pflanzen benachbarter Felder beteiligt, sondern auch die traditionelle Züchtung der Landwirte. Gerade in Mexiko züchten Bauern ihre lokalen Maissorten. Dabei vermischen sich Gene verschiedener Kultur- und Landsorten. Schon immer unterliegt die genetische Ausstattung der mexikanischen Landsorten einem stetigen Wandel.
Die Vielzahl der Maisrassen in Mexiko nimmt allein durch Einkreuzungen aus Kultursorten nicht ab, so das internationale Mais- und Weizenforschungsinstitut CIMMYT. Mexiko sei nicht nur deswegen ein Ort der Biodiversität für Mais, weil dort viele Sorten "gefunden" würden. Vielmehr sei die Vielfalt auch ein Ergebnis der züchterischen Arbeit der Bauern, die auf den Anbau unterschiedlicher Sorten Wert legten.
Die Sorten sind einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen. Ob sich Gene aus konventionellen Hochleistungssorten oder transgenen Sorten in Landsorten dauerhaft etablieren und dadurch die Biodiversität verringern, hängt letztlich davon ab, ob sie den Nachkommen einen Selektionsvorteil verleihen. Es sind die Gene, nicht die Züchtungstechnologie, die über eine mögliche Gefährdung der Biodiversität entscheiden.

Schaden für die Genvielfalt?
Umweltgruppen befürchten, dass die Auskreuzung von gentechnisch veränderten Maissorten zu einer Reduktion der genetischen Vielfalt und schlimmstenfalls zu einem Aussterben von Landrassen führen könnte. Dass Introgression von modernen Hochleistungssorten jedoch nicht grundsätzlich eine Bedrohung für Landrassen sein muss, zeigt eine Veröffentlichung aus Italien. Konservierte Proben von italienischen Mais-Landrassen aus den fünfziger Jahren wurden mit molekularen Markern untersucht. Die Ergebnisse wurden verglichen mit denen für Landrassen, die heutzutage in Italien wachsen, sowie mit den Ergebnissen für moderne, nicht gentechnisch veränderte Hybridsorten, die seit den fünfziger Jahren in Italien angebaut werden. Es konnte nachgewiesen werden, dass das Erbgut der modernen Hybridsorten teilweise in die Landrassen "eingewandert" ist, dass jedoch gleichzeitig die genetische Vielfalt der Landrassen zugenommen hat.

Weitere Infos unter: www.biosicherheit.de

Autor: Dr. Rudolf HÖNLE, Graz


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Aktualisiert am: 24.07.2009 11:19
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