Innovative Entwicklungen für Abferkelbuchten

Nach der Einigung in der Kastenstand-Debatte gilt es nun, an der Weiterentwicklung von Abferkelbuchten hin zur zeitlich begrenzten Fixierung der Sau zu arbeiten. Forschungsprojekte in Kiel und Sterksel setzen erste Schritte.
Die Versuche, die freie Abferkelung zu optimieren, laufen derzeit auf Hochtouren.
Die Versuche, die freie Abferkelung zu optimieren, laufen derzeit auf Hochtouren.
Mit der neuen Tierhaltungsverordnung wird in Österreich eine 20-jährige Übergangsfrist gesetzt, bis die Fixierung der Sauen auf das zum Schutz der Ferkel erforderliche Mindestmaß reduziert werden muss. Während dieser Zeit ist die Forschung gefordert, innovative Lösungen für Abferkelbuchten zu finden, welche die bisher bekannten Nachteile der „Freien Abferkelung“ ausräumen. Das wichtigste Argument gegen die freie Haltung der Sau in der Abferkelbucht ist der deutliche Anstieg der Ferkelverluste im Mittel um drei bis fünf Prozent (siehe Der fortschrittliche Landwirt 9/2011). Außerdem sind die höheren arbeits- und betriebswirtschaftlichen Aufwendungen zu beachten.

Selbstfang-Ferkelnest
Ferkel müssen oft mehrmals für Behandlungen, Impfungen etc. eingefangen werden. Vor allem bei der Diagonalaufstallung der Sau und hochgelegtem Trog kann das zeitaufwändig sein. Daher wird eine Abferkelbucht mit Längsaufstallung gerade und parallel zum Stallgang geprüft, bei der das Ferkelnest vor dem Kopf der Sau angeordnet ist. Das Ferkelnest kann mit einer Fußbodenheizung ausgestattet sein und wird in den ersten Lebenstagen zusätzlich mit einem Infrarot-Strahler beheizt. Der Kontrollgang ist verbreitert und das Ferkelnest schmaler als der Gang, sodass das Fangen der Ferkel erleichtert wird. Neu ist in diesem Zusammenhang ein Selbstfang-Ferkelnest. Die Ferkel erreichen das Nest über eine Pendelklappe. Diese Pendelklappe kann vor Ferkelbehandlungen als „Einbahnstraße“ zentral für das gesamte Abteil arretiert werden, sodass Ferkel nicht zurück in die Sauenbucht laufen können und sich selbst einfangen. Unter dem Sauentrog befindet sich ein Gitter, sodass Sau und Ferkel Nasenkontakt haben. Inwiefern die Ferkel in den ersten Lebenstagen die Benutzung des Nestes lernen und nicht bei der Sau am Gesäuge einschlafen, bleibt abzuwarten. Auch ist noch nicht klar, ob alle Ferkel vor Behandlungen tatsächlich schnell das Nest aufsuchen.

Freilaufbucht Pro Dromi II
In einem Prototyp (Bezeichnung Pro Dromi II) werden verschiedene beschriebene Elemente in eine Freilaufbucht integriert. Während der Geburt steht die Sau im Ferkelschutzstand. Nach den ersten Lebenstagen wird der Stand geöffnet und zur Seite geschwenkt, sodass die Sau Bewegungsmöglichkeiten erhält. Das Selbstfang-Ferkelnest besitzt einen Eingang und soll Erdrückungsverluste senken helfen. Hierzu liegen momentan noch keine repräsentativen Ergebnisse vor. Diese Ideen und Konzepte wurden in einem holländischen Praxisnetzwerk aus Ferkelerzeugern, Beratern und Tierärzten mit Unterstützung des niederländischen Landwirtschaftsministeriums entwickelt und werden in Prototypen in Sterksel getestet, wobei nicht alle Ideen miteinander kombiniert werden können. Weitere Ansatzpunkte für mehr technische Detailverbesserungen sind die
Anordnung von Ferkeltrog im Ferkelnest und Sauentrog einander gegenüber, sodass der Sichtkontakt zur Mutter das möglichst frühzeitige Fressen fester Nahrung anregen soll. Allerdings können die Ferkel auch in der traditionellen Abferkelbucht ihrer Mutter beim Fressen zusehen – das animiert die nicht automatisch selbst zum Fressen. Um das Nestbauverhalten der Sau etwas befriedigen zu können, wird ein Hartgummiball an einer Feder vor dem Trog montiert, damit das Tier sich beschäftigen kann. Alternativ kann gepresstes Häckselstroh angeboten werden.

Autor: Prof. Dr. Steffen HOY, Universität Gießen (D)

Weitere Details zu den neuen Entwicklungen für die freie Abferkelung können Sie in unserer Fachzeitschrift "Der fortschrittliche Landwirt" (Ausgabe 6/2012) nachlesen. Probeheft bestellen.


Aktualisiert am: 08.03.2012 10:03
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