IG-Milch: Raus aus der Milchkrise

Die IG-Milch lud am 19. August die Milchbauern nach Niklasdorf, um ihre Vorstellung der Wege aus der Milchkrise zu präsentieren und mit den Bauern zu diskutieren.
Christine Schneebichler motivierte die österreichischen Milchbäuerinnen, sich an den Aktionen der BDM-Bäuerinnen zu beteiligen.
Christine Schneebichler motivierte die österreichischen Milchbäuerinnen, sich an den Aktionen der BDM-Bäuerinnen zu beteiligen.
Bernhard Zechner konnte am Podium Christine Schneebichler aus Bayern (BDM), Erwin Schöpges aus Belgien (EMB) und Ernst Halbmayr (EMB) begrüßen.

Machtkampf der WertschöpfungsketteErnst Halbmayr erklärte den Zuhörern, dass die Preise, die Konsumenten im Geschäft für Milchprodukte bezahlen, nichts mit dem Auszahlungspreis an die Bauern zu tun haben. „Jene Molkereien, die den schlechtesten Milchpreis auszahlten, haben beim Handel die größten Chancen. Wir haben derzeit einen Negativwettbewerb, den es zu unterbrechen gilt“, so Halbmayr. Die aktuellen Forderungen des EMB finden Sie am Ende des Beitrages. Halbmayr geht davon aus, dass in nächster Zeit 15.000 bis 20.000 Milchbauern von 40.000 aus der Milchproduktion aussteigen werden, wenn sich die Preise nicht bald bessern würden.

Frauen im BDM Christine Schneebichler richtete ihre Feuerrede vor allem an die Damen unter der Zuhörerschaft. Schneebichler, die im BDM die Arbeit der Bäuerinnen koordiniert, hatte viele lockere Sprüche auf Lager und eröffnete ihre Rede mit einem selbstironischen Witz: „Was macht ein Bauer, wenn er im Lotto 1 Mio. gewinnt? Er melkt bis es wieder weg ist…“ Die charismatische Milchbäuerin appellierte an die österreichischen Bäuerinnen, sich an den Aktionen der BDM-Bäuerinnen zu beteiligen. Schneebichler war es auch, die mit zahlreichen deutschen Milchbäuerinnen vor dem Bundeskanzleramt ihre Zelte aufschlug. „Es kann doch nicht sein, dass unserer Betriebe ständig wachsen müssen, damit wir genügend Geld verdienen. 50 bis 100 Kühe müssen für einen Familienbetrieb doch reichen“, meinte die Bäuerin, die gemeinsam mit ihrem Mann 40 Kühe hält. Der enthusiastische Vortrag wurde vom Publikum mit Standing Ovations belohnt.

Lieferstreik, wenn Politik nicht einlenkt Aus dem deutschsprachigen Teil Belgiens war Erwin Schöpges vom EMB angereist. Ein verhaltenes Lachen aus dem Publikum löste seine Vorstellung aus: „Ich bin ein kleiner Bauer mit 65 Kühen.“ Derzeit erhält Schöpges für seine Milch nur 18 bis 19 Cent pro Liter. Schöpges sprach sich vehement für einen „Systemwechsel“ aus (siehe EMB-Forderungen). „Ein einzelnes Land kann die europäische Politik nicht verändern. Wir brauchen vor allem die großen Milchländer Deutschland und Frankreich“, gab er zu bedenken. Schöpges fordert eine europaweite, flexible Mengensteuerung, die einen kostendeckenden Preis gewährleisten soll. Seiner Meinung nach solle es wieder einen Lieferstreik geben, wenn die Politik nicht in den nächsten Wochen einlenke. Ein Bauer aus dem Ennstal gab daraufhin zu bedenken, dass man hier sehr vorsichtig sein müsse, da bei einem Lieferstopp wohl sofort Interventionslager geöffnet würden und man sich dadurch ein Eigentor schießen würde. Bis kurz vor Mitternacht diskutierten die Milchbauern, wer Schuld an den niedrigen Lebensmitteln sei und wie ein Ausweg aus der Milchkrise aussehen könnte.

Forderungspapier des EMB an die Politik:

I) Für eine stärkere Position der Erzeuger am Markt und das Erzielen kostendeckender Milcherzeugerpreise braucht es folgende Rahmenbedingungen:

1. Monitoringstelle Zur Analyse und Einschätzung von Angebot und Nachfrage ist eine europäische Monitoringstelle einzurichten, in der alle beteiligten Seiten des Milchmarktes vertreten sind: Milcherzeuger (EMB), Molkereiwirtschaft, Verbraucherorganisationen und Politik. Diese Stelle lässt regelmäßig die Kosten der Milcherzeugung ermitteln. Der entsprechende kostendeckende Erzeugerpreis ist Maßstab für die Festlegung der Milchmenge und den Einsatz verschiedener Instrumente durch die Monitoringstelle.

2. Erzeugerfinanzierte Umlage Es ist eine rechtliche Grundlage zu schaffen, welche die Einführung einer für alle Milchproduzenten in der EU verbindliche Erzeugerumlage erlaubt. Diese soll zur Finanzierung einer bedarfsorientierten Mengensteuerung genutzt werden d.h. je ach Entwicklung der Nachfrage um die Menge zu steigern oder zu senken.

3. Allgemeinverbindlichkeit Damit marktgestaltende Instrumente greifen können, braucht es eine EU-weite, rechtlich abgesicherte Mengenbegrenzung auf der Basis einzelbetrieblicher Referenzmengen.

4. Bündelung der Milcherzeuger Schließlich ist eine rechtliche Grundlage zu schaffen, welche es den Milcherzeugern erlaubt, sich auf der Ebene der Mitgliedstaaten und darüber hinaus zu Erzeugergemeinschaften zusammenzuschließen.

II) Kurzfristig umzusetzende Maßnahmen zur Steigerung der Milcherzeugerpreise Angesichts der Marktkrise muss ein Stufenplan die Anhebung des Milchpreises auf ein kostendeckendes Niveau sichern; hierzu setzt die Politik eine rasche Reduzierung der Milchmenge um, damit Molkereien so schnell wie möglich kostendeckende Milchpreise zahlen können. Zum 1.10.09 : 30 Cent, zum 1.11.09 : 33 Cent, zum 1.12. : 37 Cent, zum 1.1.2010 : 40 CentFolgende Maßnahmen sind hierzu erforderlich:1. Die wirksame Einschränkung der nationalen Saldierungsmöglichkeiten2. Das Einfrieren der 1 %igen Quotenanhebung zum 1.4.20093. Eine europaweite Ausschreibung für eine freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierung.Für Maßnahme drei können die Gelder aus der durch die Erzeuger bezahlten Superabgabe sowie die Finanzmittel der Exportsubvention und der Intervention verwand werden. Diese werden somit marktwirksam eingesetzt und kommen direkt den Milchbetrieben zu Gute. Entsprechende Verordnungen und Gesetzte müssen so verabschiedet werden, dass sie jeweils rechtzeitig in Kraft treten können.


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Aktualisiert am: 26.08.2009 20:50
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