Holzvergasung: Wärme und Strom erzeugen mit Technologie der Zukunft

Störungsfrei und praxistauglich - das ist die Bilanz von 17.000 Betriebsstunden zweier Holzgas-Pilotanlagen in Oberösterreich.
Die Holzgas-Anlage von Wolfgang Hörandner zählt mehr als 9.000 Betriebsstunden.
Die Holzgas-Anlage von Wolfgang Hörandner zählt mehr als 9.000 Betriebsstunden.
17.000 Betriebsstunden Strom und Wärme erzeugen – zwei Pilotanlagen in Oberösterreich beweisen, dass die Holzverstromung praxistauglich sein kann.
Strom aus stationären Holzgasanlagen ist in der Alternativen-Suche ein Thema, doch wird oft mehr kolportiert als in der Praxis produziert. Gerade deswegen sind erfolgreiche Anlagen so bedeutsam.
In den Jahren 2010 und 2011 wurden in Neukirchen an der Enknach und Geiersberg zwei Holzgas-Pilotprojekte zur Herstellung von Strom realisiert. Ziel der Initiative ist es, wertvolle Erkenntnisse sowie Daten für die Praxistauglichkeit künftiger Anlagen zu gewinnen. Partner des Gemeinschaftsprojektes sind das Agrarressort des Landes OÖ, die Landwirtschaftskammer, der OÖ Biomasseverband und engagierte Landwirte.

Kein Wärme-Verlust

Die Anlage am Betrieb Hörandner in Geiersberg bei Ried/I. stammt von der bayerischen Firma Spanner und leistet 30 kWh elektrisch und 66 kWh thermisch. Die Wärme wird für die Trocknung von Getreide und Mais sowie von Hackschnitzeln und in der kalten Jahreszeit zur Hausheizung eingesetzt. Besteht kein Wärmebedarf, stellt sich die Anlage ab, es bleibt also praktisch keine Wärme ungenutzt. Umgerechnet liefert die Pilotanlage Strom für 55 Haushalte und 420.000 Kilowattstunden Wärme. Investiert wurden EUR 220.000,-, davon EUR 100.000,- für Bau und Trocknung.

Hoher Wirkungsgrad

900 srm Hackgut werden jährlich vergast. Die Abwärme wir u.a. zum Trocknen der Hackschnitzel verwendet.
900 srm Hackgut werden jährlich vergast. Die Abwärme wir u.a. zum Trocknen der Hackschnitzel verwendet.
Die Trocknungsanlage kann binnen zwei Tagen die Ernte von 3 ha Getreide oder 1,5 ha Mais lagerfertig trocknen. Der jährliche Hackschnitzelverbrauch beträgt 900 Schüttraummeter (Srm) bei einem Wassergehalt von 15 %. In gemessenen 8.400 Betriebsstunden wurden 243.100 kWh Strom und insgesamt 832.320 kWh Gesamtenergie erzeugt. Der Wirkungsgrad elektrisch beträgt 23,7%, der thermische 57,4%, der Gesamtwirkungsgrad ist mit 81,1% erfreulich hoch. Herausragend ist vor allem der e-Wirkungsgrad, denn der liegt bei Stirling-Aggregaten, die im Zusammenhang mit Pelletsheizungen auch angestrebt werden, bei 10% und bei Photovoltaik bei 12 bis 16%. Im Gegensatz zu Wind- und Photovoltaikanlagen gibt es bei Holzgas kein Speicherproblem. Die Anlage liefert bereits 15 Minuten nach dem Start Strom.
Die Holzgasanlage in Geiersberg hatte im vergangenen April bereits 10.000 Betriebsstunden hinter sich. Die größere, vor einem Jahr in Betrieb genommene und ebenfalls kombinierte Strom-Wärmeproduktion auf Holzgasbasis in Neukirchen an der Enknach (Innviertel) leistet bei einer Investitionssumme von EUR 1,7 Mio. das Zehnfache: 300 KW elektrisch und 620 KW thermisch. Sie besteht aus zwei Urbas-Holzvergaser-Modulen zu je 150 KW mit zwei MAN-Motoren. Modul 1 war bereits 6.000 Betriebsstunden im Einsatz, das jüngere Modul 2 erst 1.000 Stunden. Der Strom wird in das E-Netz und die Wärme in die lokale Fernwärmeanlage eingespeist. Im Regelbetrieb wird Strom für 550 und Wärme für 220 Haushalte produziert.

Zukunftspotenzial


Oberösterreichs Holzzuwachs wird in Bauernwäldern nur zu etwa drei Viertel genutzt, in manchen privaten Waldstücken überhaupt nicht. Die Durchforstungsrückstände werden mit rund 7 Mio. Vorratsfestmetern (Vfm) beziffert. Fachleute des Biomasseverbandes rechnen mit einem möglichen Potenzial von etwa 200 derartigen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen in Oberösterreich. Diese könnten jährlich bis zu 300.000 MWh Strom produzieren und etwa 60.000 Haushalte mit Wärme versorgen. Vergleichsweise kann das Biomasse-Kraftwerk Timelkam der Energie-AG 26.000 Haushalte mit Strom und 5.800 mit Wärme (Verteilungsproblem) beliefern. Die Linz AG versorgt mit ihrem Biomasse Fernheizwerk Strom für 20.000 Haushalte und Wärme für 12.000 Haushalte.


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Aktualisiert am: 11.06.2012 17:03
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