Internationaler Kosten- und Erlösvergleich der InterPIG für 2008

Die Berechungen der InterPIG weisen Kosten für die Schweinefleischproduktion insgesamt und speziell für die Ferkelerzeugung und die Schweinemast aus.Österreich wird durch den Verband landwirtschaftlicher Veredelungsproduzenten (VLV) vertreten.
Zur Analyse des Kostenwettbewerbs in der europäischen Schweinefleischproduktion hat die Expertengruppe InterPIG ihre Berechnungen aktualisiert und Ergebnisse für 2008 vorgelegt.

Kosten der Ferkelproduktion

Zur Ferkelproduktion verdeutlichen die Berechnungen die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe in Dänemark und den Niederlanden, wo sich die Kosten eines 30 kg-Ferkels auf 53 € bzw. 55 € belaufen (siehe Grafik: Kosten und biologische Leistungen der Ferkelerzeugung). Lediglich die britischen Produzenten schneiden mit 46 € noch besser ab. Die Briten schaffen es offenbar, durch die Freilandhaltung der Sauen nicht nur die Gebäudekosten gering zu halten, sondern auch mit wenig Aufwand an tierärztlichen Leistungen und Energie über die Runden zu kommen. Den Dänen und den Niederländern gelingt es, durch herausragende Leistungen mit rund 27 abgesetzten Ferkeln pro Sau und Jahr die Arbeits- und Gebäudekosten vergleichsweise gering zu halten. Frankreichs Sauenhalter überschreiten mit 25,3 Ferkeln ebenfalls deutlich das durchschnittliche Leistungsniveau. Die Betriebe dort sind mit einem Durchschnittsbestand von 190 Sauen allerdings nicht so groß wie in Dänemark oder den Niederlanden, so dass sie die Möglichkeiten der Kostensenkung durch große Bestände weniger ausschöpfen. Trotz der besseren Leistungen produziert Frankreich die Ferkel teurer als Spanien oder Irland, wo dank geringerer Löhne und billigerer Gebäude die Fixkosten kleiner ausfallen. Nachteilig wirkt sich in Spanien wie in Irland dagegen das hohe Preisniveau der Futtermittel aus.

Österreich: Kleine Bestände und hohe Futterkosten führen zu hohen Produktionskosten

Deutschland zählt mit Belgien, Österreich, Schweden und Italien zu den Ländern, deren Produzenten im Durchschnitt pro Sau und Jahr weniger als 24 Ferkel absetzten. In Belgien fallen jedoch die Kosten dank geringerer Löhne sowie geringerer Ausgaben für Tierarzt, Medikamente und Bestandserneuerung niedriger als in Frankreich aus. Deutschland rangiert mit 63 € pro 30 kg-Ferkel am Ende des Mittelfeldes vor Österreich, Italien und Schweden, für diese Länder errechnen sich 67 €, 69 € bzw. 74 € je Stück. Als Ursachen für die Kostennachteile der deutschen Sauenhalter sind neben den unterdurchschnittlichen Leistungen die geringe Nutzung der Kostendegression in den kleineren Beständen sowie höhere Ausgaben für Tierarzt, Energie und Bestandserneuerung zu nennen. In Österreich sind die Nachteile durch kleine Bestände noch stärker ausgeprägt, hinzu kommen höhere Futterkosten. In Schweden schlagen sich Tierschutzauflagen in hohen Arbeits- und Gebäudekosten nieder. Italiens Betriebe haben ihre Schwachpunkte weniger bei den Gebäudekosten als vielmehr bei den hohen Futter- und Arbeitskosten.

Kosten und Erlös in der Schweinemast

In der Schweinemast weisen die Berechnungen der InterPIG 2008 die Niederlande als Kostenführer in Europa aus (siehe Grafik: Kosten und Erlöse der Schweinemast). Mit 1,60 € pro kg Schlachtgewicht liegen sie allerdings nicht weit vor Frankreich, Belgien und Dänemark, wo die Kosten um zwei bis vier Cent höher ausfallen. Deutschland rangiert mit 1,67 € im Mittelfeld vor Spanien, Irland, Österreich und Großbritannien, dort belaufen sich die Kosten auf bis 1,68 € bis 1,72 €. Mehr als 1,80 € sind in Schweden und Italien zu verzeichnen. Die Ergebnisse Italiens sind allerdings nicht einfach mit denen der anderen Länder zu vergleichen, weil sie sich auf die Mast extra schwerer Schweine mit mehr als 160 kg Lebendgewicht für die Erzeugung von Spezialschinken und Wurst beziehen. Italien hat deshalb das höchste Preisniveau, das Preis-Kosten-Verhältnis ist jedoch ungünstiger als in den meisten Vergleichsländern. Lediglich Dänemark und Irland schneiden hier 2008 noch schlechter ab. Der Kostenvorteil der niederländischen Mäster resultiert vornehmlich aus der Verfügbarkeit preiswerter Ferkel. Auch Belgien weist unterdurchschnittliche Ferkelkosten pro kg Schlachtgewicht auf. In Dänemark und Großbritannien erscheint dieser Vorteil trotz kostengünstiger Ferkelerzeugung nicht so offenkundig, weil die Mastschweine dort mit einem Endgewicht von 102 bis 108 kg eher zur Schlachtung kommen. Auch die irischen Betriebe liegen mit einem Mastendgewicht von 101 kg unter dem europäischen Durchschnitt. Dies trägt dazu bei, dass in Irland die Ferkelkosten mehr als die Hälfte der gesamten Produktionskosten pro kg Schlachtgewicht ausmachen.

Hohe Ferkelkosten führen insgesamt zu hohen Schweinefleischproduktionskosten

Deutschland zählt nach den Berechnungen der InterPIG wie Österreich und Schweden zu den Ländern, in denen hohe Produktionskosten der Ferkel zu hohen Produktionskosten für Schweinefleisch insgesamt führen. Bei diesen Berechnungen bleibt allerdings außer Betracht, dass es in Deutschland einen Ferkelmarkt gibt, der es wegen des Preisdrucks den Mästern ermöglicht, Ferkel zu einem Preis zu beziehen, der deutlich unter dem nach der Vollkostenrechnung der InterPIG kalkulierten Wert liegt. Unter Zugrundelegung der von den Mästern gezahlten Ferkelpreise fallen die Ferkelkosten und die gesamten Kosten 2008 um 10 Cent geringer aus als von der InterPIG berechnet. Mit 1,57 € pro kg Schlachtgewicht liegen dann die gesamten Kosten noch niedriger als in den Niederlanden. (Quelle: ISN)

Kosten und biologische Leistungen der Ferkelerzeugung

Kosten und Erlöse der Schweinemast


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Aktualisiert am: 18.01.2010 10:19
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