Heumilch – vom Feld bis zum Produkt

Wie erzeugen Sie in der Praxis möglichst verlustarm und kostengünstig hochwertiges Qualitätsheu? Wie ist auf die unterschiedlichen Futteransprüche von Jungvieh, Milchvieh und Pferden zu reagieren? Was müssen Sie beim Planen, Errichten und Betreiben einer Heubelüftungsanlage beachten? Welche Heubelüftungsanlage passt für Ihren Betrieb? Wie ist Heumilch zu bewerten? Fragen über Fragen, die uns im Zusammenhang mit der Winterfutterbereitung und allfälliger Vermarktungsmöglichkeiten für Milch beschäftigen und in der vorliegenden Beilage beantwortet werden.
Im Jahr 2005 wurden vom Jahresfutterbedarf (ca. 5 Mio. t Trockenmasse) aus dem Grünland 38 % zu Heu und Grummet getrocknet.
Im Jahr 2005 wurden vom Jahresfutterbedarf (ca. 5 Mio. t Trockenmasse) aus dem Grünland 38 % zu Heu und Grummet getrocknet.
Futterflächen mit einem höheren Düngereinsatz verlangen unbedingt eine Vorverlegung des Schnittzeitpunktes. Geschieht dies nicht, wird das Futter aus der „Qualitätsreife davon wachsen“, überständig und schwer verdaulich. Solches Futter eignet sich dann für Jungvieh oder Pferde, wobei für letztere nur staubfreie bestens geworbene Partien in Frage kommen. Bei verspätetem Schnitt verschiebt sich die ausgewogene Grasnarbe in weiterer Folge zu kräuterreichen Pflanzenbeständen mit einem hohen Anteil an wertlosen Platzräubern. Sie ist außerdem gekennzeichnet durch einen Mangel an Untergräsern, die der Verschmutzung des Erntefutters und der Ampferausbreitung entgegenwirken.

Die Vortrocknung am Boden spart Geld
Heute ist es technisch möglich, frisch gemähtes Wiesengras ohne Vorwelkung am Boden unter Dach zu trocknen. Allerdings ist der Energieaufwand dafür meist unwirtschaftlich hoch. Zum Trocknen von Halbheu mit 40 % Anfangswassergehalt muss im Vergleich zu 30 % Wassergehalt die doppelte Menge an Wasser abgeführt werden. Man braucht deshalb auch ungefähr die doppelte Menge an Energie. Bei höheren Feuchtigkeitsgehalten wird die Situation noch wesentlich drastischer. Bei einem Energiekostenvergleich je kg Heu schneidet daher die Trocknung von sehr feuchtem Heu schlecht ab. Trocknungskosten sollten zum besseren Vergleich auf Prozent Trockenbasis oder einfacher auf 1 kg abgetrocknetes Wasser bezogen werden.

Belüften führt nicht immer zu einer Trocknung!
Bei Regenwetter ist trotz Belüftung mit Kaltluft keine Trocknung von Heu bis zur Lagerfähigkeit möglich. Es gibt nämlich einen Gleichgewichtszustand zwischen der Feuchtigkeit eines Trockengutes und der relativen Luftfeuchtigkeit. Zum Trocknen von Heu auf annähernd Lagerfähigkeit ist deshalb beispielsweise eine maximale Luftfeuchtigkeit von etwa höchstens 63 % Voraussetzung. Bei 80 % relativer Luftfeuchtigkeit ist nur eine Trocknung bis 30 % Heufeuchtigkeit möglich. Ist die Luft feuchter, so wird trotz Belüftung nicht mehr getrocknet. Es wird dann das Heu sogar in geringerem Umfang wieder Wasser aufnehmen. Es hat also nur Sinn zu belüften, wenn eine relative Luftfeuchtigkeit unterhalb der Gleichgewichtskurve herrscht. Aus Sicherheitsgründen muss jedoch belüftet werden, wenn die Temperatur im Heu durch Selbsterwärmung über 35 °C steigt.

Autoren: Dipl.-Ing. Gotthard WIRLEITNER, Seekirchen am Wallersee und Dr. Wolfgang GINZINGER, Faistenau.


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Aktualisiert am: 08.09.2006 15:11
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