Hochleistungszucht vor noch stärkerer Globalisierung

Ein Zurück zu alten Formen der Tierzucht kann es nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde nicht geben. Es sei eine Patentierung der sich immer schneller entwickelnden molekulargenetischer Methoden sei notwendig, um den Weg der Innovation „beharrlich und verantwortungsbewusst“ gehen. Transgene Tiere seien bereits im Kommen.
In der Hochleistungszucht ist eine erhöhte Globalisierung notwendig, um die genetische Vielfalt zu sichern.
In der Hochleistungszucht ist eine erhöhte Globalisierung notwendig, um die genetische Vielfalt zu sichern.
Mit einer noch stärker globalisierten Entwicklung in der Hochleistungszucht rechnet die Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde (DGfZ). Eine ausreichende genetische Vielfalt stelle die Grundlage aller züchterischen Anpassungen von Populationen an neue Ziele und Bedingungen dar, betont die DGfZ in ihrer soeben veröffentlichten „Stellungnahme zur Zukunft von Tierzucht und Tierzuchtforschung in Deutschland“. Diese wurde gleichzeitig an die deutsche Landwirtschaftministerin Ilse Aigner, Staatssekretär Dr. Robert Kloos sowie an die zuständigen Länderminister und Agrarausschüsse verschickt. Die DGfZ weist darauf hin, dass sich mit der Anwendung moderner Züchtungsverfahren die Zuchtpopulation vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich verändert habe. Hier sei es zu einer starken Verbreitung von wenigen, besonders leistungsfähigen Rassen gekommen, wodurch lokale Rassen häufig weitgehend verdrängt worden seien.

Ernährungssicherung und Patentierung
Die heute bestehenden, verschiedenen Anwendungsperspektiven können der DGfZ zufolge nur durch innovative Forschung und im internationalen Verbund realisiert werden. Die Sicherstellung einer weltweit ausreichenden und qualitativ hochwertigen Versorgung mit Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs könne nur mit Hilfe einer kontinuierlichen, interdisziplinär gestalteten wissenschaftlichen Forschung und einer raschen Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die züchterische Praxis gelingen. Die schnelle Entwicklung molekulargenetischer Methoden erfordert nach Ansicht der DGfZ den Schutz geistigen Eigentums und technischer Entwicklungstätigkeiten, zum Beispiel durch Patentierung. Dabei dürfe die züchterische Arbeit jedoch nicht durch Patente der Tierzucht eingeschränkt werden. Hier müssten Lösungen durch Patentgerichte, Politik und Verwaltung gefunden werden, die den Schutz von Neuentwicklungen erlaubten und dabei die praktische Tierzucht nicht behinderten. Ein Zurück zu alten Formen der Tierzucht könne es angesichts der globalen Herausforderung der Menschheit nicht geben, unterstreicht die DGfZ.

Produkt jahrhundertelanger Zucht
Die DGfZ verweist auch darauf, dass die zahlreichen Formen und Ausprägungen der heutigen landwirtschaftlichen Nutztiere ein Produkt der jahrhundertelangen züchterischen Bearbeitung seien. Inzwischen sei die Sequenzierung und Annotierung der Genome landwirtschaftlicher Nutztiere fortgeschritten, und es würden informative Genkarten vom Rind, Schwein, Geflügel, Pferd, Hund und Biene vorliegen. Mit den neuen genomischen Kenntnissen sowie den Fortschritten im Bereich der modernen Reproduktionsbiotechnologie könnten viele Begrenzungen der heutigen Zuchtarbeit überwunden und damit neue Handlungsoptionen gewonnen werden, so die DGfZ. Die modernen biotechnologischen Verfahren, ständige Fortschritte in der Datenverarbeitung sowie die Vereinfachungen im internationalen Austausch von genetischem Material könnten wirksam Beiträge zur Erhaltung und zum Ausbau genetischer Vielfalt leisten.

Schritt in die „genomische Ära“
Auch bei den landwirtschaftlichen Nutztieren vollzieht sich nach Darstellung der DGfZ derzeit der Schritt in die „genomische Ära“, so wie er bereits im humanen Bereich schon bei den Labortieren gegangen worden sei. Durch geeignete Array-Verfahren lasse sich heute bereits das vollständige Expressionsmuster für mRNA beziehungsweise Proteine von einzelnen Organen beziehungsweise ganzen Organsystemen darstellen. Das sei die Basis für neue Erkenntnisse über die Interaktion zwischen Genen und Genclustern. Die Kenntnisse dieser molekularen Netzwerke würden zu einem deutlich verbesserten Verständnis von Abläufen im Tier unter bestimmten Haltungsbedingungen führen.

Transgene Tiere kommen
Darüber hinaus macht die DGfZ unter anderem darauf aufmerksam, dass es schon heute möglich sei, landwirtschaftliche Tiere mit zielgenauen genetischen Veränderungen zu erzeugen, indem molekulargenetische Verfahren mit denen des somatischen Kerntransfers verbunden würden. Verfahren, die bei der Maus bekannt seien und eine optimierte, hochregulierbare Expression von genetischen Elementen erlaubten, würden zunehmend für Großtiere adaptiert. Neben den bereits heute bekannten biomedizinischen Anwendungen transgener Nutztiere wie „Gene Pharming“ und Xenotransplantation würden landwirtschaftliche Anwendungsperspektiven entwickelt, mit denen zukünftigen Anforderungen im Hinblick auf Effizienz, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit besser als bisher begegnet werden könne. Transgene Nutztiere dienen laut DGfZ auch zunehmend als Modell zur Erforschung wichtiger humaner Erkrankungen wie Mukoviszidose, Diabetes, verschiedene Formen von Tumoren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies betreffe sowohl die Grundlagenforschung als auch die präklinische Erprobung. Auch für die Erprobung stammzellbasierter Therapien zeichne sich ein zunehmender Bedarf für gentechnisch veränderte Großtiere ab. Die Forschung sei aufgerufen, die neuen Tätigkeitsfelder rechtzeitig zu erkennen und den wissenschaftlichen Nachwuchs daraufhin auszubilden, so die DGfZ. (AgE)

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Aktualisiert am: 03.05.2010 11:49
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