Hirse ohne Safener-Beize

Die Hirse hat sich in den letzten Jahren als Alternative zu Mais durchgesetzt. Doch funktioniert die Kultur nur, wenn auch das Unkrautmanagement klappt.
Nur ein Unkraut- und vor allem Ungrasfreier Hirsebestand liefert auch zufriedenstellende Erträge. Foto: Böck
Nur ein Unkraut- und vor allem Ungrasfreier Hirsebestand liefert auch zufriedenstellende Erträge. Foto: Böck
Die Landwirte sehen es teils sehr pragmatisch: Sie brauchen eine Kultur anstatt von Mais, die sich ebenfalls unkompliziert führen lässt. Mit der Sorghum-Hirse hat das perfekt funktioniert. Doch wenn die Safener-Beize wegfällt, ist die chemische Unkrautbekämpfung nicht mehr so einfach wie gewohnt. Die Herausforderung ist eine funktionierende Unkraut- bzw. Ungrasbekämpfung. Die Betonung liegt dabei auf dem „Ungras“, da gerade die verwandten Ungräser wie Hühnerhirse in der Kulturhirse Probleme verursachen. Das heißt Sie müssen selektive Bodenmittel verwenden, welche die Kulturhirse schonen, aber die anderen Ungräser schädigen bzw. abtöten. Dies ist in der Hirse deutlich schwieriger als im Mais.

Verfügbare Präparate
Für die Bekämpfung von Unkrauthirsen in der Körnerhirse stehen aus Gründen der Verträglichkeit nur bodenwirksame Präparate im Vor- oder frühen Nachauflauf zur Auswahl. Alle anderen, vorwiegend blattaktiven Wirkstoffgruppen, scheiden aus. Viele der Bodenherbizide – vorwiegend aus Mais bekannt würden zwar mehr oder weniger gut funktionieren, verfügen aber über keine Registrierung in Körnerhirse bzw. Sorghum. Insofern bleiben in der Praxis nur drei Präparate übrig. Mit Gardo Gold (Terbuthylazin + s-Metolachlor) steht ein gut geeignetes Produkt zur Verfügung, jedoch mit der Einschränkung, dass in Wasserschutz- und Schongebieten dieses Präparat nicht erlaubt ist (Terbuthylazin- Verbot). Das Präparat Spectrum wäre in der Wirkung etwas breiter als Gardo Gold, kann aber – ebenso wie Stomp Aqua – vor allem bei nicht Safener-gebeizter Hirse Schäden an der Kultur verursachen.

Einsatzzeitpunkt ist das Um und Auf
Eine bestockte Hühnerhirse kann mit Bodenherbiziden nicht mehr bekämpft werden. Foto: Fragner
Eine bestockte Hühnerhirse kann mit Bodenherbiziden nicht mehr bekämpft werden. Foto: Fragner
Bodenherbizide werden über die Keimscheide der Samen aufgenommen und führen so zum Absterben der Unkräuter. Insofern liegt der entscheidende Faktor beim Zeitpunkt der Ausbringung. So dürfen Unkrauthirsen beispielsweise das 1- bis 2-Blatt-Stadium nicht überschritten haben. Genau hierbei ist der Hirseanbauer gefordert. Er muss genau beobachten und darf diesen Termin nicht versäumen. Ist er zu spät dran, gibt es chemisch keine Möglichkeit mehr, die zu groß gewordenen Unkrauthirsen zu beseitigen. Eine Behandlung im Vorauflauf birgt hingegen die Gefahr von Schäden an der Kulturhirse. Bei zu viel Niederschlag wandert der Wirkstoff zum Samen, der nicht vor der Aufnahme der herbiziden Wirkstoffe geschützt ist und somit mitbekämpft wird. Für eine gute Verträglichkeit sollte die Körnerhirse zwei bis drei Blätter gebildet haben. Laut Registrierungstext ist der Einsatz der zugelassenen Mittel aber auch erst ab dem 3-Blatt-Stadium der Kultur erlaubt.

Von Harald Fragner

Mehr zum Wegfall der Safner-Beize bei Hirse, wie Sie darauf reagieren können und wie die unterschiedlichen Herbizide auf dii ungebeizten Hirsepflanzen reagieren lesen Sie in der LANDWIRT Ausgabe 1/2018.
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Aktualisiert am: 19.12.2017 13:20