Herbstbestellung 2007 - Wintergetreide

Vergeilen der Frühsaaten, Verzwergungsvirosen, Schossbeginn bereits am Anfang März, häufiger Befall mit Schwarzbeinigkeit, schlechte Kornausbildung, massives Auftreten von Braunrost im Mai – das waren ein paar der Besonderheiten der letzten Getreidesaison. Was lässt sich daraus für die kommende Bestellung ableiten?
Damit zweizeilige Wintergersten ihr Ertragspotenzial ausschöpfen können, sollten je nach Bodengüte und Sorte Bestände mit 650 bis 950 Ähren/m² etabliert werden.
Damit zweizeilige Wintergersten ihr Ertragspotenzial ausschöpfen können, sollten je nach Bodengüte und Sorte Bestände mit 650 bis 950 Ähren/m² etabliert werden.
Die Wintergerste hat ein relativ enges Saatzeitfenster: Sie sollte vor dem Winter wenigstens soviel kräftige Triebe mit 5 - 6 Blättern bilden können, wie sie Ähren je m² tragen soll. Also wenigstens 500 - 600 kräftige Triebe bei mehrzeiligen Sorten bzw. 800 - 1000 kräftige Triebe bei zweizeiligen Sorten, die im Laufe des Winters bis zum Übergang in den Langtag (Anfang April) Ähren ausbilden. Späte, erst im Frühjahr gebildete Triebe fallen bei der Wintergerste im Ertrag regelmäßig stark ab.
Für die Bildung eines Getreideblattes sind 70 °C-Tage nötig. Damit muss die Gerste etwa 500 °C-Tage wachsen können, damit der Haupttrieb und wenigstens 1 Seitentrieb 6 bzw. 5 Blätter bilden können. Das ist der Fall, wenn die Gerste bis zum 25. September aufläuft und die Vegetation ab Mitte November zur Ruhe kommt. Hält das Wachstum bis in den Dezember hinein an, kann sich die Gerste noch ausreichend entwickeln, wenn die Drillreihen um den 5. Oktober zu erkennen sind.
Die Gerste sollte deshalb zwischen dem 18. und 25. September (Vegetationsende: Mitte November) bzw. zwischen dem 28. September und 5. Oktober (Vegetationsende: Anfang Dezember) auflaufen.

Termin Weizenbestellung
Beim Weizen haben wir einen größeren Spielraum. Für die Festlegung des Saattermins spielt auch der Vegetationsbeginn im Frühjahr eine Rolle. Ist das um den 5. März der Fall, hat der Weizen im Frühjahr immerhin 25 Tage Zeit für die Triebentwicklung, dann sollte er spätestens 20 Tage vor Vegetationsschluss auflaufen, also Anfang November, wenn die Vegetation Anfang Dezember aufhört. Der Weizen muss dann bis zum 20. Oktober bestellt sein.
Setzt das Wachstum erst Ende März ein, hat der Weizen bis zum Langtag maximal 10 Tage Zeit, dann sind im Herbst wenigstens noch 35 Tage Wachstum notwendig. In diesem Fall muss der Weizen spätestens um den 10. Oktober auflaufen, wenn die Vegetation Mitte November aufhört. Die Aussaat des Weizens muss dann bis zum 3. Oktober abgeschlossen sein.
Auf der anderen Seite darf der Weizen sich nicht vegetativ überwachsen. Wenn auf den Weizen bis Vegetationsende 500 °C-Tage eingewirkt haben, kann die Konkurrenz im Bestand zu einer Beeinträchtigung der Kornzahl je Ähre und des TKG führen. Rechnen wir wieder rückwärts: Der Weizen darf frühestens Anfang Oktober auflaufen, wenn die Vegetation bis Dezember anhält bzw. nicht vor dem 25. September, wenn ab Mitte November kein Wachstum mehr zu erwarten ist. Die entsprechenden Saattermine liegen um den 1. Oktober bzw. 20. September.
In den Tallagen dagegen, wo das Wachstum noch bis Anfang Dezember anhalten kann, liegt die mögliche Saatzeitspanne zwischen dem 1. und 20. Oktober.
Die Frage ist nur, wann hört der Weizen in diesem Jahr auf zu wachsen? Das kann keiner voraussagen. Es wäre aber falsch, gute Bestellbedingungen um den 25. September verstreichen zu lassen, um am 5. Oktober den Weizen in den Boden zu schmieren, weil man mit ähnlich langer Herbstvegetation wie im Vorjahr rechnet.

Fassen wir zusammen:
· Bei nassen Böden hat die Qualität der Bestellung Vorrang.
· Durch Sortenwahl und Anpassung der Saatstärke lassen sich Risiken früher oder zu später Aussaat verringern.
· Frühe Getreidebestände sollten gegen Virusvektoren, aber auch Blattkrankheiten im Herbst gebeizt werden. Auf jeden Fall muss auf Zuflug von Blattläusen bzw. auf Einwanderung von Zikaden kontrolliert werden und gegebenfalls Insektizide eingesetzt werden.
· In Getreide nach Getreide sollte gegen die Schwarzbeinigkeit gebeizt werden (Jockey, Galmano, Latitude), wenn bereits im Blattfruchtweizen stärkerer Befall zu beobachten war. Auch Quecken im Bestand erhöhen das Befallsrisiko.
· Getreide nach Getreide erfordert auf Standorten ohne regelmäßige organische Düngung eine rechtzeitige N-Düngung im Herbst zu Beginn der Bestockung.

Autor: Dr. Hans Georg SCHÖNBERGER, N.U. Agrar GmbH, Schackenthal (D)


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Aktualisiert am: 11.09.2007 15:55
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