Herkunftsbezeichnung: Die Wurst ist eine Götterspeise, denn nur die Götter wissen, was drinnen ist

Woher der Rohstoff in Fleischwaren kommt, ist in vielen Fällen nicht bekannt. Auch in der Gastronomie setzt man nicht auf „Herkunft“. Doch das soll sich nun ändern.
Der Anteil des Fleisches, das in der Verarbeitungsindustrie landet, liegt im Jahresdurchschnitt weit über 50 %.
Der Anteil des Fleisches, das in der Verarbeitungsindustrie landet, liegt im Jahresdurchschnitt weit über 50 %.
Im vergangenen Jahr waren 640.000 der 5,54 Mio. in Österreich geschlachteten Schweine lebend importiert. Das heißt, jedes neunte Schwein, das in Österreich geschlachtet wird, stammt aus dem Ausland. Zudem kommt noch importiertes Schweinefleisch, das umgerechnet knapp 2 Mio. Schweine ausmacht. Unerwähnt soll natürlich nicht bleiben, dass etwa 2,7 Mio. Schweine als Schweinefleisch oder verarbeitet das Land verlassen. Trotzdem fallen bei einem kalkulierten Inlandsabsatz von 4,7 Mio. Schweinen knapp 2,6 Mio. Schweine auf Importware.

Schwammiges Gesetz
Der Gesetzgeber stärkt hier der Landwirtschaft auch nicht gerade den Rücken. So gibt es EU-weit keine konkrete Definition des Begriffs „Herkunft“ bei Schweinefleisch. Laut §5, Absatz 2 des Lebensmittelsicherheits- und Verbraucherschutzgesetzes ist es verboten, „Lebensmittel mit zur Irreführung geeigneten Angaben in Verkehr zu bringen oder zu bewerben“. Als Beispiel werden hier unter anderem die Begriffe Identität, Ursprung und Herkunft genannt. Doch ob der Ursprung einer Wurst beim Landwirt oder beim Verarbeiter liegt, wird hier nicht geregelt. Auch die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung gibt keine genaueren Aufschlüsse. Zur Klarstellung: Das ovale Label auf den Verpackungen mit der Landeskennung (Bsp. AT) und einer fünfstelligen Nummer identifiziert den Schlacht— bzw. den Zerlegebetrieb und tätigt keine Aussage über die Herkunft des Rohstoffs.

Gütesiegel bei Wurst
Das bisher einzige System, dass die österreichische Herkunft von Schweinefleisch und dessen Verarbeitungsprodukten sicherstellt, ist das AMA-Gütesiegel. Rund 2.000 Gütesiegel-Schweinebauern liefern jährlich etwa 1,3 Mio. Schweine, von denen aufgrund der Gewichts- und pH-Wert-Vorgaben knapp 700.000 Schweine die endgültige Gütesiegel-Kennzeichnung erhalten. Seit Beginn dieses Jahres lobt auch REWE in den Merkur-Märkten das AMA-Gütesiegel bei Schweinefleisch aus. Mit der „Hofstätter-Linie“ wurde auch das Premium-Wurstsegment auf Gütesiegel umgestellt. SPAR bietet bereits seit Jahren AMA-Gütesiegel-Fleisch und stellt nun auch Teile des Wurstsegments um.

Autor: Roman GOLDBERGER, Rainbach


Aktualisiert am: 02.04.2010 11:12
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