Innovations-Trends auf der Agritechnica 2011

Wie aus den bei der DLG eingegangenen Neuheitenanmeldungen abzulesen ist, ist auf der diesjährigen Agritechnica mit einem Feuerwerk an Innovationen zu rechnen.
Die Agritechnica ist weltweit das wichtigste Forum zur Präsentation neuer Maschinen, sowie für den Informationaaustausch in verschiedennen Foren.
Die Agritechnica ist weltweit das wichtigste Forum zur Präsentation neuer Maschinen, sowie für den Informationaaustausch in verschiedennen Foren.
Die führenden Traktorhersteller präsentieren neue Baureihen in verschiedenen Leistungsbereichen mit sparsamen Dieselmotoren, die die Schadstoffemissionsauflagen der Abgasstufe IIIB erfüllen. Mit neuem Kabinendesign, luftgefederten Komfortsitzen, Kabinenfederungen, weiter verbesserter Funktionalität der Bedienelemente sowie neuen Sicht- und Bedienkonzepten wird ein Höchstmaß an Bedien- und Fahrkomfort er-reicht.
Auch wird eine neue Generation von integrierten Frontladern zu sehen sein, die mit Hilfe neuer Sensorik zusätzliche Funktionen ermöglichen, die bezüglich Präzision und Automation marktübliche Lösungen weit übertreffen.

Gerät steuert Traktor
Auf der Agritechnica 2009 wurde das ISOBUS-basierte „Tractor-Implement Automation“ System am Beispiel eines „intelligenten“ Ladewagens vorgestellt. Eine vergleichbare Lösung am Beispiel einer Rundballenpresse, bei der nach Füllung der Presskammer der Traktor automatisch stoppt und der folgende Prozess automatisiert abläuft, wurde ebenfalls 2009 vorgestellt. Diese Entwicklung findet ihre Fortsetzung auf der Agritechnica 2011, zum Beispiel im Bereich der Kartoffelproduktion von der Pflanzung bis zur Ernte. Auch für die Gülleausbringung wird eine entsprechende Lösung präsentiert.

Traktor-Geräte-Elektrifizierung
Die künftig zu erwartende Zunahme elektrischer Geräteantriebe erfordert eine geeignete Schnittstelle zwischen Traktor und Gerät zur Übertragung hoher elektrischer Antriebsleistung. Auch zu diesem Themenbereich werden einige Hersteller neue Lösungsansätze zeigen. Unter anderem wird ein vierradgelenkter Traktor mit elektrischen Einzelradantrieben und hydropneumatischer Einzelradaufhängung sowie zwei elektrischen Schnittstellen für die Versorgung von Anbaugeräten mit elektrischer Energie im mobilen Betrieb präsentiert.

Elektronische Deichsel
Automatische Lenksysteme mit integriertem Vorgewendemanagement ermöglichen bereits heute das Steuern eines Traktors ohne manuellen Eingriff des Fahrers. Der nächste, zu erwartende Entwicklungsschritt wäre der völlige Verzicht auf den Fahrer. Auf der Agritechnica 2011 wird erstmalig eine marktreife Lösung einer „elektronischen Deichsel“ präsentiert. Bei diesem System werden zwei Traktoren, die mit einem hochpräzisen Spurführungssystem ausgerüstet sind, virtuell miteinander gekoppelt. Der erste Traktor wird manuell gesteuert und kommuniziert per Funk mit dem zweiten, fahrerlosen Traktor, der kombiniert mit dem gleichen Anbaugerät, örtlich und zeitlich versetzt der Spur oder einer vorgegebenen Linie folgt.

Innovationen bei der Gerätetechnik
Bemerkenswert ist der Trend zu höheren Arbeitsgeschwindigkeiten bei der Einzelkornsaat. Nachdem vor vier Jahren erstmalig eine entsprechende Maschine vorgestellt wurde, werden auf der Agritechnica 2011 ebenfalls Einzelkornsämaschinen mit weiterentwickelter Vereinzelungstechnik gezeigt, die bei Arbeitsgeschwindigkeiten von 10 bis 12 km/h, und unter günstigen Bedingungen, auch bis zu 15 km/h eine hohe Ablagegenauigkeit gewährleisten.
Das in der Pflanzenschutztechnik bereits übliche GPS-gesteuerte und automatisierte Ein- und Ausschalten am Vorgewende und von Teilbreiten findet zunehmend Eingang in die Düngetechnik, um auch in Überlappungsbereichen der Streufächer am Vorgewende eine präzise und gleichmäßige Düngeverteilung zu erreichen.
Um den Einfluss von Seitenwind auf die Arbeitsqualität von Zentrifugalstreuern zu reduzieren, wird Amazone einen Streuer vorstellen, der mittels einer integrierten Wetterstation die momentan wirkenden Windverhältnisse (Stärke, Richtung) im Bereich des Streufächers erfasst. Über einen Verstellmechanismus mit entsprechender Steuerungssoftware lassen sich die Scheibendrehzahlen und Aufgabepunkte des Düngers unter Berücksichtigung der Düngersorte verändern, um den Windeinfluss zu kompensieren.

