Hornloszucht: Ist das Fleckvieh 2020 seine Hörner los?

Die Enthornung von Rindern ist von Konsumenten und Tierschützern nicht gern gesehen. Aus diesem Grund hat die Hornloszucht Einzug in die Milchhaltung genommen. Die hornlosen Kühe können mit ihren behörten Stallkolleginnen punkto Milchleistung durchaus mithalten.
Eine strenge Selektion ist die Basis für eine stärkere Verbreitung des Hornlosgens in der breiten Fleckviehpopulation.
Eine strenge Selektion ist die Basis für eine stärkere Verbreitung des Hornlosgens in der breiten Fleckviehpopulation.
Die Rinderrassen auf dem europäischen Kontinent gehören zu den gehörnten Varianten. Trotzdem traten in allen Populationen immer wieder Mutanten auf, die von Geburt an hornlos waren und dies auch blieben. Während auf dem Kontinent diese Mutanten wenig Beachtung fanden bzw. als schwächlich eingestuft wurden oder aufgrund dieses „Mangels“ keinen Eingang in die Zuchtbücher fanden, haben britische Rassen wie Angus oder Galloway diesem Umstand ihre heutige Hornlosigkeit zu verdanken.
Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es bereits in Österreich eine kleine Population hornloser Pinzgauer, die sogenannten „Jochberger Hummeln“, die jedoch nur durch private Initiative bis heute im Bundesland Tirol erhalten geblieben sind.

Wettlauf mit der Zeit
Laut einer nicht repräsentativen Umfrage in Oberbayern haben bereits über 40 % der Fleckviehbetriebe Erfahrungen mit genetisch hornlosen Rindern gesammelt.
Bei allen Milchviehrassen wird die Hornlosigkeit mit großem Interesse verfolgt, den einerseits ist es ein Wettlauf mit der Zeit, bis das das Enthornen („Brennen und Ätzen“) aus Tierschutzgründen verboten wird und andererseits bietet ein hornloser Vererber mit guten Leistungs- und Exterieurzuchtwerten für die Zuchtorganisationen einen wirtschaftlichen Vorteil, den es zu erreichen gilt. Für Fleckvieh-Mutterkuhbetriebe im In- und Ausland ist die genetische Basis bereits zu fast 100 % hornlos. Gehörnte Vererber gehören hier bereits der Vergangenheit an und finden nur noch sporadisch zur Blutauffrischung Eingang in die Herden.

Ausblick
Die Zukunft in der Rinderzucht ist zweifelsohne hornlos, auch wenn insbesondere im Alpenraum traditionell eine schöne Kuh immer mit entsprechendem Hornschmuck ausgestattet war und dadurch ihren besonderen Adel demonstrieren konnte.

Autor: Dr. Thomas GRUPP, Grub (D)


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Aktualisiert am: 04.09.2009 13:07
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