Interview mit Josef Polz und Kurt Tauschmann

Kurt Tauschmann folgte im Juli diesen Jahres Josef Polz als Styriabrid-Obmann nach. Im LANDWIRT Interview sprechen sie über die Zukunft der Schweinehaltung und das Konkurrenzdenken zwischen den Landwirten.
Ing. Kurt Tauschmann ist neuer Obmann der EZG Styriabrid.
Ing. Kurt Tauschmann ist neuer Obmann der EZG Styriabrid.
Dieses Jahr endete die Übergangsfrist für die Gruppenhaltung tragender Sauen. Die aktuelle Tierhaltungsverordnung sieht Bewegungsfreiheit in der Abferkelbucht vor. Herr Polz, Sie waren zwölf Jahre Obmann der Styriabrid und verfügen über viel Markterfahrung. Verlassen Sie da gerade ein sinkendes Schiff?

Josef Polz:
Das sehe ich nicht so! (Lacht!) Wir haben heute eine Gesellschaft, die alles haben will und das zum Nulltarif. Es liegt auch daran, dass sich viele in die Landwirtschaft einmischen, die nicht die geringste Ahnung davon haben. Dadurch entstehen Forderungen, die schwierig zu erfüllen und auch von den Konsumenten nicht mehr zu bezahlen sind.
Wir hören jeden Tag die Diskussion, dass die Lebensmittel teurer werden und zu teuer sind. Dann haben wir die nächste Diskussion, wie viele Leute können sich teure Lebensmittel noch leisten? Ob das GVO-freies Soja ist, ob es die Tierhaltung ist oder andere Standards die man hinaufschraubt – wir von der Styriabrid haben immer gesagt: Wir machen alles, es muss nur bezahlt werden.
Zu dem Punkt Bewegungsfreiheit in der Abferkelbucht: Da könnte ich mir schon vorstellen, dass es EU-weit langfristig eine Lösung geben wird, zum Beispiel: In der Geburtsphase wird die Sau fixiert und ab der zweiten Woche könnte man die Sau frei laufen lassen. Das ist natürlich trotzdem ein Kostenfaktor. Ich glaube, wir brauchen uns nicht die großen zu Sorgen machen, wenn es europaweit eingeführt wird, dann hat jeder die gleichen Voraussetzungen.
Schwierig wird es, wenn Österreich alleine höhere Standards hat. Da fehlt unseren Politikern auch der Mut zu sagen: Wir sind besser, aber dafür machen wir auch die doppelte oder die dreifache Investförderung oder wir unterstützen die Bauern in der Produktion durch steuerliche Vorteile oder durch andere Ausgleiche. Das fehlt mir ganz massiv.

Herr Tauschmann, Sie haben Mastschweine und eine Biogasanlage. Wie beurteilen Sie den Konkurrenzkampf um die Flächen zwischen Biogas und Veredelung?

Kurt Tauschmann:
In meinem konkreten Fall gibt es eigentlich keine Konkurrenz. Im Bezirk Fürstenfeld gibt es drei Biogasanlagen. Im Bezirk haben wir ungefähr 5.000 ha Mais, davon werden 50 % außerhalb des Bezirkes vermarktet. Die drei Biogasanlagen brauchen 500 ha Mais.
Zuerst sieht man gegenseitig nur die Konkurrenz. Ob man gegenseitig die Pachtpreise in die Höhe treibt, hängt auch von den handelnden Personen ab. Es gäbe viele gemeinsame Nutzen. Bei einer Biogasanlage ist normalerweise genug Lagerkapazität für Gülle da. In der Biogasanlage kann ich meine Gülle so verwerten, dass sie beim Ausbringen fast geruchlos ist. Aber leider ist das Konkurrenzdenken noch immer da. Das zu verändern, wird eine unserer Aufgaben sein.

ÖR Josef Polz übergab im Juli 2013 die Funktion des Obmannes der Styriabrid an Ing. Kurt Tauschmann.
ÖR Josef Polz übergab im Juli 2013 die Funktion des Obmannes der Styriabrid an Ing. Kurt Tauschmann.
Josef Polz: Zwischenfrüchte und Ackerfrüchte, die durch Trockenheit, Hagel oder Überflutung geschädigt sind, können wirtschaftlich in Biogasanlagen verwertet werden.

Welche Weichen muss der österreichische Schweinebauer heute stellen, um in den nächsten Jahren in die richtige Richtung unterwegs zu sein?

Josef Polz:
Er muss schauen, dass er jetzt einen stabilen Betrieb hat, um heute dementsprechend Erträge und Einkommen zu erwirtschaften. Die Deckungsbeiträge passen schon länger nicht mehr. Die Betriebe brauchen eine gewisse Größe. Wir hätten viele Leute, die würden diese vernünftigen Größen – ich sage wirklich vernünftige Größen – gerne umsetzen. Aber da kommen die ganzen Schwierigkeiten mit Baukommission und Genehmigungen auf die Landwirte zu.
Die Investförderung ist jetzt schon das zweite Jahr generell weg, es gibt sie nur mit Ausnahmen. Es ist noch nicht sicher, wie es weitergeht. Im Gegensatz dazu sehen wir, dass Bayern frisch und munter durch die Periode fördert. Das fehlt unseren Bauern. Sie können sich jahrelang nicht anpassen. Eine notwendige Investition ist nicht immer eine Erweiterung.
Die Jugend braucht auch eine dementsprechende Ausbildung. Die Weiterbildung muss auch forciert werden. Wenn wieder eine Türe aufgeht, sollten die Landwirte bereit sein, zu investieren.

Herr Tauschmann, bis vor kurzem waren Sie als politischer Funktionär tätig. Jetzt sind Sie Obmann der Styriabrid, deren ursprüngliche Aufgabe die Vermarktung ist. In den vergangenen zwei Jahren hatte es den Anschein, als würde die Interessensvertretung immer mehr in Richtung VÖS und Erzeugergemeinschaften wandern. Wie sehen Sie das?

Kurt Tauschmann:
Nein, wir sind in der Steiermark eine Vermarktungsgemeinschaft. Das ist ganz klar geregelt. Die VÖS ist, wenn man so will, der politische Flügel der Styriabrid und der restlichen Erzeugergemeinschaften Österreichs. Es gibt Regelungen und Vorschriften, die österreichweit ausgehandelt werden und das ist die Aufgabe der VÖS. Es ist auch Aufgabe der VÖS, Themen wie die Investförderung, Abferkelbuchten oder Kastration zu bearbeiten. Dass wir von der Styriabrid versuchen werden, politische Interessen durchzusetzen, das ist auch klar. Wir sind ja zur Kammer, Politik oder VÖS keine Konkurrenz.

Weitere Fragen an Josef Polz und Kurt Tauschmann finden Sie in der Ausgabe 16/2013 der Fachzeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt". Gratis Probeheft bestellen.

Aktualisiert am: 01.08.2013 10:24
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