Holz im Tank

FT-Diesel birgt eine große Chancen für die Land- und Forstwirtschaft.
Liegt die Zukunft bei Holz, als Treibstoff?
Liegt die Zukunft bei Holz, als Treibstoff?
Die Herstellung von Gas-to-Liquid-Diesel über die Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Diesel) birgt große Chancen für die Land- und Forstwirtschaft. Das ist bei einer Pressefahrt des Österreichischen Biomasse-Verbandes nach Güssing im Süden des Burgenlandes deutlich geworden. Dort wird der Heizbedarf des Ortes bereits zu 85 % mit Fernwärme aus einem Kraftwerk gedeckt, das auf der Basis von Holzschnitzel über Vergasung mittels Heißdampf von 800°C mit anschließender Gasreinigung und Kraft-Wärme-Kopplung eine Leistung von 8 Megawatt (MW) abgibt. Mit Unterstützung durch die Europäische Union, Österreich und das Burgenland wurde an dieses Kraftwerk als erste Stufe ein Projekt von Energiegewinnung aus Holz und Biomasse angeschlossen, das von Prof. Hermann Hofbauer, TU Wien, geleitet wird. Aus dem mittels Fischer-Tropsch-Verfahren gewonnenen Synthesegas aus Holz und Biomasse sowie biogenen Reststoffen werde nach der Gasreinigung erneuerbarer Kraftstoff synthetisiert, erläuterte der Wissenschaftler. Die Erzeugung von Bio-Synthesegas und wasserstoffreichem Gas habe bereits einen hohen technischen Standard erreicht. Derzeit liege der Forschungsschwerpunkt auf der Gewinnung hochwertigen FT-Dieselkraftstoffs. Dieser habe durch seinen langkettigen Molekülaufbau wesentlich bessere Eigenschaften als fossile Treibstoffe, da ihm die aromatischen Verbindungen fehlten.

Energiepflanzen steigern die Hektar-Ausbeute

Ersten Kalkulationen zufolge errechne sich ein Zapfsäulenpreis von 1,20 Euro/l, womit die Wirtschaftlichkeit durchaus gegeben sei, betonte Prof. Hofbauer. Interessant seien die Herstellungsgrundlagen. Bei Holz als Grundstoff könnten pro Hektar etwa 1.500 l erzeugt werden, ähnlich der Produktion von Dieselöl aus Raps. Beim Einsatz von Energiepflanzen wie Miscanthus würde sich die Hektar-Ausbeute auf fast 4.000 l FT-Diesel steigern lassen. Damit könnte der Treibstoffbedarf Österreichs auf rund 120.000 t ha abgedeckt werden - eine große Chance für die Bauernschaft, hob Prof. Hofbauer hervor. Zwar müsse das Material aus Kostengründen auf großen, zusammenhängenden Flächen gewonnen werden; gleichzeitig wäre die Herstellung des Treibstoffs aber dezentral in einigen Werken möglich, auch weil dadurch eine optimale Nutzung der anfallenden Wärme für die Fernheizung gegeben sei. Derzeit befänden sich verschiedene Synthesereaktoren zur Herstellung von Erdgas in der Entwicklung. Außerdem werde die Gewinnung von Wasserstoff aus Biomasse im Labormaßstab untersucht. Das endgültig angestrebte Ziel des Projekts sei die sanfte Umstellung von fossilen auf nachhaltige Kraftstoffe. Im Hinblick hierauf hätten sich bereits Interessenten aus Japan und den Vereinigten Staaten angemeldet.

Mehr Infos über den Biomasseverband:

www.biomasseverband.at


Aktualisiert am: 28.10.2005 09:31
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