Internationale Weizennotierungen auf Sturzflug

Die erste Dezemberwoche endete mit einem bösen Absturz insbesondere der Weizennotierungen an den US-Weizenbörsen und an der Euronext in Paris. Damit halten die Weizennotierungen auf dem tiefsten Niveau seit dem Frühjahr 2006, also noch ehe die Preisrallye der vergangenen beiden Wirtschaftsjahre eingesetzt hat.
Vergangenen Donnerstag durchbrach der Futures von Soft Red Winter an der Chicago Board of Trade mit 6,6 % Verlust und einem Schlusskurs von USD 171,81 (EUR 136,14) die psychologisch wichtige Grenze von USD 5,- pro bu (USD 183,72 bzw. EUR 145,58 pro t). An der Euronext fiel der Weizenfutures am Donnerstag unter die Marke von EUR 130,- pro t auf EUR 124,75 pro t. Damit halten die Weizennotierungen auf dem tiefsten Niveau seit dem Frühjahr 2006, also noch ehe die Preisrallye der vergangenen beiden Wirtschaftsjahre eingesetzt hat. Neben der trüben Befindlichkeit der Märkte durch die allgemein herrschende Rezessionsangst und dem Verfall der Erdölpreise werden als fundamentale Marktdaten dafür die Rekordernte 2008, überreichlich versorgte Märkte mit geringer Nachfrage sowie schlechte Exportaussichten verantwortlich gemacht. Auch an der Wiener Produktenbörse verloren die Brotgetreidenotierungen diese Woche weiter an Terrain, halten sich aber noch über dem Niveau an der Euronext.

Psychologie spielt große Rolle
Zurzeit spielen - nicht nur in der Beurteilung der Einflussmöglichkeit einer Rezession der Allgemeinwirtschaft auf die Ernährungswirtschaft, sondern auch bei der Beurteilung der fundamentalen Marktdaten - Psychologie und Befindlichkeit offensichtlich größere Rollen als die Rationalität. In keinem Marktbericht wird etwa nicht eine miserable Exportkonjunktur für europäischen Weizen als Ursache für die Preisdepression bemüht. Dagegen weisen die Statistiken der EU-Kommission 2008/09 einen florierenden Weizenexport der EU auf Drittmärkte aus. Die EU brachte es demnach in der Woche bis 02.12. auf Weizenexportlizenzen für 505.000 t und damit mehr als in der Woche davor, wo es 325.000 t waren. Damit schaffte die EU in den ersten 23 Wochen des Wirtschaftsjahres 2008/09 Weizenexportlizenzen für 10,415 Mio. t und mehr als dreimal so viel wie im Vergleichszeitraum 2007/08 mit 3,020 Mio. t. Harte Konkurrenz am Weltmarkt kommt allerdings von Russland und der Ukraine, die den Markt mit Weizen zu Dumpingpreisen überschwemmen - allerdings erreicht der Weizen oft nur Futterqualität - und ihre Exporte nun auch noch kräftig subventionieren wollen.

Russland gibt Details zu Exportsubventionen bekannt
Indes gab die russische Regierung erste Details des mit RUB 10 Mrd. (EUR 280 Mio.) dotierten Programms zur Subvention von 10 Mio. t Weizenexport bekannt. Frühestens in der zweiten Jännerhälfte könnte mit Ausschreibungsverfahren gestartet werden. Dabei müssten Exporteure Preisgebote für den Ankauf von Brotweizen 4. Grades (entspricht Weichweizen mittlerer Qualität) an einer zugelassenen Börse (Mindestpreis: RUB 4.000,- pro t, das sind EUR 111,86) sowie ihre Erstattungsforderungen bekannt geben. Die Regierung schlägt dann die Angebote nach deren Qualität zu. Nach Einkauf des Weizens zum angebotenen Mindestpreis und nachgewiesener Ausfuhr erhält der Exporteur dann die Subvention. Russland exportierte in diesem Wirtschaftsjahr bereits 10 Mio. t Getreide und die Regierung nahm mit Interventionskäufen weitere 2 Mio. t vom Markt. Aus einer Rekordernte von mehr als 100 Mio. t bestehen rund 25 Mio. t Getreideüberschuss.

EU: Konkurrenz um Platz im Futtertrog und in der Intervention
Die Weizenmärkte der EU stehen auch unter Druck billigen Futtergetreides. Weizen, Mais und Gerste raufen sich über den Preis um Platz in den Futtertrögen und die Preise haben das Interventionsniveau teilweise schon deutlich unterschritten. Die auf 700.000 t begrenzte Maisintervention könne nichts für den Maispreis bewegen, heißt es, massive Gerstenintervention aber indirekt schon. Die umfangreichen Importe aus dem Schwarzmeerraum lassen nicht nur die Weizenexporte der EU heuer deutlich höher sein als 2007/08, sondern auch die Importe: Sie summierten sich bis 02.12. auf 3,148 Mio. t nach 2,862 Mio. t im Vergleichszeitraum 2007/08. Die Gerstenintervention wird auch schon genutzt, nach Jahren sogar auch wieder in Deutschland. In dieser Woche wurden in Ungarn 6.874 t der Intervention angeboten, in Deutschland 5.598 t und in der Slowakischen Republik 1.292 t. In Deutschland wird die Intervention bisher ausschließlich in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt in Anspruch genommen. Die Interventionsbestände summieren sich in der EU-27 damit seit Saisonbeginn auf 36.012 t Getreide, davon 25.837 t Gerste, 8.775 t Mais und 2.400 t Weizen.

Getreidemarkt in Österreich: Warten auf bessere Zeiten und Kritik an Banken
"Auf bessere Zeiten warten." So lautet zurzeit die Devise am österreichischen Getreidemarkt. Und bessere Zeiten sieht man frühestens erst wieder im neuen Kalenderjahr. Wer Ware auf Lager hat und es sich leisten kann, dängt nicht auf den Markt damit. Und wer nicht unbedingt für seinen Verarbeitungsbetrieb Rohstoff benötigt, hält sich ebenfalls abseits vom Markt. Die Notierungen an der Wiener Börse für Landwirtschaftliche Produkte geben momentan nur die Preise aus dem dünnst möglichen Geschäftsfluss wieder. Sie gaben beim Brotgetreide diese Woche durch die Bank neuerlich nach. Qualitätsweizen hielt aber seine Qualitätsprämie gegenüber dem Mahlweizen mit leichten Abstrichen im Großen und Ganzen. Auch der Mahlweizen hält einen Bonus gegenüber den Weizenkursen an der Euronext. Stabil und knapp über dem Interventionspreis konnte sich lediglich Futtermais halten - gleichfalls aber mit kaum Umsätzen.

Billiger Schiffstransport
Den Geschäftsfluss bremst auch eine restriktive Kreditvergabepolitik der Banken und deren Forderungen nach zusätzlichen Risikoaufschlägen, was angesichts der im Raum stehenden öffentlichen Mittelzuwendungen an den Sektor und der gebotenen Sicherheiten in der Branche zunehmend für Unmut sorgt. Ebenso Unmut rufen die Transportkosten auf Straße und Schiene im Binnenland Österreich hervor, während der Wasserweg Donau ebenfalls unter zusätzlichen finanziellen Belastungen durch wiederholtes Niederwasser leidet. "Zurzeit kostet der Transport einer Tonne Getreide mit Bahn oder LKW von Ostösterreich nach Italien locker das Dreifache des Schiffstransports einer Tonne Getreide vom Golf von Mexiko nach Rotterdam", so ein Händler.

(AIZ info)


Aktualisiert am: 18.12.2008 09:06
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