Hohe Grundfutterqualität bleibt unersetzbar

Die Verdaulichkeit des Wiesenbestandes ändert sich während der Vegetationsperiode gravierend. Richtige Bestandesführung und optimale Behandlung des Erntegutes sind wesentliche Voraussetzungen für gutes Futter.

Beste Grundfutterqualität wird für Milchbauern immer wichtiger.
Beste Grundfutterqualität wird für Milchbauern immer wichtiger.
Mit den Sinnen kann der Landwirt die botanische Zusammensetzung (wertvolle Arten, Gemeine Rispe, Unkräuter, Giftpflanzen), das Entwicklungsstadium der Futterpflanzen, Trockenmassegehalt, Futterstruktur und -konsistenz, Farbe, Verschmutzung, Staub, Geruch (Gärsäuren, Ammoniak, Amide usw.) und den mikrobiellen Zustand (visuelle und geruchsmäßige Erfassung von Hefen und Schimmelpilzen) kostenlos vor Ort bewerten. Die ÖAG-Sinnenprüfung erfasst auf einfache Art und Weise in einem Erhebungsblatt systematisch Geruch, Gefüge, Farbe und Verschmutzungsgrad. Das Endresultat ergibt eine Punktesumme (-3 bis 20 Punkte), welche die Futterqualität in Form einer Note (1- sehr gut, 2- gut, 3- mäßig, 4- verdorben) klassifiziert (ÖAG-Sonderbeilage 8/2006).

Gut ist es wenn es gut riecht
Silage und Heu sollen angenehm und aromatisch riechen. Ist der Geruch muffig, mockig (Schimmel), röstig, brandig (Fermentation), übelriechend oder gar faulig, so wurden Fehler gemacht, die zu einem deutlichen Qualitätsverlust führen. Die Farbe soll bei der Silage olivbraun, bei Heu und Grummet grün sein. Ist die Silage schwarz oder enthält viele strohgelbe Stängel, so traten meistens Fehlgärungen oder eine temperaturbedingte Fermentation auf, die auch im Geruch auffallen. Ausgebleichtes Heu ist in der Regel gelb bis braun, hier wurde das wertvolle ß-Karotin durch Fermentation großteils abgebaut. Silage und Heu sollen blattreich sein, das heißt es sollten beim 1. Aufwuchs nicht mehr als 45 % Stängel in der Probe enthalten sein, bei den Folgeaufwüchsen weniger als 35 % Stängel. Die Blätter von Kleearten und Kräutern sollen gut erhalten sein, weil in ihnen wertvolle Nähr- und Mineralstoffe enthalten sind.
Mineralische Verschmutzung ist an Erdpartikeln und Wurzelballen erkennbar. Jedes zusätzliche Prozent an Rohasche vermindert die Energiekonzentration um 0,1 MJ NEL/kg TM. Verschmutzung durch organisches Material wie verdorbene Futterreste, Stallmist, Gülle oder sehr humusreicher Erde kann nur mit der Sinnenprüfung bewertet werden, die chemische Analyse ergibt meist keinen erhöhten Rohaschewert. Organische Verunreinigungen können hygienische Probleme bei Silage und Heu durch Mikroorganismen wie Buttersäurebildner (Clostridien), Schimmelpilze oder Fäulnisbakterien verursachen. Beim Verzehr von verunreinigten Futterpartien kommt es in vielen Fällen zu einer Reduktion der Futteraufnahme und damit zu einem Rückgang der Grundfutterleistung.

Autoren: Univ.-Doz. Dr. Leonhard GRUBER, Dr. Andreas STEINWIDDER und Ing. Reinhard RESCH, LFZ Raumberg-Gumpenstein




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Aktualisiert am: 24.04.2008 15:42

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