Internationaler Handel mit Milchprodukten blüht auf

Der internationale Handel mit Milcherzeugnissen hat sich im laufenden Jahr deutlich belebt. Nach aktueller Schätzung der FAO werden die globalen Exportmengen an Milcherzeugnissen das Niveau von 2009 um fast 6 Prozent übertreffen.
Die Preise für Milch und Milcherzeugnisse haben sich nach dem Tief 2009 wieder erholt.
Die Preise für Milch und Milcherzeugnisse haben sich nach dem Tief 2009 wieder erholt.
Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht im Vergleich zu 2009 von einer Zunahme der globalen Handelsmenge um 5,7 % auf 46,0 Mio t Milchäquivalente aus, getragen vor allem von einer starken Importnachfrage Asiens und Russlands. Besonders deutliche Handelszuwächse zeichnen sich dabei für Magermilchpulver ab. Der Export soll - ausgedrückt in Produktgewicht - nach der Schätzung der Fachleute in Rom im Jahresvergleich um fast 180 000 t oder gut 13 % auf 1,53 Mio t steigen. Die Butterausfuhren sollen weltweit um gut 50 000 t oder 5,7 % auf rund 970 000 t wachsen. Bezüglich des Käseexports rechnet die FAO mit Ausfuhren von weltweit annähernd 2,1 Mio t, was einer Steigerung um fast 100 000 t beziehungsweise 5 % entsprechen würde. Weniger dynamisch hat sich das Exportgeschäft mit Vollmilchpulver entwickelt. Hier gehen die römischen Marktexperten nur von einem Anstieg um 20 000 t oder 1 % auf 1,98 Mio t aus.

Zuversicht am Exportmarkt für Milch für das Jahr 2011
Mit Blick auf 2011 gibt sich die FAO zuversichtlich, allerdings unter der Annahme, dass die Futterkosten nicht weiter steigen. Sollten die Futtermittelpreise in den nächsten Monaten deutlich anziehen, ist nach Einschätzung der Fachleute in Rom mit einem stagnierenden beziehungsweise rückläufigen Exportangebot zu rechnen. Die Importnachfrage dürfte aber hoch bleiben, maßgeblich die Russlands, dessen eigene Milchwirtschaft durch die Sommerdürre arg gebremst worden ist. Schwierig einzuschätzen ist dagegen laut FAO die Entwicklung in China. Auch dort ist die Nachfrage kräftig angezogen. Jedoch haben erneute Funde von Melamin in Milcherzeugnissen zuletzt wieder das Vertrauen der Konsumenten in die Molkereien belastet.

Entwicklungsländer sind Markttreiber am Milchmarkt
Die globale Nachfrage nach Milch und Milchprodukten hat sich nach dem Rückgang im vergangenen Jahr erholt. Die diesjährige Verbrauchsmenge dürfte nach der aktuellen Schätzung der FAO das Niveau von 2008 übertreffen, wobei hierfür die Entwicklung in den Entwicklungsländern ausschlaggebend ist. So wird der Konsum an Milcherzeugnissen pro Einwohner in den Industriestaaten in diesem Jahr mit durchschnittlich 244,3 kg die Menge von 2009 nur um schätzungsweise 0,5 kg oder 0,2 % überschreiten und noch um 2 kg unter dem Stand von 2008 bleiben. Demgegenüber zeichnet sich für die Entwicklungsländer verglichen mit 2009 eine Zunahme des Verzehrs von Milchprodukten je Einwohner um 1,5 % auf 67,5 kg im Mittel ab, womit die Vergleichsmenge von 2008 um 1,5 kg übertroffen würde. Bezogen auf die Weltbevölkerung errechnet sich daraus für das Jahr 2010 ein Anstieg des Konsums von Milcherzeugnissen um 0,6 % auf durchschnittlich 104,1 kg Milchäquivalente pro Kopf, nachdem 2009 ein Rückgang um 0,5 kg auf 103,5 kg verzeichnet wurde.

Weltweite Milchproduktion legt wieder zu
Wieder an Fahrt aufgenommen hat nach den Schätzungen der FAO die Milchproduktion: Veranschlagt wird die diesjährige Welterzeugung auf 710,7 Mio t, was eine Zunahme um 1,7 % bedeuten würde. Die Steigerungsrate läge aber noch spürbar unter dem langjährigen Durchschnittszuwachs von 2,1 %. Dabei soll die Milchproduktion in den Industriestaaten um rund 1 % zulegen, in den Entwicklungsländern um 2,4 %. Mehr als die Hälfte der zusätzlichen Milchmenge entfällt mit 8,4 Mio t auf China und Indien. Brasilien, die EU-27 und die USA dürften es zusammen auf eine Steigerung um 2,6 Mio t bringen.

Preise für Milch und Milcherzeugnisse deutlich erholt
Wie die FAO weiter berichtete, haben sich die Preise für Milch und Milcherzeugnisse nach dem Tief zu Beginn des Jahres 2009 deutlich erholt. Der von den Fachleuten in Rom berechnete „Dairy Price Index“, dessen Basiswert 100 dem mittleren Preisniveau von 2002 bis 2004 entspricht, lag von Januar bis Oktober 2010 mit durchschnittlich 199 Punkten um 57 % über dem Vergleichswert des Vorjahres. Für das Krisenjahr 2009 insgesamt weist die FAO einen Indexwert von 142 aus, verglichen mit 220 im Haussejahr 2008. Dabei hatte sich der „Dairy Price Index“ der FAO nach dem Absturz auf 114 Punkte im Februar 2009 bis zum Dezember des vergangenen Jahres wieder auf 216 Punkte erholt. In diesem Jahr zogen insbesondere die Weltmarktpreise für Butter kräftig an.


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Aktualisiert am: 22.12.2010 11:08
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