Interview: Antibiotika-Resistenz

Die Bildung von Resistenzen gegen bestimmte Antibiotika war Thema eines Pressegesprächs auf der diesjährigen EuroTier in Hannover. Jeffrey Watts und Leopold Goetze* erklären im Interview den Wettlauf gegen resistente Bakterienstämme in der Tierhaltung.
Leopold Goetze: Director Regulatory & Public Affairs Pfizer GmbH Tiergesundheit
Leopold Goetze: Director Regulatory & Public Affairs Pfizer GmbH Tiergesundheit
Der Einatz von Antibiotika in der Nutztierhaltung wurde in letzter Zeit intensiv und kritisch diskutiert. Warum forscht ein Unternehmen wie Pfizer dennoch weiter an Tierantibiotika?

Jeffrey Watts: Wann immer Antibiotika zum Einsatz kommen, können Resistenzen entstehen. Wir brauchen daher ständig neue Wirkstoffe, um der Evolution der Bakterien voraus zu sein. Das Ziel unseres Forschungsteams ist es, neue Antiinfektiva für Tiere zu entwickeln, die eine effektive Behandlung von Krankheiten erlauben und gleichzeitig den Ansprüchen von Behörden, Kunden und der Medizin genügen.

Kann dieses Rennen gewonnen werden? Oder steigert man nicht nur das Risiko, dass immer neue resistente Bakterienstämme entstehen?

Watts: Hinter jeder Resistenz steckt ein ganz spezifischer Mechanismus. Damit es gar nicht erst dazu kommt, gilt es, Antibiotika verantwortungsvoll einzusetzen und mit einem guten Herdenmanagement dafür zu sorgen, dass sich solche resistente Bakterienstämme nicht entwickeln. Dazu zählen saubere Ställe, gute Impfprogramme und eine gute Biosicherheit. Es werden allerdings immer wieder Tiere erkranken. Deshalb brauchen wir wirksame Antibiotika für das Wohlergehen der Tiere und für sichere Nahrungsmittel.
Jeffrey Watts: Director Anti-Infective Research, Global Therapeutics Research in Kalamazoo, Michigan
Jeffrey Watts: Director Anti-Infective Research, Global Therapeutics Research in Kalamazoo, Michigan


Leopold Goetze: Mit den gesetzlich festgelegten Wartezeiten ist sichergestellt, dass Antibiotikarückstände so niedrig sind, dass sie keinen Einfluss auf den Menschen haben. Was Resistenzen angeht, haben Untersuchungen gezeigt, dass die Resistenzen beim Menschen nur in seltenen Fällen vom Tier kommen. So wurde beispielsweise gezeigt, dass sich resistente St. Aureus-Stämme im Menschen genetisch von den bei Nutztieren zu findenden Bakterienstämmen unterscheiden.

Wohin führt uns die Forschung? Woran forschen Sie gerade?

Goetze: Neben neuen Ansätzen in der Forschung entwickelt Pfizer auch Dienstleistungen, die es den Landwirten und Tierärzten erleichtern, die Herde gemeinsam besser zu managen. Indem wir helfen, dass die Herden gesünder sind, reduzieren wir auch den Bedarf an Antibiotika.

Jeffrey Watts: Director Anti-Infective Research, Global Therapeutics Research in Kalamazoo, Michigan
Leopold Goetze: Director Regulatory & Public Affairs Pfizer GmbH Tiergesundheit

Aktualisiert am: 16.11.2012 09:39
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