IGC revidiert Weizenernte hinunter und Rekord-Maisernte hinauf

Die weltweite Weizenernte wird nach aktuellen Prognosen geringer ausfallen, die Prognose für die Maisernte wurde erneut nach oben geschraubt. In Österreich sind die Marktbeteiligten unsicher, wohin die Reise geht.
Vor der Getreideernte wurden die Prognosen für die weltweite Weizenernte nach unten revidiert.
Vor der Getreideernte wurden die Prognosen für die weltweite Weizenernte nach unten revidiert.
Generell zeichnen sich für das kommende Wirtschaftsjahr 2012/13 kurz vor Beginn der Getreideernten auf der nördlichen Halbkugel weltweit kleinere Weizenerträge als 2011/12 und ein Bestandsabbau auf allerdings immer noch komfortablem Niveau sowie eine Rekord-Maisernte ab, die einen Bestandsaufbau auf ein allerdings aber immer noch sehr knappes Niveau der globalen Maisreserven von 15,63 % des Verbrauchs - das heißt Reserven für 57 Tage - erlauben soll. Dies geht unter anderem aus dem am Donnerstag vom Internationalen Getreiderat IGC in London veröffentlichten monatlichen Getreidemarktbericht (Grain Market Report) über die globalen Versorgungsbilanzen hervor.

Ernteprognose für Weizen und Mais
Der IGC nahm gegenüber dem April seine Prognose der globalen Weizenproduktion 2012/13 um 5 Mio. t auf 671 Mio. t (2011/12: 695 Mio. t) zurück und revidiert den erwarteten Verbrauch um 1 Mio. t auf 681 Mio. t (2011/12: 688 Mio. t) nach oben. Gleichzeitig kürzt der Getreiderat auch wegen gestiegener Verbrauchserwartung die Aussicht für die Weizenendlager in der laufenden Saison 2011/12 um 5 Mio. t, sodass es 2012/13 wegen der auch verminderten Anfangsbestände zu einem binnen Monatsfrist um 15 Mio. t stärkeren Bestandsabbau um 11 Mio. t auf 191 Mio. t kommen soll als vor einem Monat angenommen. Die Weizenendlager steuern damit 2012/13 auf ein Vier-Jahrestief zu. Mit gut 28 % Anteil der Endlager am Verbrauch beziehungsweise Reserven für 102 Tage bleibt die Versorgungslage aber komfortabel.
Dagegen setzen die Londoner Experten die Erwartung an eine Rekord-Maisernte 2012/13 von 913 Mio. t (2011/12: 866 Mio. t) nochmals im Monatsabstand mit einem Plus von 13 Mio. t so weit hinauf, dass trotz ebenfalls um 9 Mio. t auf 902 Mio. t (2011/12: 870 Mio. t) gestiegener Verbrauchserwartung gegenüber der Vormonatsprognose ein etwas höherer Bestandsaufbau von 12 Mio. t in der kommenden Saison herauskommt. Die Ratio stock to use bleibt mit 15,63 % jedoch eng.

Die Prognose für die weltweite Maisernte wurde erneut nach oben korrigiert.
Die Prognose für die weltweite Maisernte wurde erneut nach oben korrigiert.
Weizengeschäfte am Weltmarkt flauen ab
Zum Saisonende hin wird auf dem Weltmarkt weniger Weizen verkauft. In ihrem Rückblick berichtete die EU-Kommission am Donnerstag im Brüsseler Verwaltungsausschuss von nur noch kleineren Geschäften. In der EU wurden zwischen dem 16. und dem 22.05.2012 Ausfuhrlizenzen für lediglich 84.000 t Weizen nachgefragt, davon 36.000 t in Frankreich und 33.000 t in Deutschland. Nach dem Export von bisher 11,9 Mio. t Weizen aus der EU in der laufenden Saison scheint das Exportpotenzial allmählich erschöpft.
Allerdings könnte der Wettbewerbsschub am Weltmarkt durch die gegenwärtige Euro-Schwäche noch da oder dort Reserven mobilisieren. Die Kommission kündigte im Ausschuss an, sie wolle den Nullzollsatz für die Einfuhr von Weizen einfacher und mittlerer Qualität im Rahmen von Kontingenten über den 30.06. hinaus verlängern. Im kommenden Ausschuss am 07.06. will sie dafür einen Vorschlag vorlegen.

Situation am österreichischen Markt
Die extremen Kurssprünge an den internationalen Terminbörsen ließen in der abgelaufenen Woche die heimischen Verarbeiter von Weizen an die Seitenoutlinien ausweichen und die Nachfrage nach Brotweizen deutlich abflauen. Niemand kenne sich aus, wo die Reise der Weizennotierungen angesichts des hektischen Auf und Abs zurzeit hingehen soll, heißt es von Marktbeteiligten. An der Wiener Produktenbörse gab am Mittwoch die letzte am Kursblatt verbliebene Weichweizennotierung, die für Qualitätsweizen, um weitere 1,50 € pro t neuerlich einen Tick auf 209,50 € pro t nach. Nach einer mehrwöchigen Pause notierte auch wieder einmal Hartweizen, wobei Brancheninsider die Notierung von 275 € pro t als am unteren Rand der aktuellen Erlösmöglichkeiten für die alte Ernte und etwas unter dem Niveau kommentieren, das für die kommende neue Ernte 2012 diskutiert wird.
Ebenfalls als eher dem Wunsch der Verarbeiter als den Preisvorstellungen der Anbieter entsprechend wird die Industriemaisnotierung von 183,50 € pro t interpretiert. Recht nahe in ihren Preisvorstellungen und kurz vor Abschlüssen sollen die Marktbeteiligten auch schon bei Ölsaaten aus der neuen Ernte stehen.
Aus der Auswertung der Mehrfachanträge liest die AMA im Anbau für die Ernte 2012 keine außergewöhnlichen Flächenverschiebungen zum Vorjahr heraus. Die Weichweizenfläche nahm leicht zu, die von Mais und Roggen deutlicher, während weniger Durum, Gerste, Soja und Sonnenblume ausgesät wurden.


Aktualisiert am: 31.05.2012 14:16
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