Heu – ein unverzichtbarer Bestandteil in der Rinderfütterung

In intensiven Milchviehrationen hat Heu häufig keinen Platz mehr. Dabei trägt es wesentlich zur Tiergesundheit bei. In dem Beitrag werden Rationsvarianten für Siloverzichtsbetriebe dargestellt und auf die Bedeutung von Heu in der Jungviehaufzucht eingegangen.
Heu regt Kühe zum Wiederkauen an.
Heu regt Kühe zum Wiederkauen an.
Rinder müssen ständig Zugang zu frischem Futter haben. Üblicherweise wird zur Morgen- und Abendmelkung Futter frisch vorgelegt. Bei Heufütterung ist es sehr wichtig, dass zwischen den beiden Hauptmahlzeiten das Futter mehrmals am Tag nachgeschoben wird. Durch zusätzliche Gabe von geringen Mengen frischen Futters auf das ältere wird die Futteraufnahme zusätzlich angeregt.
Futterreste von ca. 5 % müssen täglich entfernt werden. Ein ausreichendes Futterangebot liegt dann vor, wenn die Futterreste noch dem frischen Futter gleichen und nicht bloß Stängel enthalten. Leer gefressene Futterbarn sind ein sicherer Hinweis für eine zu geringe Futtervorlage.
Das Grundfutter muss auch im Laufstall auf alle Fressplätze gleichmäßig aufgeteilt werden. Auch die rangschwächeren Tiere sollen gleichzeitig mit der restlichen Herde fressen können. Besonders nach dem Melken müssen alle Tiere sofort Zugang zum Futter haben.

Heu reichlich und immer wieder vorlegen
Bei Selbstfanggittern sollten die Tiere zu den Hauptmahlzeiten jeweils cirka eine Stunde eingesperrt werden. Während dieser Zeit haben alle Kühe die Möglichkeit, in Ruhe das vorgelegte Futter zu fressen. In Anbindeställen ist es sehr schwierig, ohne häufiges Futternachschieben eine gute Futterqualität im Barn zu halten. Durch die Tränke über oder kurz vor dem Barn durchnässt das Futter häufig. Besonders bei Heufütterung muss deshalb immer wieder frisches Heu vorgelegt werden. Die Tiere dürfen auf keinen Fall vom Futterbarn weggesperrt werden.
Den Rinden muss natürlich ausreichend Wasser angeboten werden.
Bei Heu geringerer Qualität können die Kühe durch Lockfutter wie Melasse bzw. aufgeweichten Trockenschnitzel zum Fressen angeregt werden (Hinweis: Einige Hartkäsereibetriebe verbieten den Einsatz dieser Futtermittel).
Die Futteraufnahme kann relativ rasch kontrolliert werden. Schon ein Blick auf die Hungergrube nach den Hauptfresszeiten genügt, um festzustellen ob sich die Kühe satt gefressen haben.

Fazit
Traditionell hat in den Alpenländern die Heufütterung noch große Bedeutung. Auch aus der Sicht der Tierernährung ist Heu grundsätzlich ein sehr wertvolles Futtermittel.
Heu macht aus Kälbern gute Fresser mit hohem Pansenvolumen. Bei Milchkühen wird mit Heu die höchste Futteraufnahme erreicht. Richtig eingesetzt beugt Heu so mancher Stoffwechselerkrankung vor. Betriebe, die an Milchkühe in den Wintermonaten ausschließlich Heu füttern, müssen, um eine gute Milchleistung zu erzielen, beste Heuqualität produzieren.
Silagebetriebe, die nur wenig Heu füttern, können auch spät gemähtes Futter sehr gut einsetzen. Große Vorteile hat spät gemähtes Heu bei trockenstehenden Kühen und bei Kalbinnen.

Autoren: Dr. Andreas STEINWIDDER und Dipl. Ing. Karl WURM


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Aktualisiert am: 20.12.2007 16:12
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