Heizen: Hoher Ölpreis verleiht Biomasseheizungen Flügel

Der hohe Ölpreis verbessert die Preiswürdigkeit von Biomasseheizungen gegenüber Ölheizungen enorm: Einsparung von bis zu 12.000 € gegenüber dem fossilen Konkurrenten Öl sind durchaus möglich. Der Umstieg auf Holz, Miscanthus und andere biogene Energieträger rechnet sich schon nach wenigen Jahren auch ohne Förderung. Die entscheidende Größe ist die Heizleistung.
Stroh ist ein billiger Brennstoff, der sich in Ballen oder Pellets verheizen lässt.
Stroh ist ein billiger Brennstoff, der sich in Ballen oder Pellets verheizen lässt.
Klimaschutzfragen, die Sicherung der Energieversorgung sowie die derzeitige Entwicklung am fossilen Rohstoffmarkt haben die Nachfrag nach alternativen Brennstoffen kräftig angeheizt. Die von Experten prognostizierten, stark steigenden Öl- und Gaspreise sind längst keine skurrilen Geschichten mehr und haben im Bereich der Wärmebereitstellung die Bedingungen zu Gunsten von Biomasseheizungen geändert. Der Land- und Forstwirt ist der mit Abstand wichtigste Biomasseanbieter, und damit gleichzeitig der wichtigste Akteur bei der Realisierung einer verstärkten Nutzung erneuerbarer Energieträger. Die hohen Rohölpreise wirken wie ein Interventionssystem für agrarische Produkte. Zukünftig werden neben Scheitholz, Hackschnitzel und Pellets auch alternative agrarische Brennstoffe, wie zB Miscanthus, Pappeln, Weiden, Heupellets und Strohpellets energetisch verwertet werden.

Kostenvergleich unterschiedlicher Biomasseheizungen
Die günstigste Lösung ist die Verfeuerung von Scheitholz. Traditionelle Scheitholzheizungen werden künftig einen Rückgang am Markt erleiden, da am Heizungsmarkt bevorzugt Heizsysteme mit einem ähnlich hohen Servicegrad wie Ölheizungen nachgefragt werden. Der tägliche Gang in den Keller um Brennholz nachzulegen kann nicht gerade als komfortabel bezeichnet werden. Hackgut- und Pelletsheizungen sind hingegen ähnlich komfortabel wie Ölheizungen. Die geringsten Wärmegestehungskosten entstehen durch die Verfeuerung von Pappel-, Wald- und Miscanthushackgut. Auffallend sind die hohen Lagerkosten bei der Miscanthusheizung. Mit einer Schüttdichte von 120 kg/m³ beansprucht der Rohstoff Miscanthus doppelt so viel Platz wie Holzkackgut bzw. fünf-sechsmal so viel Platz wie Pellets. Die Wärmebereitstellung mittels Holz- und Agropellets ist die etwas teurere Variante. Die Herstellung von Pellets empfiehlt sich nur, wenn der Brennstoff am Markt veräußerst werden soll. Ein- und Mehrfamilienhäuser verfügen meist nicht über die notwendigen Lagerkapazitäten um Hackgut einzulagern. Für die Wärmebereitstellung an landwirtschaftlichen Betrieben bzw. für den Betrieb von Mikronetzen können Agropellets nicht empfohlen werden. Relativ kostspielig ist die Energiebereitstellung mittels Energiekorn und Getreideganzpflanzenpellets. Als sinnvoll kann nur die energetische Verwertung von wertlosen, krankheitsbefallenden Getreide erachtet werden. Mit zunehmender Anlagengröße sinken die Kosten je kWh Nutzenergie, da einerseits die Investitionskosten nicht proportional mit der Heizlast steigen und andererseits die Brennstoffkosten an Bedeutung gewinnen. Ab einem Leistungsbereich von 30 kW bestimmen die Brennstoffkosten die jährlichen Gesamtkosten. Diese sind bei mit Biomasse befeuerten Anlagen wesentlich günstiger als bei fossil befeuerten Anlagen. Daher gilt: Je größer die Heizlast desto bestimmender sind die Brennstoffkosten und desto preiswerter werden Biomasse-Heizsysteme. Dieses Ergebnis spricht besonders für die stärkere Forcierung von effizienten Mikro- und Nahwärmenetzen.

Fazit
Die Scheu vor den hohen Investitionskosten ist der Biomasseheizungskiller Nummer eins. Die Entscheidung für oder gegen ein Heizsystem darf jedoch nicht auf Basis von Anfangsinvestitionen – Lagerraum, Heizsystem, größere Umbauarbeiten – getroffen werden. Speziell im höheren Heizlastbereich werden die jährlichen Gesamtkosten im Wesentlichen von den Brennstoffkosten bestimmt. Bei einem Ölpreis von 1 €/Liter sind in allen Leistungsbereichen alle Biomasseheizsysteme günstiger als Ölheizungen, und das ohne Berücksichtigung von Förderungen. Das Argument, dass Biomasse-Heizsysteme nur im großen Leistungsbereich effizient zu betreiben sind, gilt längst nicht mehr. Zu den derzeitigen und künftigen Bedingungen ist selbst die Pelletierung von Agrarrohstoffen voll konkurrenzfähig. Diese könnte sich vor allem bei der betriebsexternen Vermarktung als sinnvoll erweisen. Steigende Energiepreise heizen die Nachfrage nach Brennstoffen aus der Land- und Forstwirtschaft an, weswegen in Zukunft nicht nur in Wäldern, sondern auch auf Äckern und Wiesen Brennstoffe für den wachsenden Bioenergiemarkt produziert werden müssen. Damit eröffnen sich neue Chancen für die Land- und Forstwirtschaft.

Autor: Mag. Thomas LOIBNEGGER, Wegener Center for Climate and Global Change, Graz


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Aktualisiert am: 11.11.2008 10:21
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