„Hygienefahrplan“ sichert Gesundheit im Schweinebestand

Im ungereinigten Schweinestall befinden sich auf jedem Quadratzentimeter rund 1 Milliarde Bakterien. Nach Reinigung und Desinfektion sind es nur noch rund 100 Bakterien.
"Dreck lässt sich nicht desinfizieren"

Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig ein gutes Hygienemanagement für Sauen, Ferkel und Mastschweine ist. Grundpfeiler der Hygiene sind alle Maßnahmen, mit welchen sich Infektionsketten unterbrechen und der Keimdruck reduzieren oder minimieren lässt. Daher sollte zumindest abteilweise nach dem Rein-Raus-Prinzip gearbeitet und regelmäßig eine Schadnager- und Fliegenbekämpfung durchgeführt werden. „Die Problembereiche in der Schweinehaltung sind die Spaltenböden mit den darunter liegenden Güllekellern sowie die Lüftungs- und Fütterungseinrichtungen.“ Einfacher wird die Arbeit, wenn man nach dem Drei-Punkte-Schema Trockenreinigung, Nassreinigung, Trockenphase vorgeht, denn „Dreck lässt sich nicht desinfizieren“.

Fahrplan zur wirksamen Unterbrechung der Infektionskette

Durch eine gründliche Reinigung und Desinfektion soll die Infektionskette unterbrochen werden
Durch eine gründliche Reinigung und Desinfektion soll die Infektionskette unterbrochen werden
Im ersten Arbeitsschritt kehrt man den Stall besenrein; entfernt angetrocknete Kotreste und rückt Lüfter und Fütterungsanlagen mit Besen und Bürsten zu Leibe. Alle Anlagen soweit wie möglich öffnen. Das Reinigen geht sehr viel schneller und effektiver von der Hand, wenn der Schmutz 3 Std. vor der eigentlichen Reinigung eingeweicht wird. Einweichanlage und Einweichroboter erleichtern die Arbeit. Als Faustzahl rechnet man 1 bis 1,5 l Wasser/m². Für die anschließende Reinigung mit Hochdruckreiniger und Flachstrahldüse werden 30 l/Min. veranschlagt. Warmes Wasser mit etwa 40 °C erhöht die Reinigungskraft. „Der Wasserdruck sollte je nach Verschmutzungsgrad zwischen 75 und 120 bar liegen.“ Lässt sich die ursprüngliche Oberflächenstruktur des Bodens wieder erkennen und bleibt das Reinigungswasser sauber, ist das Ziel erreicht. Auch beim Abtrocknen gibt die Oberflächenstruktur des Bodens Auskunft, wann der Boden wirklich trocken ist und mit der Desinfektion begonnen werden kann: Der betontypische Grauschimmer muss zu erkennen sein. Wird zu früh desinfiziert, verdünnt das vorhandene Wasser das Desinfektionsmittel und schmälert seine Wirkung. Zum Desinfizieren verwendet man geprüfte Mittel aus der DVG-Liste. „Die Ausbringungsmenge bei der Flächendesinfektion beträgt unabhängig vom Wirkstoff 0,4 l Gebrauchslösung/m².“ Vorsicht bei kühlen Temperaturen: Der sogenannte Kältefehler vermindert die Wirksamkeit der bei 20 °C getesteten Desinfektionsmittel. (Quelle: deuka.de - „Hygiene von der Pike auf“ von Henrike Freitag in dlz primus Schwein 1/2010, S. 34 - 37)


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Aktualisiert am: 22.02.2010 16:23
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