Hufrehe bei Pferden: Eis kann helfen

Hufrehe ist eine für Pferde sehr schmerzhafte und bei schlimmem Verlauf sogar tödliche Erkrankung. Nach neuen Erkenntnissen kann man den Verlauf durch ein einfaches Mittel positiv beeinflussen – nämlich Eis, wie Dr. Hermann Genn im Interview verrät.
Die Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut - für das Pferd äußerst schmerzhaft! Grafik: Günter Veichtlbauer
Die Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut - für das Pferd äußerst schmerzhaft! Grafik: Günter Veichtlbauer
Hufrehe ist eine die Entzündung der Huflederhaut, die durch verschiedenste Faktoren ausgelöst werden kann – etwa durch Überlastung, Stoffwechselstörungen und/oder Erkrankungen und akut auftretende Auslöser, wie Blutvergiftung durch Bakterientoxine –oder überhöhte Kohlenhydrataufnahme.

Bei Rehe – extremer Schmerz beim Wenden
Bei einem Hufreheschub führen Durchblutungsstörungen zum Absterben des Gewebes - ein äußerst schmerzhafter Prozess, der letztlich bis zur Loslösung des Hufes führen kann – was in den meisten Fällen nicht mehr therapierbar ist. Entscheidend für die erfolgreiche Eindämmung der Entzündung ist die frühzeitige Erkennung – auf Veränderungen im Gangbild bzw. leichte Lahmheiten bitte achten. Pferdetierarzt Dr. Hermann Genn: „Das erste Anzeichen ist, dass das Pferd unwilliger geht – und auch ganz typisch: der extreme Wendeschmerz, Pferde mit Hufrehe können sich kaum drehen. Zudem ist die Arterie am Fesselkopf stärker gefüllt und pulsiert. Wenn man beim Röntgen etwas entdeckt, so ist es meisten schon zu spät. Die typischen Anzeichen sind bereits bei einer klinischen Untersuchung festzustellen.“

Eis wirkt positiv
Bei Verdacht auf Hufrehe, rät Dr. Genn zu folgenden Sofortmaßnahmen: „Ganz wichtig im akuten Stadium: Tierarzt verständigen und das betroffene Bein sofort kühlen. Nach neuen Erkenntnissen geht man davon aus, dass im Laufe des Entzündungsprozesses der Hufrehe Enzyme – so genannte Metalloproteinasen – erheblichen Einfluss haben auf den Verlauf der Erkrankung und Ursache für die dramatischen Gewebsschäden sind, die zur Hufbeinsenkung oder Hufbeinrotation führen.“

Es gibt ein einfaches Mittel, um diese Prozesse günstig zu beeinflussen: Eis! Wobei auch hier der Zeitfaktor entscheidend ist. Dr. Genn: „Es kommt auf die ersten 72 Stunden an. Die Hufe müssen in Eis stehen, entweder in einem speziellen Hufschuh oder aber auch einfach in einem Plastikbeutel. Wichtig ist, dass das Eis alle vier Stunden erneuert wird – Tag und Nacht. In der weiteren Behandlung wird der Tierarzt wird Entzündungshemmer verabreichen. In allen Fällen, bei denen eindeutig eine Hufrehe festgestellt wurde, wird ein Aderlass veranlasst, bei dem Blut abgelassen wird um die Fließfähigkeit des Blutes zu erhöhen.“
Mit den richtigen Sofortmaßnahmen kann der Heilungsverlauf jedenfalls positiv beeinflusst werden, so Dr. Genn weiter: „Je früher man die Hufrehe erkennt und behandelt, desto besser ist die Prognose. Dies ist von Fall zu Fall unterschiedlich.“

Heilung und Vorbeugung
Auch die Chancen einer vollständigen Genesung schätzt Dr. Genn durchaus positiv ein – wenngleich natürlich jeder Fall individuell zu beurteilen ist: „Bis der Huf neu runtergewachsen ist, dauert es ein halbes Jahr. Danach kann –unter der Voraussetzung, dass es keinen erneuten Reheschub gab- das Pferd normal eingesetzt werden.

Pferdegerechte Fütterung
Bei der Vorbeugung ist das pferdegerechte Füttern zentral. Lieber mehrmals füttern und dafür von der einzelnen Menge pro Mahlzeit weniger. Eine abrupte Änderung des Futterplanes sollte vermieden werden.

Tipp: Zuerst das Heu füttern und danach das Kraftfutter. Durch Heukauen wird vermehrt Speichel gebildet, der die Säure im Magen neutralisiert.



Aktualisiert am: 30.09.2014 11:12
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