Importnachfrage nach Milchprodukten dürfte 2010 anziehen

Trotz der sehr rasanten Erholung am Milchmarkt rechnet das US-Landwirtschaftsministerium mit einer leichten Preiskorrektur nach unten. Das Verhalten der EU in Bezug auf die Interventionsbestände wird hier mitentscheidend sein.
Aufgrund der Produktionsrückgänge in den USA und Australien könnte die Improtnachfrage steigen und damit auch die Preise.
Aufgrund der Produktionsrückgänge in den USA und Australien könnte die Improtnachfrage steigen und damit auch die Preise.
Nach der rasanten Erholung der Weltmarktpreise für Milcherzeugnisse seit Mai vergangenen Jahres geben sich Experten im Hinblick auf die weitere Entwicklung bedeckt. Wie das amerikanische Landwirtschaftsministerium in seinem aktuellen Bericht zum Weltmarkt für Milcherzeugnisse feststellt, besteht derzeit ein gewisses Unbehagen auf Seiten der Anbieter. Sie befürchteten, das kräftige Anziehen der Preise könne wieder zu einer Drosselung der Nachfrage führen. Auch stelle sich die Frage, wie die Europäische Union mit den Interventionsbeständen von rund 76.000t Butter sowie fast 260.000t Magermilchpulver umgehen werde. Nichtsdestoweniger ist nach Einschätzung des US-Agrarressorts, wenn überhaupt, nur mit einer mäßigen Preiskorrektur nach unten im ersten Halbjahr 2010 zu rechnen. Dazu beitragen könnte ein niedrigeres Exportangebot – in Australien und den USA sinkt die Milchproduktion und in der EU steigt sie nur leicht.

EU-Magermilchpulverexport soll kräftig steigen
Für die Europäische Union sagt das US-Landwirtschaftsministerium eine Steigerung der Milchproduktion um 0,1% voraus. Verglichen mit dem Krisenjahr 2009 werden die europäischen Exporteure gemäß diesen Prognosen den Absatz aller wichtigen Milchprodukte in Drittstaaten mit Ausnahme von Vollmilchpulver steigern können. Die EU-Käseexporte, die 2009 um 4% zurückgingen, sollen um gut 1% zunehmen. Die größten Mengen dürften dabei wieder nach Russland, in die USA, die Schweiz und nach Japan gehen.

Rekordproduktion in Neuseeland – Rückgang in Australien
Auf Expansionskurs bleiben dürften die neuseeländischen Milchfarmer. Nach dem Rückgang im Wirtschaftsjahr 2007/08 wurde die Milcherzeugung in den zwölf Monaten bis einschließlich Mai 2009 auf dem Inselstaat im südlichen Pazifik um fast 10% gesteigert. Für die aktuelle Kampagne 2009/10 sagen die Washingtoner Fachleute eine Zunahme der neuseeländischen Milchproduktion um 2,5% auf die Rekordmenge von 17,0 Mio. t voraus. Das größere Aufkommen soll vor allem in den Export von Milchpulver und Käse fließen. Nur die EU exportiert mehr Käse als Neuseeland. Eine stabile Entwicklung erwarten die Washingtoner Fachleute mit Blick auf die Butterausfuhren des Inselstaates im Pazifik.
Uneinheitlich entwickeln soll sich demgegenüber das Milchexportgeschäft Australiens. Der fünfte Kontinent wird gemäß den Vorhersagen der US-Experten im noch bis Ende Juni dauernden Wirtschaftsjahr 2009/10 insgesamt 5% mehr Magermilch- sowie 13% weniger Vollmilchpulver exportieren. Die Käseausfuhr Australiens soll sich nach dem starken Einbruch in der vergangenen Kampagne wieder erholen und um etwa 28% zulegen. Die Butterexporte sollen nach dem Tief in der Kampagne 2007/08 weiter steigen, nämlich um etwa 14% auf 75.000t. In der aktuellen Kampagne dürfte das Milchaufkommen nach der Prognose des US-Landwirtschaftsministeriums um 1% sinken. Auch die längerfristige Entwicklung der australischen Milchproduktion wird skeptisch beurteilt.

Starker Einbruch auch der US-Exporte
In den USA werden die Milchfarmer die Produktion in diesem Jahr voraussichtlich erneut drosseln. Das Washingtoner Agrarressort geht von einem Rückgang um 0,7% aus. In den Jahren 2000 bis 2008 war das Milchaufkommen in den Vereinigten Staaten allerdings um insgesamt etwa 17% gesteigert worden. Im Anschluss an das Rekordexportjahr 2008 musste auch die US-Milchwirtschaft deutliche Einbußen verkraften. Die Butterausfuhren verringerten sich 2009 um mehr als 80%, der Export von Magermilchpulver um gut ein Drittel und die Auslandsvermarktung von Käse um rund ein Fünftel. Für 2010 geben sich die Fachleute wieder optimistisch: Vorhergesagt wird gegenüber den Mengen von 2009 eine Verdopplung der Butterexporte, ein Anstieg der Magermilchpulverausfuhren um 16% sowie eine Steigerung der Käseauslandsvermarktung um fast 7%. (AgE)


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Aktualisiert am: 14.01.2010 22:35
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