Internationale Getreidemärkte auf der Rückkehr zur Normalität

Die ärgsten Bocksprünge der Notierungen an den internationalen Getreide-Terminbörsen scheinen fürs Erste wieder vorüber zu sein.
Internationaler Getreiderat: Weiterhin knappe globale Getreideversorungung
Internationaler Getreiderat: Weiterhin knappe globale Getreideversorungung
Die Zeichen stehen bei unveränderten fundamentalen Marktdaten auf Beruhigung.

März-Report des internationalen Getreiderates

Der Internationale Getreiderat IGC in London beließ in seinem am Donnerstag veröffentlichten März-Report für 2010/11 bei einer im Monatsabstand um jeweils 2 Mio. t nach unten revidierten Produktions- und Verbrauchsschätzung die globale Getreidebilanz unverändert bei einem Defizit von 61 Mio. t und einem Endlagerbestand von 341 Mio. t, was einer Ratio zum Verbrauch von 19% entspricht. Das heißt: Zum Ende des Wirtschaftsjahres 2010/11 wird die Welt über Getreidereserven für 69 Tage verfügen.

Weizennachfrage auf dem Weltmarkt hält an

Auf dem Weltmarkt hält die Nachfrage nach Weizen an: Die USA meldeten wöchentliche Exportzahlen von 660.000 t und die EU-Kommission erteilte in der Woche bis 22.03. Exportlizenzen für 364.000 t Weizen.

Österreichischer Kassamarkt auf Rückkehr zur Normalität

Die Wiener Produktenbörse notierte am Mittwoch dieser Woche wieder alle Qualitätsstufen von Weizen und nach etwas längerer Pause auch wieder Durum-Weizen. Mit EUR 268,- bis 280,- für Premium-, EUR 260,- bis 270,- für Qualitäts- und unverändert EUR 248,- bis 252,- pro t für Mahlweizen bewahren die heimischen Kassamarktnotierungen auch weiterhin deutliche Qualitätsboni gegenüber dem Pariser Weizenfutures. Die neuerliche Notierung von Durum in Wien wird als Zeichen gewertet, dass es zurzeit nicht einfach sein dürfte, die Hartweizenversorgung aus ausländischen Quellen zu sichern und die Verarbeiter deshalb wieder auf inländische zurückgreifen müssten. Die notierten Preise von EUR 277,- bis 284,- pro t schließen zwar nicht an die Letztnotierung jenseits der EUR 300,- pro t zur Preisspitze im Februar an, gelten aber als "normal ", da sie der Faustregel entsprechen, dass sie über den Qualitätsweizenpreisen liegen sollten.
Sonnenblumen gelten in Österreich indessen mit Ausnahme geringer Reste als durchgehandelt, während der Rapsmarkt noch nicht gesättigt ist und die Preise diese Woche wieder stiegen.

IGC sieht auch 2011/12 knappe globale Getreideversorgung

"Nachdem die Überlager auf ihr tiefstes Niveau seit drei Jahren fallen werden, wird 2011/12 eine signifikante Steigerung der Produktion notwendig sein, um einen weiteren Abbau der Endbestände zu verhindern ", schreibt der IGC in seinem Ausblick für die kommende Ernte. Die Londoner Experten sehen zwar einen Anstieg der globalen Getreideernte von Weizen, Mais und Futtergetreide auf einen Rekordwert von 1,805 Mrd. t (2010/11: 1,726 Mrd. t), aber ebenso eine Zunahme des Verbrauchs auf 1,808 Mrd. t (2010/11: 1,788 Mrd. t), womit die Welt im nächsten Wirtschaftsjahr um 3 Mio. t mehr Getreide verbrauchen würde als sie erntet. Die Endlager würden damit zwar neuerlich, aber nur leicht auf 338 Mio. t oder auf 18,7% des Verbrauchs abschmelzen und damit "aber dennoch niedrig bleiben ", so der IGC. Ein Verhältnis von unter 20% der Endlager zum Verbrauch gilt als bullishes Signal für die Marktpreise.
Der Getreiderat führt die zu erwartende Produktionssteigerung 2011/12 auf eine Ausweitung der weltweiten Getreideanbaufläche um 4% auf 537 Mio. ha - den größten Wert seit 1998 - zurück. Allein Russland soll für die Hälfte des Flächenzuwachses aufkommen. Dort, in den USA, sowie in der EU wird auch die Erntemenge am stärksten steigen. Das Verbrauchsplus wird vor allem auf das Konto der menschlichen Ernährung und Fütterung gehen, während der IGC wegen der engen Versorgungsbilanz und des daraus resultierenden Preishochs eine Stagnation beim Mehrverbrauch von Mais für industrielle und Ethanolzwecke vorhersagt. Damit wäre insbesondere beim Mais eine substanzielle Produktionssteigerung 2011/12 nötig, um die Lücke zu einem auch nur um nicht einmal 1% zunehmenden Verbrauch (2010/11: 842 Mio. t) nicht dramatisch weiter aufgehen zu lassen. So schätzt der IGC die Maisernte des kommenden Jahres zwar mit 841 Mio. t um 33 Mio. t größer ein als 2010/11, wird sich aber das schon heuer mit minus 34 Mio. t klaffende Loch in der weltweiten Maisbilanz aber noch weiter vergrößern. Mit einer Endlager-zu-Verbrauch-Ratio von 14,6% sind die Maisreserven für 53 Tage schon heuer dramatisch niedrig.
Weitgehend ausgewogen mit einem leichten Bestandsaufbau erwartet der IGC dagegen den Weizenmarkt im kommenden Wirtschaftsjahr. Demnach soll sich die Weizenernte vor allem Dank wieder besserer Erträge in Russland und der Schwarzmeerregion um 4% auf 673 Mio. t erholen. Die Vorräte der großen Exporteure wie USA und Australien dürften damit einen auf 127 Mio. t (2010/11: 123 Mio. t) wachsenden Importbedarf der Zuschussregionen befriedigen können. Obwohl es 2010/11 auch zu einem Bestandsabbau von 12 Mio. t kommt, sind die weltweiten Weizenreserven mit 185 Mio. t oder knapp 28% der 662 Mio. t Verbrauch noch relativ am komfortabelsten. Die Vorräte reichen damit am Ende der Saison 2010/11 für 102 Tage.

Russland diskutiert Rückkehr auf den Weltmarkt als Getreideexporteur

In Russland nimmt die Debatte um die Rückkehr auf den Weltmarkt als Getreideexporteur - man war ehemals der Nummer drei-Getreidelieferant - zu. Bekanntlich hat die Regierung in Moskau Mitte August 2010 nach einer desaströsen Missernte von 60,9 Mio. t (2009: 97 Mio. t) Getreide in Folge einer Dürre- und Hitzekatastrophe Ausfuhren verboten. Der Exportstopp ist vorerst bis 30.06.2011 befristet. Vorigen Freitag, sagte Landwirtschaftsministerin Jelena Skrynnik, man könne eine Aufhebung des Exportstopps frühestens Ende September oder Anfang Oktober erwägen, wenn die Ernteergebnisse 2011 absehbar sind (Quelle: AIZ).


Aktualisiert am: 29.03.2011 15:25
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