Interview zum Maismarkt

In den letzten Wochen haben die Getreide und Maispreise zu einem wahren Höhenflug angesetzt. Der Leiter der Abteilung Landwirtschaftliche Erzeugnisse der RWA erklärt, dass sich das Blatt aber auch schnell wieder wenden kann.
Der fortschrittliche Landwirt:Die Meldungen zur globalen Getreideernte waren in diesem Jahr geprägt von Ertragsausfällen infolge von Umweltkatastrophen. Die Folge war ein sehr nervöser Markt. Setzt sich dieser Trend auch am Maismarkt fort?
Ernst Gauhs: Bei der Analyse von Getreidemärkten gilt es generell, weniger Einzelkulturen, sondern Angebot und Nachfrage der Gesamtsumme an Getreide zu beachten. Mais und Weizen sind ja in weiten Teilen substituierbar. Die „stock to use ratio“ (Anm. Red.: Verhältnis aus Angebot und Nachfrage) hat in den vergangenen Monaten eine dramatische Wendung genommen. Prognostizierte das US-amerikanische
Landwirtschaftsministerium im Mai noch eine weltweite Überversorgung im Ausmaß von 5 Mio. t, so geht man in der August-Schätzung schon von einer Unterversorgung von rund 35 Mio. t aus.

Der fortschrittliche Landwirt: Wie wirkt sich diese Situation auf den Markt aus?
Ernst Gauhs: Die spannende Frage ist, wie hoch sind die weltweiten Lagerbestände im Vergleich zum globalen Verbrauch. Da gibt es eine magische Grenze von 20 %. Liegen die Lagerbestände darunter, entsteht ein Verkäufermarkt. Große Importeure, wie etwa die nordafrikanischen Länder, befürchten Versorgungsengpässe und konkurrieren um die knappe Ware. Das treibt den Preis nach oben. Dazu kommen Spekulanten an den Warenterminbörsen, die bei einem Preistrend sofort reagieren und somit für starke Preisausschläge sorgen.

Autor: DI Ernst Gauhs (RWA) im Gespräch mit Landwirt-Redakteur Roman Goldberger

Weiters in dieser Ausgabe:
Ackerbau in 5 min
Getreidebau 2010
Auswahl der richtigen Getreidesorte


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Aktualisiert am: 24.08.2010 07:03
Speziell für den Österreichischen Markt spielt die Ernte in Ungarn laut Gauhs eine wesentliche Rolle.
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