Herausforderungen an die Energieholzbereitstellung

Die Gewinnung von Biomasse aus dem Wald ist zur Anhebung des Anteils erneuerbarer Energien eine große Chance, muss sich aber auch wirtschaftlich rechnen.
Je kürzer die Transportdistanzen zum Heizkraftwerk sind, desto günstiger sind normaler weise die Transportkosten.
Je kürzer die Transportdistanzen zum Heizkraftwerk sind, desto günstiger sind normaler weise die Transportkosten.
Laut EU- Klimapolitik soll der Anteil der erneuerbaren Energie in Europa bis 2020 von derzeit 6,5 % auf durchschnittlich 20 % erhöht werden. In Österreich wird eine Anhebung des Anteiles an erneuerbarer Energie sogar auf 34 % angestrebt. Ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung der Klimaziele wurde schon 2006 mit der Errichtung des Biomasseheizkraftwerkes Wien-Simmering gesetzt. Mitteleuropas größtes Waldbiomasseheizkraftwerk spart jährlich ca. 144.000 t CO2 ein. Es werden 650.000 SRM Waldhackgut jährlich verheizt, das entspricht einer Menge von 47.000 t Heizöl oder 40.000 t Erdgas. Versorgt wird das Waldbiomasseheizkraftwerk durch die Österreichische Bundesforste AG. Neben dem HKW Wien-Simmering gibt es aber österreichweit noch weitere namhafte Abnehmer von Biomasse wie verschiedene Großheizkraftwerke, die elektrische Energie auskoppeln und auch eine Vielzahl an örtlichen Nahwärmeversorgern. Nicht zu vergessen sind die bäuerlichen Genossenschaften, die den regionalen Energiemarkt versorgen.

Preis für Rohstoff
Doch alle diese Abnehmer haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen, dem Preis für den Rohstoff. Der Preis für Biomasse ist ein begrenzter, er kann durch verschiedene Gründe wie dem Ökostromgesetz nicht ins unermesslich steigen. Daher ist die Forstwirtschaft gefordert, die Kosten zu minimieren um einen positiven Deckungsbeitrag zu erwirtschaften. Kosten zu minimieren bedeutet die Logistikkette zu optimieren, die Transportdistanzen und Wegzeiten zu verkürzen, neue Technologien zu verwenden und eine gerechte Werksübernahme der Biomasse.

Werksübernahme
In großen Heizkraftwerken ist es Usus, das Holz je Atrotonne zu übernehmen. Die Ermittlung der Atrotonne erfolgt mittels Verwiegung der gesamten Ladung und Feststellung der Holzfeuchte mit Hilfe einer repräsentativen Probe. Diese Probe kommt in den Darrschrank und wird 12-24 h auf die relative Holzfeuchtigkeit 0 herunter getrocknet. Das Holz wird somit in AMM (Atrotonne mit Rinde geliefert, mit Rinde gemessen und verrechnet) übernommen. Vorteil der Atrotonne gegenüber dem Schüttraummeter: Der Heizwert je Gewicht (AMM) ist bei jeder Holzart annähernd gleich! Die Umrechnungsfaktoren in Tabelle 1 sind nur ein Näherungswert. Es kommt auf die Herkunft, die Art und die Wuchsverhältnisse der jeweiligen Baumart an. Die Praxis zeigt, dass eine Tieflagenfichte nur 300kg/FM wiegt und eine langsam gewachsene Hochlagenfichte bis zu 600 kg/FM auf die Waage bringen kann.
In kleinen Heizkraftwerken wird die Biomasse meist je Schüttraummeter (SRM) übernommen. Es sollte aber auch hier die Feuchtigkeit festgestellt werden, da diese massiv den Brennwert beeinflusst. Feuchtes Material hat einen schlechteren Brennwert als trockenes. Die Trocknung von 55 % Feuchtigkeit auf 20 % Feuchtigkeit hat eine Verdoppelung des Brennwertes zur Folge. Somit ist zu empfehlen, die Biomasse nicht waldfrisch zu verheizen, sondern mindestens eine Saison luftig abzutrocknen.

Biomasseentzug
Auf seichtgründigen Kalkstandorten, sowie auf schlechten Bonitäten sollte keine Biomasse geerntet werden. Erstdurchforstungsmaßnahmen sind vorzugsweise im Winter durchzuführen, da hier das Laub und etwaige Nadeln (Lärche) nicht entnommen werden. Bei Fichtenerstdurchforstungen sollen die Äste und Nadeln im Bestand verbleiben. Ansonsten werden wichtige Nährstoffe aus dem Wald entzogen und die Zuwachsleistung des verbleibenden Bestandes verschlechtert sich. Hier gilt es, die Langzeitwirkung zu beachten!

Autor: DI Andreas PIRCHER, ÖBf - Forstbetrieb Waldviertel-Voralpen, Forstmanagement


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Aktualisiert am: 08.03.2010 13:32
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