Getreideerntetechnik
Zunehmend größere Korntankvolumina und schwerere Maschinen fördern den Trend zum Einsatz von Raupenlaufwerken für eine bodenschonende Ernte bei gleichzeitig hoher Traktion und Fahrstabilität.
Verschiedene Hersteller bieten überarbeitete Mähdrescherbaureihen an mit Detailverbesserungen beim Schneidwerk, bei Dreschorganen und beim Strohmanagement. Auf der Agritechnica 2011 wird eine innovative Lösung zur Kommunikation und Koordination zwischen Mähdreschern und Traktoren bei der Getreideabfuhr präsentiert. Hierbei wird die Erntelogistik im Felde über Austausch von Informationen (z.B. Position, Korntankfüllstand) optimiert und in Verbindung mit der Synchronisierung der am Überladungsprozess beteiligten Fahrzeuge die Auslastung der Mähdrusch- und Transportkapazitäten gesteigert.

Futtererntetechnik
Zur besseren Bodenanpassung von Mähwerken und sehr großen Arbeitsbreiten und hohen Gewichten wird eine hydropneumatische Mähwerksentlastung mit rechnergestützter, automatischer Regelung des Auflagedruckes in Echtzeit gezeigt, die einen stets gleichmäßigen Auflagedruck der Mäheinheiten auch bei stark welligem Untergrund und stark variierenden Fahrgeschwindigkeiten gewährleistet. Zu sehen sein wird zudem eine automatische GPS-basierte Teilbreitenschaltung für Mähwerke und Schwader. In Abhängigkeit von der zuvor erfassten Flächenkontur und der Geoposition der Maschine werden die Teilbreiten für Mäheinheiten bzw. einzelne Schwadkreisel geschaltet.

In der Feldhäckslertechnik präsentieren Unternehmen signifikante Weiterentwicklungen in der NIR-Sensorik (Nahinfrarotspektroskopie), mit der bisher nur der Trockenmassegehalt des Erntegutes ermittelt werden konnte. Mit der neuen Technik ist es auch möglich, zum Beispiel die Inhaltsstoffe Protein, Stärke und Zucker zu ermitteln.
Zudem wurden für Feldhäcksler Systeme zur Motorregelung entwickelt, die sich automatisch unterschiedlichen Erntebedingungen anpassen, so dass der Häcksler stets im verbrauchs- und leistungsoptimalen Drehzahlbereich fährt, verbunden mit einer signifikanten Reduzierung des Kraftstoffverbrauches.
Zur Produktion qualitativ hochwertiger Grassilage hat der Einsatz von Rundballenpressen mit integrierter Wickeleinrichtung in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Beim heutigen Stand der Technik muss der Traktor beim Einsatz einer Press-Wickelkombination zum Binden und zur Übergabe des Ballens zum Wickeltisch seine Fahrt unterbrechen, um die weitere Gutzufuhr zu stoppen. Auf der Agritechnica 2011 wird eine vollautomatische, kontinuierlich arbeitende Rundballenpresse mit integrierter Wickeleinrichtung vorgestellt. Dieses System ist nur möglich in Kombination mit „Tractor-Implement-Management“ (TIM), das eine automatische Anpassung der Vorfahrtsgeschwindigkeit des Traktors an den Durchsatz bewirkt. Dieses Non-Stop-Verfahren steigert die Durchsatzleistung der Maschine bis zu 50 Prozent bei maximaler Ballendichte.

Agrarelektronik und Software
In der Landtechnik gibt es nahezu keine Neuentwicklung mehr ohne elektronische Steuer- und Regelfunktionen sowie ohne entsprechende Software. Die Agritechnica 2011 zeigt einen deutlichen Trend in Richtung herstellerübergreifender ISOBUS-Systeme. So werden selbstfahrende Erntemaschinen angeboten, die über Vorrüstungen zur Implementierung ISOBUS-basierter Lenksysteme verfügen, unabhängig vom Hersteller und der Art (z.B. GPS oder Laser).
Neuere RTK-Systeme ermöglichen eine sehr hohe Genauigkeit beim Einsatz von Lenkautomaten. Ein auf der Agritechnica 2011 vorgestelltes System vernetzt einzelne RTK-Basisstationen und ermöglicht Landwirten, Maschinenringen, Lohnunternehmen und Händlern die Erstellung eines eigenen kostengünstigen RTK-Netzes.


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Aktualisiert am: 24.09.2011 21:49
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