Holzernteschäden - So wirken sie sich aus

Stammschäden sind nach wie vor ein beträchtliches Problem in unseren Wäldern. Neben Rotwildschälung und Steinschlag spielen dabei Holzernteschäden eine besondere Rolle.
Dichte Bestände sind in Bezug auf Rückeschäden schadanfälliger als weniger dichte; weiters ist die Gefährdung in Hanglagen größer als in ebenen Lagen.
Dichte Bestände sind in Bezug auf Rückeschäden schadanfälliger als weniger dichte; weiters ist die Gefährdung in Hanglagen größer als in ebenen Lagen.
Von den 3,5 Milliarden Bäumen, die laut Waldinventar den gesamten stockenden Vorrat in Österreich bilden, weist rund jeder dritte Baum Stammschäden auf. Nahezu die Hälfte davon ist wirtschaftlich bedeutsam, da sie durch Schälung (22 Prozent), Ernte (17 Prozent) oder Steinschlag (8 Prozent) den untersten, für die Wertschöpfung wichtigsten Stammabschnitt betreffen. Da Rindenverletzungen aller Ursachengruppen annähernd zu 100 % zu Holzfäulen führen, resultieren daraus gewaltige wirtschaftliche Einbußen. Der Trend bei den Ernteschäden ist im Vergleich zu den letzten Inventurperioden zwar leicht rückläufig, doch sind weiterhin verstärkt Anstrengungen zur Minimierung dieser Schäden notwendig. Die regionale Verteilung der Holzernteschäden zeigt, dass diese relativ gleichmäßig im gesamten bewirtschafteten Wald auftreten.

Wirtschaftlicher Schaden
Eine ungefähre Höhe des direkten wirtschaftlichen Schadens mag folgende vereinfachte Modellrechnung veranschaulichen: Fichte, Endnutzung, 520 Erntefestmeter pro Hektar, 80 Prozent Blochholz, 20 Prozent Industrie- und Brennholz. Von den 80 Prozent Blochholz sind 65 Prozent gesund geblieben, 15 Prozent sind von Fäule befallen (14 % Braunbloche, 1 % Brennholz). Der Kalkulation werden die Daten in der Tabelle unterstellt (Erlöse netto, frei LKW-fahrbarer Forststraße). Aufgrund eines höheren Ausformungs- und Manipulationsaufwandes werden für die geschädigten Sortimente um 5 % höhere Erntekosten in Rechnung gestellt. Die Berechnungen ergeben, dass sich bei Endnutzung zwischen dem potentiell gesunden Bestand und dem geschädigten Bestand eine Differenz des DB1 (Deckungsbeitrag 1, erntekostenfreier Erlös) von 2.600 Euro je Hektar ergibt, das entspricht etwa dem halben Bodenwert! Dieser beträchtliche wirtschaftliche Verlust rechtfertigt jedenfalls ein sorgfältigeres und damit möglicherweise auch zeitintensiveres Vorgehen bei der Holzernte.

Autor: DI Wolfgang GRÜNWALD, LK Niederösterreich


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Aktualisiert am: 22.03.2010 10:43
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